Drucken
KARRIERE

Karrierefaktor Intelligenz?

Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Intelligenz und Erfolg beschäftigt die Forschung schon seit Jahrzehnten. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das berühmte Testverfahren eingeführt, das die Intelligenz messbar machen soll: der Intelligenzquotient, kurz IQ. Aber wie aussagekräftig ist die Zahl wirklich – und wie beeinflusst sie die Karriere?

Dass es einen Zusammenhang zwischen Intelligenz und Karriere gibt, darüber ist man sich in der Forschung weitestgehend einig. Nur wie genau diese Verbindung aussieht und welche Faktoren dabei zu berücksichtigen sind, darüber wird nach wie vor kontrovers diskutiert.  

Kluge Menschen haben mehr Optionen

Was in vielen Studien immer wieder sehr eindeutig nachgewiesen werden kann, ist ein Zusammenhang zwischen IQ und Berufswahl. So kommt die Bundesanstalt für Arbeit in neusten Studien in Deutschland etwa zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche IQ bei akademischen Berufen wie Chemikern und Augenoptikern bei 114 bzw. 113 liegt, während Berufe ohne Ausbildung  wie z.B. Lagerarbeiter und Packer auf einen Durchschnitt von 94 bzw. 88 kommen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sich kluge Menschen ausschließlich in akademischen Berufen oder Führungspositionen finden würden. Vielmehr verläuft die Grenze genau anders herum: Menschen mit niedrigem IQ gelingt nur äußerst selten eine Karriere in akademischen Berufen, Menschen mit hohem IQ finden sich dagegen in allen Berufsfeldern – nicht selten auch unter Lagerarbeitern und Packern. Aus dieser Korrelation lässt sich der Schluss ziehen, dass hohe Intelligenz keineswegs ein Garant für Erfolg ist, sondern lediglich ein Potenzial, das einen größeren Spielraum an beruflichen Perspektiven eröffnet.    

Gibt es emotionale Intelligenz?

Ob ein hoher IQ sich tatsächlich in einer steilen Karriere niederschlägt, hängt also von weiteren Faktoren ab, die außerhalb der Kennzahlen liegen, die im klassischen Intelligenztest gemessen werden. Denn dieser erfasst ausschließlich logisch-mathematische Fähigkeiten – weitere karriereförderliche Faktoren wie emotionale Stabilität, Ehrgeiz, Disziplin oder soziale Kompetenzen werden dabei nicht berücksichtig.  

Um dieses komplexe Zusammenspiel von Fähigkeiten, die für Erfolg verantwortlich sind, besser zu erfassen, kommt der amerikanische Intelligenzforscher Howard Gardner in seiner Theorie der multiplen Intelligenz beispielsweise auf ganze neun Formen der Intelligenz. Neben der mathematisch-logischen zählt er dazu die sprachliche, die interpersonelle, die intrapersonelle, die naturbezogene, die musikalische, die körperlich-kinästhetische, die räumliche und die existenzielle Intelligenz. Weit verbreitet hat sich auch die Theorie einer „emotionalen Intelligenz“, die besonders die sozialen Kompetenzen als relevant für den Erfolg betont. Die erweiterten Intelligenz-Modelle sind aber nach wie vor strittig, da sie sich auf Fähigkeiten beziehen, die sich schwer messen lassen. Vielen Wissenschaftlern gelten sie daher allenfalls als „Soft Skills“ – nicht aber als Intelligenz im engeren Sinne.  

IQ im Selbsttest ermitteln

IQ-Tests sind also durchaus im Kontext zu betrachten, die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen – ein durchschnittliches oder gar schlechtes Abschneiden im IQ-Test sollte kein Anlass sein, die Karrierepläne zu begraben. Der IQ ist einer von vielen Faktoren, die beim beruflichen Erfolg eine Rolle spielen und sollte als solche verstanden werden: als Selbsteinschätzung und Orientierung. Das gilt besonders, wenn man die eigene Intelligenz mithilfe von Tests ermittelt, die auf zahlreichen Webseiten in unterschiedlichster Form angeboten werden. Abweichende Testanordnungen und -Bedingungen können die Ergebnisse deutlich verfälschen. Es gibt aber durchaus auch brauchbare Angebote, mit denen man zu realistischen Einschätzungen des eigenen IQ gelangen kann. Auf der Webseite der Süddeutschen Zeitung findet sich beispielsweise ein Intelligenztest, der den IQ unter realen Prüfungsbedingungen ermittelt. Wer es ganz genau wissen will, wird dennoch nicht darum herumkommen, einen Psychologen aufzusuchen, und sich dem Nervenkitzel eines echten IQ-Tests zu stellen. 




Die Berufseinsteigerfrage

Ist spezielle Frauenförderung eigentlich gerecht?

Die Berufseinsteigerfrage:

Stefan T. (27) aus Frankfurt am Main. schreibt uns: “Ich arbeite in einer Unternehmensberatung als Junior Berater. Mir und meinen männlichen Kollegen fällt deutlich auf, dass die weiblichen Beraterinnen von den Vorgesetzten klar bevorzugt werden. Neulich hat ein Partner dies offen damit begründet, dass es für die Firma viel schwieriger sei, Beraterinnen zu gewinnen und vor allem zu halten als männliche Berater und man von daher auch zu mehr Zugeständnissen bereit sei. Für die Kolleginnen gibt es beispielsweise spezielle Rhetorikschulungen, an denen Männer nicht teilnehmen dürfen. Ich finde dieses Vorgehen nicht in Ordnung. Meine Kollegen raten mir aber von einer Beschwerde ab, da ich sonst schnell als Mimose oder Querulant dastehen würde. Muss man als Mann eine solche Zurücksetzung einfach runterschlucken, weil Frauen es lange schwerer im Beruf hatten?"


Serie: Netzperlen

Diese Woche: Notes of Berlin

Netzperlen:

In Berlin kommt alles zusammen: Verrückt- und Verruchtheit, Offenheit und Spießertum, Liebe und Hass - im deutschen Mekka für Kreative und Individualisten gibt es viel zu entdecken. Was für skurrile, poetische oder humorvolle Zettelchen und Botschaften überall in der Stadt versteckt sind, zeigt uns ...


Serie: Studenten fragen Professoren

Warum sind Hühnerküken ausgerechnet gelb?

Studenten fragen Professoren: Alltagsfragen

Frage: Warum sind Hühnerküken ausgerechnet gelb?Antwort: "Auch für Hühnerküken gilt: 'der Apfel fällt nicht weit vom Stamm'. Sowohl in morphologischen Eigenschaften, wie der Gefiederfarbe, aber auch in Merkmalen der Physiologie und des Verhaltens ähneln die Küken genetisch ihren Eltern. Das flauschigegelbe Küken ist dabei nur ein Beispiel, wie der Kükenflaum kurz nach dem Schlupf gefärbt sein kann. Aus gelben Küken entstehen zumeist weiße Hennen und Hähne. Oftmals ist bei den Küken aber auch eine spezielle Jungtierfärbung zu erkennen, die mit der ersten Mauser verschwindet. Über die Entstehung der Gefiederfarben herrscht keineswegs Einigkeit in der Wissenschaft.So finden sich in einigen Handbüchern Äußerungen darüber, dass die gelbliche Färbung der sogenannten Erstlingsdunen weißer Hü...