Recruiter haben es nicht leicht in diesen Tagen. Die Wirtschaftskrise ist noch nicht gänzlich überwunden, da müssen sie sich schon auf die nächste Herausforderung einstellen: Die Demografie sorgt erstmals europaweit für mehr neue Rentner als Berufsanfänger, die Bachelorabsolventen sind oft sehr jung, aber nicht fundiert ausgebildet - kurz: Wo finden sich die High Potentials in den nächsten Jahren?
Unternehmensberater müssen vieles vereinen - neben der Leidenschaft für ihren Beruf, benötigen sie eine hohe fachliche Kompetenz, Auftreten, Qualitäten in der Teamführung und eine hohe Antizipationskraft, um immer neue Problemstellung zu durchdringen. Leute mit diesen Qualitäten sind rar. Und die Industrie möchte solche Fähigkeiten nicht mehr nur von externen Beratern auf Zeit zukaufen, sondern selbst - inhouse - vorhalten.
Deswegen haben sich einige Personalentwickler ein neues Etikett ausgedacht: Was früher als Stabsstelle bezeichnet wurde oder dem Bereich der strategischen Planung zugeordnet worden ist, wird heute einfach als "Inhouse Consulting" bezeichnet - in der Hoffnung, damit die Leute anzusprechen, die auch bei Berger, Boston oder Booz reüssieren könnten. Aufgepeppt mit einer PR-Kampagne und mit fröhlichen Bildern aus Stock-Foto-CD's soll der Anschein erweckt werden, man würde die gleichen Entwicklungsmöglichkeiten bieten wie die etablierten Strategieberatungen.
Für den Interessierten ist das Problem folgendes: Wie kann er zwischen den nur so gelabelten Inhouse Consultants und den wirklich hochwertigen Alternativen unterscheiden? Denn, keine Frage, auch unter internen Einheiten gibt es vorzügliche Alternativen, die einem Kandidaten sogar teilweise interessantere Perspektiven bieten können als manche externen Berater.
Treten wir noch einmal zurück und legen die Ausgangslage für den Bewerber fest.
Für den von uns genannten, hoch qualifizierten Kandidaten gilt folgendes: Er oder sie will als Berater gefordert und gefördert werden, innerhalb eines bestimmten Zeitraums über vielfältige Projekte ein Maximum an Management- und Beratungs-Know- how erwerben und sehr gute Aufstiegschancen haben. Bei den genannten Strategieberatungen gehört dies in der Regel zum Standard, aber wie gelingt ihm oder ihr, bei den Inhouse Consultants die Spreu vom Weizen zu trennen?
Wir sehen vier wesentliche Punkte, die es gilt, zu verifizieren:
1. Wie lange ist die betreffende Inhouse Consulting Gesellschaft am Markt?
Wer noch vor kurzem in der internen Organisationsabteilung aktiv war und erst seit ein paar Jahren unter dem Label der hauseigenen Beratung firmiert, ist selbst noch ein Rookie und kann im Team noch nicht die Kompetenz erworben haben, junge Berufseinsteiger auf hohem Niveau weiterzuentwickeln. Erfahrene Berater und Mentoren sind der wichtigste Treiber, um Kompetenzen zu vermitteln.
2. Wie groß ist das Mutter-Unternehmen?
Inhouse Consultants haben in der Regel mit einem (Vor-) Urteil zu kämpfen: Die Beschäftigung nur mit einem Unternehmen sorgt nicht für die in der Beratung so unschätzbaren Erfahrungen in verschiedenen Segmenten! Je größer aber ein Unternehmen ist, umso vielfältiger sind die Beschäftigungsfelder und umso intensiver die Auseinandersetzung mit verschiedenen Problemen. Auch internationale Standorte der Beratungseinheit sind ein Indiz für eine attraktive Inhouse Consulting Gesellschaft.
3. Wie groß ist die Inhouse Consulting Einheit?
Normalerweise bedeutet Größe nicht automatisch Qualität, im Fall der oft sehr kleinen Inhouse Consulting Einheiten spielt sie jedoch eine wichtige Rolle.
Denn je weniger Mitarbeiter dort beschäftigt sind, umso kleiner ist das Management- und Beratungs-Know-how, welches dort zirkuliert. Berater leben auch davon, in wechselnden Teams zu arbeiten, immer wieder neuen Input zu bekommen. Renommierte Strategieberatungen wie BCG achten deshalb so sehr darauf, Mitarbeiter ganz unterschiedlicher Disziplinen zu gewinnen und so sehr intelligent immer neue Sichtweisen zu erarbeiten.
Je mehr Vielfalt in den Beratungsteams herrscht, umso stärker wird der Horizont des Einsteigers erweitert.
4. Welche Perspektiven können konkret nachgewiesen werden?
Eine reizvolle Inhouse Consulting Gesellschaft bietet immer auch klare Perspektiven. Im Idealfall führt der Einstieg als interner Berater in wenigen Jahren zu einer verantwortungsvollen Position in der Unternehmensführung. Um zwischen wachsweichen Versprechungen und konkreten Chancen unterscheiden zu können, ist es interessant, auf welche Lebensläufe die Beratungseinheit verweisen kann: Welche Mitarbeiter - mit Namensnennung - haben nach dem Einstieg in der Beratung nachvollziehbare Karriereschritte vorzuweisen? Wer solche Perspektiven zu bieten hat, wuchert in der Regel auch mit seinen Pfunden und kommuniziert sie offen (was wünschenswert ist) oder zumindest auf Nachfrage.






























