Michael Ormewood, Detective beim Atlanta Police Department wird zu einem Mord in den Grady Homes gerufen. Eine Prostituierte ist auf grausame Weise ermordet worden. Der Toten wurde die Zunge herausgebissen, doch es gibt keine Spur zu dem vermutlichen Serienkiller. Ormewood muss in diesem Fall mit Special Agent Will Trent vom Georgia Bureau of Investigation zusammenarbeiten, auch wenn er Trent höchst unsympathisch findet und diesem mit Misstrauen begegnet.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert, die jeweils aus unterschiedlichen Sichtweisen geschrieben sind. Im ersten Teil spielt Detective Ormewood die Hauptrolle. Neben einem ersten Einblick in Ormewoods Arbeit und Familienverhältnisse sind zwischen den Kapiteln immer wieder 20 Jahre alte Zeitungsartikel eingestreut, die von dem Mord an der dato 15jährigen Mary Alice Finney berichten.
Detective mit Tiefgang
Karin Slaughter hat mit Ormewood zumindest auf den ersten Blick einen typischen Roman-Detective erstellt: Arbeitet zu viel, liebevoller Vater, die Ehe kurz vor dem Aus, angesehen und beliebt im Kollegium und Nachbarschaft. Eigentlich schon fast langweilig, da man einen ähnlichen Protagonisten in unzähligen Büchern des Genres vorfindet. Jedoch gelingt der Autorin es meisterhaft, die Figur weiterzuentwickeln und alles was man bisher über diese wusste oder gadacht hat zu wissen, in Frage zu stellen.
Der zweite Teil des Buches wird aus Sicht John Shelleys erzählt, der für den Mord an Finney verurteilt worden ist und mittlerweile seine Strafe abgesessen hat. Shelley machte anfangs auf mich den Eindruck eines Verrückten; im Laufe der Erzählung merkt der Leser jedoch, dass Shelley als Jugendlicher ins Gefängnis kam und jetzt als Erwachsener in einer ganz anderen Welt nicht zurechtkommt.
Der letzte und umfassendste Teil wird hauptsächlich aus Will Trents Sicht erzählt und spielt zu dem Zeitpunkt des ersten Buchteils. Teilweise schildert die Autorin die gleichen Vorkommnisse wie im ersten Teil, jedoch bekommt man durch die andere Perspektive eine völlig neue Vorstellung von den Begebenheiten. Zusammenhänge werden plötzlich deutlich oder verschieben sich gänzlich. Dieses stückhafte Beschreiben von dem, was wirklich passiert ist - falschen Fährten, auf die man als Leser gelockt wird - gelingt Slaughter meisterhaft und macht das Buch zu einem spannenden Leseereignis.
Spannung pur
Relativ früh kann man sich denken, wer dieser kranke Serienkiller ist ? ich brauche immer etwas länger, jedoch verrät die Autorin dies schon in der Mitte des Buches. Auch wenn ich gerne erst ganz zum Schluss wissen möchte, wer der Täter war, bleibt das Buch noch spannend mit seinen unglaublichen Wendungen.
Der Klappentext ist etwas verwirrend, da er sich wirklich nur auf den ersten und kürzesten Teil bezieht. Positiv daran ist allerdings, dass dem Leser so nichts von der Spannung genommen wird und die Überraschung bleibt.
Ich gehöre wohl eher zu den Lesern, die durch so gut wie gar nichts zu schocken sind, daher fand ich das Zitat der Daily Express ? Lesen Sie diesen Thriller nicht wenn Sie allein sind. Lesen Sie ihn nicht nach Einbruch der Dunkelheit[?]? etwas übertrieben und sehr nach Werbung klingend. Da ich grausige Spannung im Extrem erwartet habe, gibt es Punktabzug ? trotzdem werde ich mir die Autorin merken und kann das Buch Liebhabern des Genres und anderen Lesern empfehlen. 8 von 10 Punkten.
Quasi
Karin Slaughter
Verstummt
528 Seiten
9,95 Euro



























