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Kampf der Geschlechter

Ein junges Mädchen steht bis zur Brust in einem offensichtlich eisigen See. Von diesem Ausgangsmoment entspinnt Jane Campion ein wuchtig bewegendes Charakterdrama vor und mit der unglaublichen Kulisse Neuseelands: „Top of the Lake“.

Kampf der Geschlechter
Schön und schrecklich - das Leitmotiv der ganzen Miniserie. © Parisa Taghizadeh / See-Saw (TOTL) Holdings Pty Ltd. / polyband Medien Gmbh.

Kein Entkommen?

Eigentlich ist Robin Griffin (Elisabeth Moss) zurück im neuseeländischen Kaff Laketop, um ihrer Mutter im Kampf gegen den Krebs beizustehen. Doch bald wird sie, die sonst als Spezialistin für Kindesmissbrauch in Sydney lebt, in den geheimnisvollen Fall der 12jährigen Tui (Jacqueline Joe) hineingezogen. Bis zur Brust in einem eiskalten See stehend fand man diese. Als man sie untersucht, stellt sich heraus, dass die Kleine im 5. Monat schwanger ist. Auf die Frage nach dem Vater schweigt sie sich aus. Polizeichef Al Parker (David Wenham) bringt sie – obwohl Robin insistiert – zurück zu ihrem Vater Matt Mitcham (Peter Mullan) und ihren beiden erwachsenen Halbbrüdern – alle drei für ihre Rohheit und Gewalttätigkeit bekannt und mit ihrem illegalen Drogenlabor Arbeitgeber Nummer 1 in der Stadt.

Derzeitiger Lieblingsfeind der Herren: Neun Damen mittleren Alters, die ein Grundstück Namens „Paradise“ in der Gegend erstanden haben und dort den Weisheiten der verschrobenen GJ (Holly Hunter) lauschen. Zu diesen Damen flüchtet sich Tui zusammen mit Pferd und Gewehr, nur um anderntags gänzlich von der Bildfläche zu verschwinden. Robin, der in der Geschichte der Kleinen ihre eigene Vergangenheit in Laketop auflauert, macht sich verbissen auf die Suche. Rastlos joggt sie durch die Wälder, verliert sich dabei immer mehr im Horror der eigenen Biographie und in den Armen von Jugendliebe Johnno – noch ein Sohn von Matt Mitcham. Dabei wartet doch in Sydney der kreuzbrave Verlobte.

Auf der Suche 

Eines haben sie fast alle gemeinsam, die Frauen und Männer aus „Top of the Lake“: Wenngleich sie in den verschiedensten Familien- und Gruppen-Konstellationen vorübergehend Unterschlupf finden, sind sie im Grunde einsame, isolierte Charaktere auf der Suche nach Liebe und Anerkennung. Wie all diese Egomanen nebeneinander her leben, wirkt dabei oft durch die skurrilen Dialoge vor allem im Frauenlager noch düsterer. 

Kampf der Geschlechter
Robin und Johnno - das Drama ist vorprogrammiert. © Parisa Taghizadeh / See-Saw (TOTL) Holdings Pty Ltd. / polyband Medien Gmbh.

Die Bilder von Kameramanns Adam Arkapaw zeigen weitläufige Felder, hohe Berge, viel Wald  und einen geheimnisvollen  See, an dessen einer Seite die einsamen Häuser der fiktiven Stadt Laketop stehen. Oft machen seine poetischen Aufnahmen die majestätische Wildnis zum eigentlichen Hauptdarsteller. Und dabei müssen sich die Schauspieler wahrlich nicht verstecken. Kein Wunder, dass sich „Top of the Lake“ beim Filmfestival in Cannes neben all den Kinofilmen nicht nur behaupten konnte, sondern wahre Begeisterungsstürme entfachte. 

Der Enge entfliehen

So wie ihre Figuren versuchen den Konventionen und Zwängen ihres Lebens zu entfliehen – nicht immer erfolgreich – sucht auch Regisseurin Jane Campion nach neuen Wegen. Die Restriktionen und Auflagen einer Hollywood-Produktion versucht sie in diesem Fall über den Weg „Miniserie“ zu umgehen. Irgendwo zwischen Spielfilm und Langzeitserie entsteht hier eine Art überlangen Autorenfilms.

Über 6 Stunden zeichnet Campion dabei eine große Geschichte, ein Sittengemälde in sechs Akten über einen Ort am Ende der Welt, über Männer und Frauen, über Gewalt, Lügen und Intrigen und den Preis der Wahrheit.  Die Menschen dort sind dabei so schroff und faszinierend wie die Landschaft. 

Kampf der Geschlechter

Gisela Stummer (academicworld.net)

Top of the Lake 

Regie: Jane Campion
Darsteller: Elisabeth Moss, Jacqueline Joe, Peter Mullan, Holly Hunter, David Wenham

Im Vertrieb von Polyband/WVG




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