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Film

Italo-amerikanische Mafiakomödie gefällig?

Was sucht ein Aufräumkommando der Mafiosi in einem von allen Seelen verlassenen Eck der Normandie? Einen Teil der „Familie“ natürlich, der alle anderen verraten und viele Bosse ins Gefängnis gebracht hat. Fred, seine Frau Maggi und die beiden Kinder Belle und Warren sind seit diesem Verrat auf der Flucht, immer unter der Aufsicht von FBI-Agent Stansfield. Eine Komödie mit ausgeprägten Gewaltexzessen.

The Family Filmrezension
THE FAMILY - Familienidylle in der Normandie. Wenn da nur die Mafia nicht wäre.

Vorhang auf.

Man starrt auf einen verschwitzten Nacken oberhalb eines angesifften Unterhemds, hört schmatzende Essensgeräusche und fragt sich: falscher Film? Eigentlich sollte die gebotene Darstellung zum Schießen komisch werden, das hier ist eher… unappetitlich. Dass kurz darauf ein Killer in das Haus eindringt und die Familie erschießt, empfindet der Zuschauer also schon mal als erste Erleichterung. Aber Moment – Mutter, Vater, blonde Tochter, dunkelhaariger Sohn… War das etwa die Familie, um die es gehen sollte?

La famiglia & ihre zerstörerische Neigung

Natürlich nicht. Die gesuchte Familie rund um Fred (Robert de Niro) befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der Normandie. Was Italiener aus Brooklyn freiwillig in der Normandie suchen? Die Vorzüge des anonymen Zeugenschutzprogramms, was auch sonst. Diese sind nur bisweilen recht schwer zu finden, wenn man unter dem aufbrausenden Temperament ‚leidet‘, das der Familie so eigen ist. Da explodiert zufällig ein kleiner Supermarkt und zu haptisch veranlagte Jungs bekommen von Belle (Dianna Agron) den Tennisschläger übergezogen. Außerdem erfährt der Schul-Brutalo eine von Warren (John D'Leo) organisierte „Erfrischungskur“.
… und der Vater? Ist auch nicht viel besser. Da tut einem der Klempner, der ihn über den Tisch ziehen möchte, fast schon leid. Vielleicht aber auch der Baseballschläger, denn er zerbricht genauso wie die Knochen des armen Handwerkers. Von dem Leiden des nicht mehr jungen CEO des ortansässigen Chemie-Unternehmens mal ganz zu schweigen.


Ohne Mafia? Ohne Fred!

Während sich die Familie also mehr oder minder nach Plan einlebt, gibt die Mafia die Suche nach ihnen nicht auf. In der Zwischenzeit finden sich Fred, Maggi, Belle und Warren eingekeilt zwischen dem Wunsch nach einem normalen Leben und der suboptimalen Realität. 

Als die Mafia sie letztendlich ausfindig macht, gibt es nur einen Ausweg, doch dort steht nun das Aufräumkommando inklusive ziemlich umfangreichem Waffenarsenal. 

Welche Portionsgröße hätten’s denn gern?

Der Zuschauer sollte sich nun wirklich nicht zu viele Gedanken darüber machen, wie gewalttätig diese Familie tatsächlich ist. Der durchschnittliche gute Laune Film aus Hollywood würde das hitzige  Temperament einer klischeehaften Mafiosi-Familie betonen. Er würde die Gewalt mit viel plattem Witz und widerwärtig guter Laune herunterspielen – THE FAMILY (Malavita) hält dagegen voll drauf. Hier lachen Zuschauer dreckig auf, hält man den Atem an, fiebert mit und schneidet eine Grimasse, wenn es doch ein bisschen übertrieben brutal wird. Beispielsweise, wenn besagter Handwerker mit dem Baseballschläger verprügelt wird, dieser zerbricht und anschließend auch noch zum mächtigen Hammer gegriffen wird – Thor wäre neidisch. Dann verliert diese Gewaltdarstellung jeden satirischen Charakter. 
Das kann natürlich vom Produzenten genau so gewünscht sein, denn so unterscheidet sich THE FAMILY (Malavita) deutlich vom durchschnittlichen Hollywoodstreifen. Vielleicht liegt speziell darin das Kultpotenzial des Films. Mit seiner Mischung aus Drama, Komödie, Action und natürlich frisch aufkeimender Liebe könnte er glatt ein neues Genre begründen.


  • Seine Angebote sollte man lieber nicht ablehnen: Robert de Niro als Mafiosi "Fred" in THE FAMILY.

    Filmrezension the family Malavita
    Seine Angebote sollte man lieber nicht ablehnen: Robert de Niro als Mafiosi "Fred" in THE FAMILY.
  • Familienidylle in der Normandie, wäre da nur nicht die Mafia...

    THE FAMILY Filmrezensiom
    Familienidylle in der Normandie, wäre da nur nicht die Mafia...
  • Warren weiß um die Kunst des Krieges: Strategisch kluge Planung gemischt mit einer "Prise" an Gewalt.

    Filmkritik the family malavita
    Warren weiß um die Kunst des Krieges: Strategisch kluge Planung gemischt mit einer "Prise" an Gewalt.

 

Die Schauspielleistungen sind solide, denn mit Robert de Niro und Michelle Pfeiffer sind die Rollen der Eltern mit Filmdarsteller-Souveränen der Extraklasse besetzt. Dianna Agron, bekannt als singendes und tanzendes Schulmädchen („GLEE“) könnte noch die eine oder andere Emotion mit Mimik ausdrücken lernen. John D’Leo als Warren war mir bisher gänzlich unbekannt, doch seine Rolle als vergleichsweise kluger und strategisch veranlagter Sohn eines Mafiosi füllt er recht glaubhaft aus. Gerade von ihm könnte man im Laufe der nächsten Jahre sicherlich noch einiges hören. Der einzige, der nicht überzeugt, ist Tommy Lee Jones als FBI-Agent. Wer so müde daher schlappt und kaum die Augen aufbringt, sollte keinen „knallharten Agenten“ spielen. Die rau-herzliche Beziehung zwischen ihm und seinem ‚Schützling‘ Fred hätte wirklich kultig sein können, so allerdings ist sie eine geschmacklose Beilage.


Bettina Riedel (academicworld.net)

THE FAMILY (MALAVITA)

Kinostart:
21. November

Darsteller:
Robert de Niro, Michelle Pfeiffer, Dianna Agron, John D’Leo und Tommy Lee Jones.

Regie:
Luc Besson

Im Verleih von Universum Film.




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