Ehrenwort: Das gefällt Ihnen!

Erste Erfahrungen mit Ingrid Noll
Von Ingrid Noll habe ich nur zufällig von meinen älteren Geschäftskolleginnen gehört. Denn das Buchcover mit dem kahlen und altertümlichen Bild einer Person ist für junge Leser nicht sehr ansprechend. Bisher habe ich noch keines ihrer Bücher in die Hand genommen, um mir auch nur den Klappentext durchzulesen. Erst durch academicworld wurde ich förmlich dazu gebracht, das Buch zu lesen und ich bin froh, diesen ersten Schritt gewagt zu haben.
Die neue Familien- und Kriminalkomödie ?Ehrenwort? erschien nun im September 2010 kurz vor Ingrid Nolls 75. Geburtstag. Ihre Fans freuen sich bestimmt über dieses Geburtstagsgeschenk.
Eine Familientragödie anderer Art
Ingrid Noll zeigt zu Beginn an einem alten Ehepaar auf, welche Probleme in einer Beziehung nach vielen Jahren entstehen, wenn man lediglich wegen der Jahre, der Bequemlichkeit und der Gewohnheit zusammen geblieben ist.
Als die Großmutter Ilse stirbt, während ihr Mann Willy mit seinen Klassenameraden auf Tour ist, verändert sich alles. Der Enkel hilft seinem Großvater ab und zu und macht Besorgungen für ihn. Seine Tochter ist schon vor Jahren ins Ausland gegangen und kommt nur selten vorbei und auch sein Sohn besucht ihn kaum. Dadurch verwahrlost nicht nur die Wohnung, sondern auch Opa Willy selbst.
Als der alte Mann schwer stürzt, kommt er ins Krankenhaus, wo ihm die Ärzte nur noch wenige Wochen geben. Max, der Enkel, schlägt sofort vor, den Opa bei seinen Eltern einzuquartieren und ihn zu pflegen. Die Eltern sind nicht sonderlich begeistert, stimmen jedoch aufgrund der nur noch kurzen Lebenserwartung zu, nicht zuletzt, weil sie hoffen, das Erbe schon im Vorfeld besser abschöpfen zu können.
Man sollte jedoch den Tag nicht vor dem Abend loben. Der Enkel päppelt seinen Opa mit viel Liebe und Geduld auf, so dass es ihm wieder gut geht. Sein Sohn und dessen Frau bekommen es mit der Angst zu tun und beginnen Pläne zu schmieden, wie sie den alten Mann wieder loswerden.
Horrorvisionen und sympathische Charaktere
Ingrid Noll beschreibt das Thema Pflege sicherlich auch aus ihrer eigenen Erfahrung, da ihre Mutter selbst 106 Jahre alt wurde, ohne in einem Altersheim gewesen zu sein.
In ihrem Roman thematisiert die Autorin viele der schrecklichen Vorstellungen, was im Leben alles schief laufen kann. Fehltritte, Erpressungen, Geldprobleme, gescheiterter Werdegang der Kinder, Probleme innerhalb der Generationen, Erbstreitigkeiten - alle Horrorvisionen sind vertreten. Trotzdem wirken die Schilderungen so, als könnten die Geschehnisse jedem Menschen widerfahren.
Durch die Nutzung von Dialekten und Eigenheiten, zum Beispiel in der Aussprache des Opas, wirken die Personen dem Leser sehr vertraut und sympathisch. Auch aus diesen Gründen lässt sich das Buch gut lesen und die Geschichte ist äußerst kurzweilig. Allerdings hätte ich mir noch ein paar mehr Intrigen gegenüber dem Opa gewünscht. Für Ingrid-Noll-Fans ist der Roman ein absolutes Muss genauso wie für Freunde der Literatur, die sich mit Familienproblemen beschäftigt.
Talia
336 Seiten
Verlag: Diogenes; (August 2010)
Preis: 21,90 Euro



























