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Technologie

Informationstechnik

ITK-Branche trotzt der Krise

Während der Maschinenbau durch ein tiefes Tal der Tränen ging, ist die Informations- und Kommunikationstechnik  vergleichsweise glimpflich durch die Krise gekommen. Selbst am Höhepunkt des konjunkturellen Abschwungs gab es noch 20.000 offene Stellen für Fachleute der Informations- und Telekommunikationsbranche (ITK). Jetzt zieht der Bedarf an guten Kräften wieder an.

Für das erste Jahresquartal kann aufgrund steigender Nachfrage auch wieder ein Umsatzwachstum erwartet werden. Unternehmen investieren wieder zunehmend in IT-Systeme und beim privaten Verbraucher erfreuen sich Smartphones, mobile Computer und Flachbildfernseher konstanter Beliebtheit. Erwartet werden außerdem steigende IT-Ausgaben von Energieversorgern und der öffentlichen Hand. Investitionen in diesem Bereich lassen sich in Zeiten der modernen Informationsgesellschaft schließlich nicht lange aufschieben. Laut Bundesministerium für Bildung und Forschung hängt  mehr als die Hälfte der Industrieproduktion und über 80 Prozent der Exporte Deutschlands heute vom Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnik und elektronischer Systeme ab. ITK-Technologien stellen etwa Steuerung, Test- und Prüfeinrichtungen für den Maschinenbau bereit, regeln Produktionsabläufe der Chemischen Industrie und sorgen in Kraftfahrzeugen für Komfort und Sicherheit.

Ein Großteil offener Stellen entfällt auf IT-Anwender, also unter anderem Unternehmen im Automobil-,  Maschinenbau oder der Logistik, die mit den Produkten der Branche Produktionsabläufe optimieren. IT-Spezialisten arbeiten damit in der gesamten Industrie und in nahezu jedem Wirtschaftssektor. In der ITK-Kernbranche selbst gibt es die meisten Jobchancen bei Softwarehäusern und IT-Dienstleistern, etwa im Bereich Telekommunikation. Das Hardware Segment fällt hierzulande eher mager aus. Damit wird die weltweite Arbeitsteilung auf dem Markt deutlich, denn Hardware-Produzenten befinden sich aufgrund der geringeren Lohnkosten in Fernost. Im Bereich Services und Software zeigte sich in den letzten Jahren konstantes Wachstum, auch auf dem Stellenmarkt. Damit handelt es sich hier für IT-Fachkräfte derzeit um ein äußerst viel versprechendes Marktsegment. 

Services und Software sorgen für den Antrieb

Und der Bedarf an hochqualifizierten IT-Spezialisten übertrifft konstant das Angebot. "Selbst die schwerste Wirtschaftskrise in der Geschichte der Bundesrepublik hat nicht zur Beendigung des Fachkräftemangels geführt", so Prof. August-Wilhelm Scheer, Präsident des Bundesverbandes Informationswirtschaft BITKOM. Sorgen, die Unternehmen würden vielleicht bald Dienstleistungen ins Ausland verlagern, müssen sich junge IT-Spezialisten auch nicht machen. Laut einer neuen Studie von empirica im Auftrag der EU wird dies von Unternehmen nicht als adäquate Antwort auf den  Fachkräftemangel gesehen. Besorgniserregend ist jedoch der Trend, dass Absolventenzahlen im Bereich der Computerwissenschaft in Europa seit 2005 abnehmen. In Deutschland ist selbst in den Nachwehen der Wirtschaftskrise eine Unterdeckung mit ITK-Fachkräften zu erwarten.

Die ITK-Branche wird grün und widmet sich der Lösung von Energiefragen.

Und wer wird gesucht? Sehr gute Chancen in der ITK-Branche bieten sich derzeit den Software-Entwicklern. So suchen über 60 Prozent der Unternehmen Software-Ingenieure, die sich an der Planung, Erstellung und Implementierung von Software-Systemen beteiligen. Bei den Anwendern gehen die Anforderungen in eine andere Richtung. Schließlich müssen (neue) IT-Anwendungen in die Unternehmensabläufe reibungslos integriert werden. Damit besteht hier ein erheblicher Bedarf im Bereich IT-Projektmanagement. Insbesondere Experten mit profundem Verständnis der Unternehmensprozesse, die auch Anforderungen des Unternehmens in ITK-Lösungen übersetzen können, sind derzeit besonders gefragt. Daneben werden auch IT-Berater benötigt, die Mitarbeitern bei der Nutzung der Systeme zur Seite stehen. 

"Der Trend geht dabei eindeutig hin zu einem hohen Qualifikationsniveau. Zwei Drittel der Unternehmen suchen ausschließlich IT-Fachleute mit Hochschulabschluss. Ein gutes Fünftel besteht sogar auf einen Master als Mindestqualifikation", so Prof. Scheer. Jedoch wird oft bemängelt, dass es den Berufsanfängern an Praxisbezug fehle, da während des Studiums zu wenige Praktika in Unternehmen absolviert würden. 

 "Was das Studienfach betrifft, ist die Branche relativ offen. Viele Unternehmen suchen bei Berufseinsteigern solide Grundlagen, zu denen firmenspezifisches Know-how hinzu kommen muss - egal, ob es um technologische Spezialkenntnisse oder bestimmte Kunden geht", meint Dr. Stephan Pfisterer, BITKOM Bereichsleiter für Bildung und Personal. Es seien nicht nur Informatiker und Elektrotechniker, denen eine Karriere in der Informationstechnologie offen stehe. Auch Physiker, Mathematiker, zum Teil sogar Betriebswirte mit IT-Kenntnissen sind für bestimmte Aufgabe gerne gesehen.

Resistent gegenüber Arbeitsplatzverlust

Gründe sich für eine Karriere in der IT-Branche zu entscheiden gäbe es viele, lautet die Aussage der Branchenvertreter. Eine vom Bundesbildungsministerium und dem BITKOM in Auftrag gegebene Studie zum künftigen Fachkräftebedarf im ITK-Mittelstand bescheinigt dem Wirtschaftszweig hervorragende Berufsaussichten. "Die Unternehmen suchen vor allem solche Fachkräfte, die Wissenschaft und Anwendung zusammen denken können," so Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Außerdem sind die Arbeitsplätze von IT-Spezialisten, einer neuen EU-Studie zu folge,  äußerst resistent gegenüber Arbeitsplatzverlust. Die überwiegende Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen  geht davon aus, dass der Fachkräftebedarf auch weiterhin wächst. Erwartet wird zudem ein steigender Bedarf praxisorientierter Studiengänge. Der Mittelstand misst hier dem dualen Studium eine stark steigende Bedeutung zu.

Neben der guten wirtschaftlichen Lage wären da noch die - auch bei Berufsanfängern - relativ krisensicheren Gehälter zu nennen. Software-Entwickler erhalten als Berufsanfänger je nach Qualifikation zwischen 35.000 und 40.000 Euro brutto pro Jahr. Der Erwerb weiterer Qualifikationen im Job ist ein weiterer Punkt, denn die Unternehmen investieren tendenziell viel in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter.

Die Stromversorgung in Städten durch Smart Grids ist eines der großen Wachstumsthemen.

 

Informations- und Kommunikationstechnologien haben die Art wie wir arbeiten, lernen und unsere Freizeit verbringen von Grund auf verändert. Dass die Innovationskraft der Branche auch weiterhin einen maßgeblichen Einfluss auf die zukünftige Gestaltung unserer Gesellschaft nimmt, das hat die CeBIT 2010 gezeigt. Unter dem  Motto "Connected Worlds" wurde der rasante Prozess des Zusammenwachsens bislang weitgehend getrennter Welten durch neue Hardwaretechnologien und Netzwerkinfrastrukturen verdeutlicht. Intelligent vernetzen lässt sich mittlerweise so gut wie alles aus beruflichem wie privatem Umfeld, in Verkehr, Gesundheit, Energieversorgung und Verwaltung.  So erobern etwa soziale Netzwerke die Unternehmenskommunikation, Behördengänge werden durch interaktive Online-Dienste ersetzt und unsere Autos können als "Smartphones auf Rädern" vielleicht schon bald selbstständig untereinander kommunizieren und so vor Staus warnen. Der Siegeszug des mobilen Internets wird sich wohl weiter fortzusetzen. Mit  einer Fülle von Anwendungen,  insbesondere dank der beliebten Smartphone-Apps, hat sich dieses schon längst zu einem Milliardengeschäft entwickelt.

Wachstumsmarkt Energieeffizienz wird erschlossen

Zukunftweisend wird die Branche aber auch durch ihr ökologisches Potential. Denn neue Informations- und Kommunikationstechnologien sollen einen wichtigen Beitrag zur Energieeffizienz leisten.

So beziffert die unabhängige Non-Profit-Organisation The Climate Group in ihrer aktuellen Studie "SMART 2020 - Entwicklung zu einer emissionsarmen Wirtschaft im Informationszeitalter" das Einsparpotential bis zum Jahr 2020 weltweit auf etwa 15 Prozent aller Kohlendioxid-Emissionen und 600 Milliarden Euro Energiekosten.

Von zentraler Bedeutung sind hier intelligente Stromnetze (smart grids), die in Zukunft ein effizientes, flexibel an die Nachfrage angepasstes  Energiemanagement ermöglichen sollen. "In Hannover ist deutlicher geworden als bisher, dass digitale Hightech der Schlüssel zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen ist, vom Datenschutz bis zum Klimaschutz", so Prof. Scheer. ITK-Spezialisten können sich in der heutigen Zeit damit nicht nur hervorragender Berufsaussichten sicher sein, sie sind auch das Rückrgrat unserer modernen Informationsgesellschaft, deren Entwicklung durch diesen Zukunftstechnologiesektor maßgeblich gestaltet wird.

Die CeBIT 2010 war eine wichtige Station auf dem Weg dorthin: mit energieeffizienten Virtualisierungssystemen (Smart Infrastructure), sowie zahlreichen Strom sparenden und umweltschonend produzierten Servern, Displays und Notebooks. Auch das Thema Wertstoff-Recycling kam nicht zu kurz. Schließlich wird auch das schönste, technologisch perfekte Gerät irgendwann zum Auslaufmodell. Denn die IT-Welt dreht sich immer weiter - bis zur nächsten CeBIT vom 1. bis 5. März 2011 in Hannover.