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KARRIERE

"In Deutschland wird erst kritisiert, dann umgesetzt ..."

Geboren in Ghana, studiert in Großbritannien und gearbeitet in England, Frankreich, Schweden und Deutschland – nur selten kann jemand so viel internationale und kulturelle Kompetenz aufweisen wie Britta Schichler, Chief Operating Officer bei Barclaycard. Sie weiß, was es heißt, zwischen den Kulturen zu leben und zu arbeiten – auch in einer Männerdomäne.

von Britta Schichler

 

Britta Schichler ist seit 2009 bei Barclaycard und seit 2010 Chief Operating Officer (COO) bei dem Unternehmen in Deutschland.

Mein Weg aus der Selbstständigkeit zurück in ein festes Angestelltenverhältnis begann 2009. Damals wurde ich Head of Change Delivery bei Barclaycard und habe ein Team geführt, das strategische Projekte umsetzt und somit zur Erreichung unserer Geschäftsziele beiträgt. Hier geht es maßgeblich um die Einführung von neuen Produkten sowie Prozessoptimierungen zur Verbesserung der Kundenzufriedenheit und zur Effektivitätssteigerung. Da wir in einer “digitalen” Welt leben, haben diese Projekte immer eine große Auswirkung auf die IT-Landschaft.

Seit Ende 2010 leite ich den kompletten operativen Bereich bei Barclaycard Deutschland mit circa 350 der insgesamt 450 Mitarbeiter in Hamburg. Als so genannter Chief Operating Officer bin ich für die Bereiche Kundenservice, Antrags- und Auftragsbearbeitung, Mahnwesen und die Betrugserkennung verantwortlich. Außerdem bin ich auch Mitglied der Geschäftsführung in Deutschland.  

Auch wenn diese, bis auf mich, nur aus Männern besteht, ist der Frauenanteil bei Barclaycard viel höher als ich das von meinem bisherigen Berufsleben in der Fertigungsindustrie gewohnt war. Dieses Phänomen zieht sich durch alle Hierarchiestufen. Ich befinde mich in guter Gesellschaft: Meine direkte Vorgesetzte in Großbritannien ist eine Frau und Barclaycard global wird auch von einer Frau geleitet.

In diesem Jahr feiert Barclaycard 20-jähriges Jubiläum in Deutschland. Damit blicken wir auf eine ereignisreiche Zeit zurück, die von kontinuierlichem Wachstum geprägt ist. Mittlerweile sind wir die Nummer drei im deutschen Kreditkarten-Markt. Gleichzeitig hat das Unternehmen ambitionierte Wachstumsziele. Barclaycard ist ein Anbieter von Kreditkarten und Ratenkrediten – diese Leistungen bieten wir ausschließlich über das Internet oder Telefon an.  

Filialen haben wir in Deutschland nicht. Daher sind die Entwicklungen in der digitalen Welt von hoher Bedeutung für uns. Unsere herausfordernden Ziele und der stetige digitale Wandel bringen uns dazu, immer weiterzudenken sowie neue Produkte zu entwickeln, anzubieten und gleichzeitig gute Kundenbetreuung zu liefern.

Meine Arbeit zielt darauf ab, den operativen Bereich so auszulegen, dass wir mit hoher Effizienz eine qualitativ hochwertige Kundenbetreuung sicherstellen können – und das nicht nur heute, sondern auch mit Blick in die Zukunft mit starkem Wachstum und einer erweiterten Produktpalette. Hier spielen die Analyse und Neuausrichtung bestehender Strukturen, Abläufe und Prozesse eine große Rolle. Auch wenn ich aus einer ganz anderen Branche komme, kann ich hier meine umfangreichen Erfahrungen aus der Fertigungsindustrie einbringen. Das zeigt, dass man nie festgelegt ist: Wichtig ist nur, dass jeder lernt, was relevant ist und ihm Spaß macht. So ist es auch möglich, Erfahrung aus vermeintlich fremden Branchen konstruktiv für die derzeitige Position einzusetzen. Die Fertigungsindustrie ist zum Beispiel in Sachen Projekt- und Prozessmanagement schon sehr weit entwickelt und meine Herausforderung besteht nun darin, diese Prozesse auf Barclaycard zu übertragen und anzupassen. Das ist sehr spannend. Zu meinen Aufgaben gehört auch, dafür Sorge zu tragen, dass unsere Mitarbeiter Wissen aufbauen und damit für die Zukunft gewappnet sind.  

Ein außerordentlich wichtiger Bereich meiner Arbeit besteht darin, gemeinsam mit der gesamten Geschäftsführung eine Vision für die Zukunft weiterzuentwickeln und vor allem an die Mitarbeiter zu vermitteln. Das kann nur geschehen, wenn diese an der Entwicklung beteiligt sind, denn eine Vision lebt nur mit den Mitarbeitern. Deshalb versuchen wir ihre Erfahrungen sinnvoll miteinzubinden.  „Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren!“ lautet für mich dabei die Devise. Das 20-jährige Jubiläum in Deutschland ist dafür ein toller Anlass, gemeinsam das Erreichte zu feiern und die Mitarbeiter für die Zukunft zu motivieren.


“In Frankreich werden schneller Zusagen gemacht,  dann aber nicht umgesetzt - In Deutschland ist es umgekehrt”

Besonders gefällt mir bei Barclaycard die enge Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Menschen. Wir haben flache Hierarchien, fördern einen kooperativen Führungsstil und legen sehr viel Wert auf Teamarbeit – für mich die optimale Arbeitsatmosphäre.

Neu ist für mich das soziale Engagement von Barclaycard. Das finde ich sehr wichtig und es macht mir viel Freude, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. So wählt die Belegschaft jedes Jahr eine lokale Hilfsorganisation aus, die über zwölf Monate unterstützt wird – finanziell und mit tatkräftiger Hilfe vor Ort. Als Arbeitgeber fördert Barclaycard das soziale Engagement seiner Angestellten, indem er sie zwei Tage im Jahr für diese Aktivitäten freistellt. Dieses so genannte Corporate Volunteering ist in englischsprachigen Ländern weit verbreitet, aber in Deutschland noch eher selten.

Und zu guter Letzt arbeite ich mit vielen Kollegen unterschiedlichster Nationalitäten zusammen, was mir sehr wichtig ist. Eigentlich war schon von Geburt an mein internationaler Lebensweg vorgezeichnet:

Schichler verantwortet den operativen Bereich des Kredit und Kreditkartenanbieters am Standort Hamburg.

Als Deutsche bin ich in Ghana geboren und habe dort meine ersten Lebensjahre verbracht, bevor meine Familie nach einem kurzen Deutschlandaufenthalt nach Südafrika gezogen ist. Dort bin ich dreisprachig aufgewachsen bis ich zwölf war. Das Abitur und das Studium zur Elektroingenieurin habe ich dann in Großbritannien abgeschlossen. Der Frauenanteil bei diesem Studiengang lag bei unter fünf Prozent. Ich war eine von nur drei Frauen in einem Jahrgang – bei 125 Ingenieurstudenten. Auf viel mehr Frauen sollte ich bis zum Einstieg bei Barclaycard auch nicht stoßen. So habe ich meinen Berufsweg in einer männerdominierten Branche – dem Maschinen- und Anlagenbau – begonnen und viele Jahre dort gearbeitet. Zuerst in England, später in Deutschland, Frankreich und Schweden.

Auch wenn wir alle Europäer sind, unterscheiden sich die Kulturen teilweise sehr. In den deutschen Alltag habe ich mich schnell eingefunden, da ich die Sprache spreche und natürlich oft in Deutschland Urlaub gemacht habe. In der Berufswelt sah es anders aus.  

Irritiert haben mich vor allem die ausgeprägten Hierarchien und wie sehr auf Status und Titel wert gelegt wird. So wurde ich in Großbritannien nie mit „Dr.“ angesprochen. Dort spricht man sich generell mit Vornamen an.

Auch die Meetings unterscheiden sich in England und Deutschland voneinander. So wird hier mit klareren Worten gesprochen als auf der Insel. Dort werden die Botschaften eher subtil verpackt. Ganz anders laufen Meetings in Frankreich ab. In Paris habe ich zwölf Monate ein Projekt für 46 Standorte in Brasilien, den USA und Europa umgesetzt.  

Was Frauen im Mana-gement angeht, ist die Quote in Frankreich schon viel höher. Sie lag bei etwa 20 Prozent – und das in einer Männerdomäne. Meine Erfahrung ist, dass es in Frankreich üblich ist, in Besprechungen keine Entscheidungen zu fällen. Will man dort ein konkretes Ergebnis, muss man vorher alle relevanten Personen ansprechen und die Entscheidung in der Besprechung nur noch formal bestätigen lassen. Mir ist auch aufgefallen, dass in Frankreich schneller Zusagen gemacht werden, diese dann aber nicht umgesetzt werden und in Deutschland ist es genau umgekehrt. Zuerst erfolgt Kritik und Bedenken werden geäußert, später wird aber viel mehr in die Tat umgesetzt.

Selbstbewußtes Auftreten und positive Grundhaltung als Schlüssel für den Erfolg


Oft werde ich gefragt, wie es so ist, als Frau in einer Männerdomäne. Ich kann dazu nur sagen, dass ich nie bewusst diskriminiert wurde. Ich habe immer darauf gesetzt, mich mit meiner Kompetenz zu beweisen und mir Respekt zu verschaffen. Ein selbstbewusstes Auftreten und eine positive Grundeinstellung waren dabei sicherlich hilfreich.

Work-Life-Balance ist auch für mich ein wichtiger Aspekt. Daher habe ich immer wieder längere Auslandsreisen zwischen meinen beruflichen Stationen eingeschoben und teile die Leidenschaft für das Reisen mit meinem Mann. Wir haben drei Monate im Outback Australiens verbracht.  Bei einer sechsmonatigen Tour durch Alaska konnte ich komplett abschalten.

Bisher bin ich mit meiner Entscheidung, zu Barclaycard zu wechseln, sehr zufrieden. Man arbeitet international mit unterschiedlichen Hintergründen, der Frauenanteil ist hoch, damit verbunden ist natürlich auch ein anderer Umgang. Soft-skills werden von Barclaycard ebenso festgeschrieben und gefördert wie feste Wachstums- oder Umsatzzahlen. Das kommt meiner persönlichen Wunsch-Arbeitswelt sehr entgegen. 


Mehr Informationen über Barclaycard als Arbeitgeber gibt es hier




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