Ungeklärte Morde auf einer abgeschiedenen Insel
Auf Whalsay, einem Teil der Shetlandinseln, werden nach der Winterpause die Arbeiten an einer Ausgrabungsstätte auf Mima Wilsons Grundstück wieder aufgenommen. Die junge Hatie James erhofft sich den Fund eines alten Kaufmannshauses. Wenig später wird ein Skelett in der Grube gefunden, bei dessen Anblick Mima seltsam reagiert.
Die Begeisterung über den Fund wird allerdings von einem tragischen Todesfall überschattet. Sandy Wilson findet seine Großmutter Mima tot auf ihrem Hof, erschossen mit einem Schrotgewehr.
Unfall oder doch Mord?
Kommissar Jimmy Perez und dem jungen Polizeibeamten Sandy bleibt aber aus Mangel an Indizien nichts anderes übrig, als Mimas Tod als Unfall zu behandeln. Dennoch ist den beiden nicht besonders Wohl bei der Sache und sie beschließen, trotzdem weiter die Ohren offen zu halten.
Schnell wird klar, dass die Menschen hier zwar reich, aber von einem idyllischen Inselleben weit entfernt sind. Der beste Freund der Männer ist der Alkohol, die Frauen sind frustriert und voller Neid. Auch mit dem unkonventionellen Leben der alten Mima war man nicht einverstanden, allerlei Gerüchte ranken sich um die fröhliche Witwe mit einem anscheinend dunklen Geheimnis.
Hinter dem Schein
Kommissar Perez wird nervös, als Hattie ihm etwas Wichtiges mitteilen will aber plötzlich verschwindet. Mit aufgeschnittenen Pulsadern findet er sie kurze Zeit später auf dem Ausgrabungsgelände. Wieder gibt es keinen Anhaltspunkt für ein Verbrechen, denn schließlich war bekannt, dass die neurotische und essgestörte Hattie schon einmal wegen Depressionen in Behandlung war. Doch warum nahm sie sich mit dem Messer ihres Vorgesetzten, Professor Berglund, das Leben, vor dem sie so panische Angst hatte und doch niemandem davon erzählt hatte?
Von nun an intensivieren Perez und Sandy ihre Befragungen aller Inselmitglieder und es stellt sich schnell heraus, dass doch alle mehr wissen als sie zugeben wollen.
Ruhige Lektüre ohne Atmosphäre
Wer bei Ann Cleeves "Im kalten Licht des Frühlings" eine schaurige Mördersuche in Dämmerung und ständigem Nebel erwartet, bei dem es einem kalt den Rücken hinunterläuft, wird leider maßlos enttäuscht. Weder Landschaft noch das raue und gewöhnungsbedürftige Klima der Insel wird beschrieben. Lediglich das aktuelle Wetter wird manchmal am Rande erwähnt.
Sprachlich fehlt es an Atmosphäre und Spannung. Trotz vieler schnell aufeinanderfolgender Ereignisse, liest sich der Anfang recht schleppend. Neugier auf mehr kommt erst ab etwa der Hälfte des Buches auf.
Die Beschreibung der beinahe sämtlich miteinander verwandten Inselbewohner ist dagegen gut gelungen, man kann sich in die Probleme und Konflikte der großen Familie hineinfühlen. Dennoch wäre ein tieferer Einblick in das harte Leben in Abgeschiedenheit und Isolation einer Insel schön gewesen.
Gerade bei dem Thema Archäologie hätte man sich an manchen Stellen bessere Recherche über die Geschichte der Inseln mit seinen Sagen und Traditionen erhofft.
Insgesamt ist "Im kalten Licht des Frühlings" ein ruhiger Krimi ohne Brutalität und viel Blutvergießen.
Elena Feldmann



























