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Buch

Ich bin dann mal weg …

Mit seinem Debüt „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist Jonas Jonasson gleich ein Volltreffer gelungen. Das Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite ein reiner Lesegenuss.

Buch Cover

Unverhofft kommt oft!

Als Bürgermeister und Lokalpresse anrücken, um seinen 100sten Geburtstag zu feiern, hat Allan Karlsson die Nase vom Leben im Altersheim endgültig voll. Kurzerhand klettert er aus dem Fenster und verschwindet. Auf dem Bahnhof entwendet er spontan den Koffer eines jungen Mannes (schließlich hat das gute Stück praktische Rollen und mal ehrlich, sonderlich gut erzogen war der rechtmäßige Besitzer auch nicht), macht sich damit aus dem Staub und tritt dadurch eine Lawine los, die jeden Road-Movie und jede Verfolgungsjagd mühelos in den Schatten stellt. Denn in dem Koffer befinden sich nicht, wie erwartet, Klamotten, sondern 50 Millionen Kronen...

Gelungenes Debüt

Jonas Jonassons Erstlingswerk „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist zweifellos einer der wunderbarsten Romane, die man in letzter Zeit auf dem Büchermarkt finden konnte. Dem Autor gelingt es auf eine erfrischend eigene Weise, sowohl die Geschichte um Allans Flucht, als auch im Rückblick dessen Leben, das, nebenbei bemerkt, nicht unwesentlich zum Verlauf der Ereignisse des 20. Jahrhunderts beigetragen hat, parallel zu erzählen und mit seinem lapidaren Ton den Leser 413 Seiten lang zu fesseln.

Der Stil, in dem er das tut, wird dem ein oder anderen vielleicht nicht literarisch tiefgründig genug erscheinen und tatsächlich schreibt Jonasson mit einer Simplizität, die an ein Kinderbuch erinnert. Aber gerade dieser Kunstgriff ermöglicht es überhaupt erst, das Unglaubliche so zu erzählen, dass man nicht mal auf die Idee kommt, die Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen.

Sympathische Protagonisten

Trotz des einfachen Schreibstils hüte sich der Leser davor, den Roman als seichte und oberflächliche Unterhaltung abzutun. Der Geschichte liegt eine ganz eigene Lebensphilosophie zu Grunde, die sich nicht mit dem Vorschlaghammer präsentiert, sondern gesucht und gefunden werden will. Sie verbirgt sich in jeder einzelnen der liebevoll charakterisierten und detailliert ausgemalten Figuren, die einem so ans Herz wachsen, dass man sich die ganze Bagage nach Hause auf einen Tee (oder Schnaps) einladen möchte.

Man darf sich bei der Suche nur nicht von den unzähligen erstaunlichen Wendungen des Handlungsverlaufs oder dem Glucksen im eigenen Hals, das einen die ganze Lektüre hindurch begleitet, zu sehr ablenken lassen.

Fazit: Es gibt Bücher, die einen fesseln, Bücher, die einen erschüttern und Bücher, die einen beeindrucken.  Aber „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ ist ein Buch, das man schlicht und einfach liebt und an das man sich auch nach Jahrzehnten noch mit einem Lächeln auf den Lippen erinnern wird.

Katharina Baumfeld (academicworld-Userin)

Jonas Jonasson. Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
14,99 Euro. carl`s books (Random House)

 

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