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Gesellschaft

Hoffentlich wird es nicht so schlimm wie es schon ist …

Ein Diskurs zum Demographischen Wandel

Beitrag von Sibylle Ulbrich, KSFH München – Abteilung Benediktbeuern, zum Studierenden-Wettbewerb "Chance Demografie: "Weniger? Älter? Na und…"des Bundesministeriums des Innern.

Expertenrunde und Diskurs sind frei erfunden, bei den Aussagen handelt es sich jedoch um reale und belegte Zitate.



Vergessen Sie nicht: Dieses Gespräch hat nie stattgefunden ...

Ich bin alt. Und ich bin Studentin. Für mein Lebensumfeld bin ich sogar schon zu alt. Zu alt für BAFÖG, da über 35 keine Förderung mehr möglich ist.

Zu alt für ein Stipendium, da es bei den meisten Stipendiengebern keine Förderung über 30 Jahre gibt. Dabei bin ich doch Hoffnungsträgerin in einer Gesellschaft des Umbruchs ...

Wie passt das zusammen?
Warum ein Monolog, zu einem Thema, dass vom Diskurs lebt. Vom Diskurs zwischen den Generationen, zwischen jung und alt, zwischen Entscheidungsträgern und Betroffenen. Glücklicherweise ist es mir gelungen eine Expertenrunde zusammen zu stellen, die mich bei der Auseinandersetzung mit dem Thema „Chance Demographischer Wandel“ wortgewandt unterstützt.

Ich begrüße hierzu:

Frau Prof. Dr. Annette Schavan, Bundesministerin für Bildung und Forschung und ehemalige Geschäftsführerin des Cusanuswerk

Horst Köhler, Ökonom und ehemaliger Bundespräsident der BRD

Manfred Kremer, ehemaliger Präsidenten des Bundesinstituts für Berufsbildung

Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen und ehemaliger
Bundesminister des Innern

Dr. Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Arbeit und Soziales und
ehemalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

Valentin Ludwig Fey, Autor und Philosoph



Studentin: In der Ausschreibung zum Studierenden Wettbewerb 2012 heißt es: „Wir bleiben bis ins hohe Alter fit und können unsere berufliche Erfahrung länger einbringen.
Gleichzeitig werden Bildung, Forschung und Entwicklung immer wichtiger, weil künftig weniger Köpfe für Fortschritt und Innovation sorgen müssen.“

Verehrte Experten, wie lässt sich das Thema Chance Demografie: "Weniger? Älter? Na und…" im Hinblick auf Hochschulpolitik und Chancengleichheit diskutieren?

Schavan:"Wir wollen durch Forschung die Entwicklung von neuen Lösungen, Produkten und Dienstleistungen vorantreiben, die die Lebensqualität und gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen verbessern. Wir wollen dadurch … bislang verborgene Schätze einer Gesellschaft des längeren Lebens heben"

Köhler: „Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir die Talente jedes Menschen fördern und entfalten. Bisher geschieht das längst nicht im möglichen Umfang, und das stellt eine unentschuldbare Ungerechtigkeit gegenüber den Betroffenen und eine Vergeudung von Humanvermögen dar ... Wir müssen durch Qualität ausgleichen, was uns an Quantität verloren geht.“

Studentin: Als Humanvermögen galt bisher Muskelkraft, sowie körperliche und geistige Fitness - determiniert durch das biologische Alter.

Kremer: „Wir haben es aber nicht nur mit einem demografischen, sondern auch mit einem strukturellen Wandel hin zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft zu tun.“

Studentin: Intelligenz, Kenntnisse und Erfahrungen, Problemlösungsfähigkeit, Bewältigungsstrategien und vernetztes Denken, das alles sind Anforderungen an die moderne Arbeitswelt. Und genau dies sind auch die Potentiale im mittleren Lebensalter.
Menschliches Kapital am kalendarischen Alter fest zu machen ist nicht mehr zeitgemäß. Zudem kann angesichts pluraler Lebensentwürfe niemand sagen, wie lange ein (Berufs)Leben dauert, wie und mit was es gefüllt sein wird. Doch wie kann Humankapital besser gefordert und gefördert werden?

Kremer: „Die Ziele notwendiger Reformen sind weitgehend unbestritten … Mehr Menschen müssen an kontinuierlichem und an beruflichem Lernen teilnehmen, um Kompetenzen stetig zu sichern und weiterzuentwickeln, um versäumte Qualifizierung nachzuholen, um Innovations- und Beschäftigungsfähigkeit bis ins höhere Alter zu erhalten. Arbeitsorganisation, Betreuungs- und Bildungsinfrastruktur müssen familienfreundlicher werden. Wir brauchen mehr Frauen, die erwerbstätig bleiben und qualifizierte Berufstätigkeiten ausüben.“

Schäuble: „Mit Blick auf den demografischen Wandel und zu erwartende Engpässe am Arbeitsmarkt werden wir darüber nachdenken müssen, welche neuen Möglichkeiten wir Frauen geben müssen, damit sie ihre Talente und Fähigkeiten so einsetzen können, wie es ihnen und wie es uns allen nutzt. Wenn man bedenkt, dass in Zukunft vor allem die hochqualifizierten Arbeitskräfte knapp werden, wird diese Frage von Tag zu Tag wichtiger.“

Studentin: Das hört sich plausibel an. Aber unflexible Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten behindern gerade die Frauen in ihrer Entwicklung:„Weisen die beruflichen Lebensläufe vieler Frauen durch die geschlechtsspezifische Rollenübernahme (Erziehung von Kindern, Pflege, Haushalt) mehr Brüche auf, als jene vieler Männer, so ergeben sich systematisch schlechtere Teilhabechancen … viele Frauen schaffen nach Erwerbsunterbrechung häufig den Wiedereinstieg ins Berufsleben nicht, oder unter schlechteren Bedingungen.“

Schäuble: „Wenn Sie noch, das will ich heute gar nicht tun, die Zahlen ein bisschen genauer aufschlüsseln und die Geburtenraten bei Frauen anschauen, die akademisch ausgebildet sind, dann kommen wir schlagartig zum Kern des Problems … man muss es diskutieren, man muss es sich bewusst machen.“

Studentin:
Ich kann die Zahlen gerne aufschlüsseln: Je höher der Bildungsstand, desto häufiger ist eine Frau kinderlos. Betrachtet man Frauen ab 40 Jahren, hat ein Viertel der Frauen mit hoher Bildung keine Kinder. Die Entscheidung zur akademischen Laufbahn steht einer Familienbildung offensichtlich im Weg. Und umgekehrt. Die Entscheidung für Familie steht einer akademischen Laufbahn im Weg.

Schäuble: „ ... es geht auch darum, jungen Frauen das „Ja“ zu Kindern und zu einer Familie zu erleichtern. Wir müssen dafür sorgen, dass Familie und Beruf sich nicht ausschließen; wir müssen dafür sorgen, dass beides zusammengehören kann ... Ohne das Bewusstsein, dass Kinder auch im Lebensentwurf beruflich erfolgreicher Frauen einen Platz haben müssen, werden wir die demografische Entwicklung langfristig nicht umkehren können. “




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