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Harte Zeiten für tapfere Ritter

Spannende Ansätze, bestechende Bilder, atmosphärische Musik und jede Menge gute Darsteller - man kann den Machern von "Camelot" wirklich nicht vorwerfen, dass sie es nicht versucht hätten. Trotzdem zündet die Miniserie nicht so ganz und wurde auch nach der ersten Staffel eingestellt. Seit 8. Juni im Handel erhältlich.

Rezension "Camelot"

Gute Eltern sind Glückssache

Er hat zwar viele Feinde, aber im Großen und Ganzen hat König Uther (Sebastian Koch) sein Land gut unter Kontrolle - und dabei hat er nicht einmal einen legitimen Nachfolger. Bis plötzlich Tochter Morgan (die wunderbar wandelbare Eva Green) nach Jahren im Kloster wieder am Hof auftaucht. Nachdem Uther ihre Mutter gegen Igraine (Claire Forlani als Mutter der Kompanie) eingetauscht hatte musste sie einst gehen. Nun will sie zurück und ihren rechtmäßig Platz als Thronfolgerin einfordern. Weil der Vater sie aber erneut zurückstößt und vor aller Augen demütigt greift sie als probates Mittel um an die Macht zu gelangen zum Gift. Der geschwind herbei eilende Merlin (mächtig magiesüchtig: Joseph Fiennes) kann den Tod des Königs nicht mehr verhindern. 

Damit das Land nicht dem Chaos anheimfällt macht er sich sofort auf, den fern vom Hof aufgewachsenen Königssohn Arthur (leider wenig überzeugend:Jamie Campbell Bower) von seiner royalen Herkunft zu unterrichten und als König zu installieren. Der ist bisher unter recht bescheidenen Verhältnissen bei Ector und seiner Frau aufgewachsen. Weder er, noch seiner "Bruder" Kay (Peter Mooney - jederzeit sympathisch) wissen, dass sie nicht blutsverwandt sind. Seine Zieheltern sind herzensgute Menschen, die ihren Jungs gute Manieren und für die damalige Zeit offenbar auch eine Menge Bildung mitgeben. Und: Ganz offensichtlich lieben sie beide "Söhne" wirklich und wahrhaftig sehr. 

Neue Mächte formieren sich

Zuerst ist der junge Arthur mehr als skeptisch, als da ein abgehetzter Fremder auftaucht und ihm offenbart, dass er der künftige König sein soll. Doch Neugier und Abenteuerlust - in Kombination mit der Begleitung von Kay - überzeugen ihn davon Merlin zu folgen. Die mächtige Ruine Camelot hat dieser als Sitz des jungen Herrschers auserkoren. Dort sammeln sich bald die ersten Getreuen, wie Leontes (Philip Winchester als aufrechter Kämpfer). Zu dessen Braut Guinevere (blass: Tamsin Egerton) Arthur spontan in Liebe entbrennt - so recht wird nie klar, warum es genau die sein muss, aber gut. Um das Setting zu komplettieren braucht es dann erst einmal noch das Schwert aus dem Felsen - eindrucksvoll am Scheitelpunkt eines Wasserfalls positioniert - das übrigens hier noch nicht Excalibur ist und ein paar weitere Getreue. 

Währenddessen beginnt Morgan sich auf der Burg Pendragon einzurichten; zusammen mit dem Warlord Lot (wieder eine echte Charakterrolle für den rüstungserfahrenen James Purefoy), dem ärgsten Feind des Vaters. Da passt der plötzlich aufgetauchte Halbbruder gar nicht ins Konzept. Schließlich will sie die Krone und dafür ist sie bereit einiges zu tun. Schließlich hat sie sich nicht umsonst finsteren Mächten verschrieben.

Potenzial verschenkt

Viele Ansätze der Serie sind wirklich gut. So wirken der gequälte Merlin, der vor der eigenen Magie Angst hat oder aber die verstoßene Tochter Morgan durchaus glaubhaft - auch dank der wirklich guten Darsteller. Leider haben die Drehbuchautoren den Figuren zu selten wirklich gute Dialoge in den Mund gelegt und oft bleibt auch der Spannungsbogen auf der Strecke. Für Fans opulenter Mittelalterserien ist ?Camelot? aber durchaus zu empfehlen und so schlecht, wie die Serie vielfach geschrieben wurde ist sie beileibe nicht. Ein erwachseneres, düstereres, erotisch aufgeladenes Camelot hat in vielen Punkten durchaus funktioniert.

Rezension "Camelot"

Mein einzig wirkliches Problem: König Arthur strahlt weder Autorität, noch große Sympathie aus, wirkt als Führerfigur neben seinen Rittern immer einen Hauch lächerlich. Natürlich spielt Campbell Bower den jungen König in einer Phase, in der dieser sich und seine Rolle erst noch finden muss, aber etwas mehr Charisma hätte der Figur und ihrer Glaubwürdigkeit auf jeden Fall gut getan.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Camelot 

Darsteller: Jamie Campbell Bower, Eva Green, Peter Mooney, Clive Standen, James Purefoy, Claire Forlani, Sebastian Koch, Joseph Fiennes, Tamsin Egerton, Philip Winchester  

Im Verleih von Universum Home Entertainment


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21 Fragen an: Dominik Graf

Dominik Graf wurde 1952 in München geboren, wo er die Hochschule für Fernsehen und Film besuchte. Als Kino- und TV-Regisseur ist er unter anderem für zahlreiche Folgen der Kriminalserien “Tatort” und “Polizeiruf” bekannt. 2011 gewann er zum neunten Mal den Adolf-Grimme-Preis und ist damit der am häufigsten ausgezeichnete Träger des begehrten Fernsehpreises. Seit 2004 ist Dominik Graf Professor für Spielfilmregie an der Internationalen Filmschule Köln und wurde 2005 zum Honorarprofessor ernannt.


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