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Fernweh

Gipfelstürmerinnen auf dem Weg zur Führungskraft

Das Erklimmen der Karriereleiter ist vergleichbar mit der Besteigung eines hohen Berges – diese Erfahrung machten 13 MBA Studentinnen, die im Rahmen eines Projekts alles daran setzten, den Kilimandscharo zu bezwingen. Dabei sammelten sie Erkenntnisse über Führung – und stießen an ihre Grenzen, wie Justine Whittern von der RSM berichtet.

© Bilder: Rotterdam School of Management (RSM)

Ein Wahlprogramm bot 13 MBA-Studentinnen der Rotterdam School of Management, Erasmus University (RSM) die Möglichkeit, nach Afrika zu reisen, um den höchsten Berg des Kontinents zu er-klimmen, den Kilimandscharo im Nordosten von Tansania. Ziel war es, Kibo, den mit 5.895 Meter über dem Meeresspiegel höchsten Gipfel, zu erreichen.

Das  RSM MBA Kilimanjaro Leadership Project wendete sich an künftige Managerinnen und beschäftigte sich mit den besonderen Herausforderungen, denen Frauen auf dem Weg zum beruflichen Erfolg ausgesetzt sind. Weibliche MBA-Kursteilnehmer konnten so ihre Führungsqualitäten sowie ihre Netzwerk-Fähigkeiten verbessern und ein besseres Verständnis für die Zusammenarbeit mit anderen Frauen in einem leistungsorientierten Umfeld entwickeln.

Dies ist ein essenzielles Thema für Dr. Dianne Bevelander, Projektinitiatorin und Vize-Dekan für die MBA-Programme. Ihre Abhandlung „Ms Trust: Gender, Networks and Trust – Implications for Management and Education“ wurde in der Zeitschrift Academy of Management, Learning and Education veröffentlicht. Sie fand heraus, dass Frauen dazu neigen, Kolleginnen in brisanten Berufssituationen weniger Vertrauen entgegenzubringen als Männern.  

„Frauen pflegen Beziehungen zueinander, doch im Ernstfall, wenn es darum geht Risiken einzugehen, ziehen sie es vor, ein Netzwerk mit Männern zu schließen“, so Dianne Bevelander. Für ihr Projekt konnte sie Rebecca Stephens gewinnen, die als erste britische Frau die sogenannten „Seven Summits“ – die höchsten Gipfel auf jedem Kontinent – erklommen hat und zudem einschlägige Erfahrung im Führungskräfte- und Team-Coaching vorweist.

Wie beim beruflichen Aufstieg in der Wirtschaft, stößt man auch beim Klettern in der Natur an seine Grenzen. Veränderungen vollziehen sich schnell – Menschen müssen als Team funktionieren, Risiken eingehen und sich gegenseitig unterstützen. Diese Erfahrung machten auf der Expedition auch die Frauen nebst ihrem Coach, Rebecca Stephens, und einer Ärztin. Allesamt verfügten sie über unterschiedliche Fähigkeiten und Erfahrungswerte.

Alle schafften es bis zur etwa 5.000 Meter hoch gelegenen Kibo Hut. Zehn Teilnehmerinnen erreichten den Gilman’s Point, der etwa 300 Meter unterhalb des Gipfels liegt, und fünf schafften den gesamten Weg bis zum Uhuru Peak, dem Gipfel des Kilimandscharo. Einige Teilnehmerinnen hatten mit der Höhenkrankheit zu kämpfen, die bei über 2.400 Metern jeden befallen kann, unabhängig von der individuellen Fitness.

„MBA-Studenten sind ambitionierte junge Leute. Sie stellen sich gerne neuen Herausforderungen – beruflich, sozial und physisch“, erklärt Rebecca Stephens. Drei wesentliche Elemente gehen bei diesem Projekt ihrer Meinung nach eine Verbindung ein:  das emotionale, malerische Element des Laufens in einer vom hektischen Alltag losgelösten Landschaft, der akademische Aspekt der Erfahrung einer Führungsmodellierung sowie die verbindende Wirkung einer herausfordernden Aufgabe.

Eine der fünf Teilnehmerinnen, die den Uhuru Peak erreicht haben, ist die niederländische Studentin Karen de Lathouder (Global Executive OneMBA), eine begeisterte Wanderin mit Bergsteigerfahrung. Sie entschloss sich, an der Expedition teilzunehmen, um Praxiserfahrung in Teamführung zu sammeln und zu lernen, Gruppen zu lenken. „Ich denke, dass wir anfangs alle Angst hatten, uns einander zu öffnen, doch rückblickend hat es sich wirklich gelohnt. Für mich war es wichtig, Teil des Erfolgs aller Beteiligten zu sein und nicht unbedingt als Erste auf dem Gipfel anzukommen“, betont Karen. „Die Gruppe war so eng miteinander verbunden und so fürsorglich untereinander. Damit wir alle nach viereinhalb Tagen Wandern das High Camp am 4.700 Meter hoch gelegenen Kibo Hut erreichten, bedurfte es jeder Menge Mut. Besonders beeindruckt hat mich das Durchhaltevermögen und die Risikobereitschaft der Teilnehmer, die über keine Er-fahrung verfügten. Ich konnte Unterstützung anbieten und habe meinen natürlichen Drang kennengelernt, andere zu unterstützen, zu sehen, was gebraucht wird und entsprechend zu handeln.“

 


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