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Geld oder Leben? – "Kleine Morde unter Freunden"

Wenn ein Land berühmt ist für schwarze Komödien, dann ist es sicher das Inselkönigreich. Ein der grandiosesten Variationen dieses Themas ist Danny Boyles Frühwerk "Kleine Morde unter Freunden". Jetzt in der Steelbox noch einmal herausgebracht von Studiocanal.

Kleine Morde unter Freunden

Wenn Doctor (Who) Christopher Eccleston und Obi-Wan Kenobi Ewan McGregor aufeinander treffen, dann ist wohl mit einem leicht spleenigen Film zu rechnen. Danny Boyles Regie-Erstling "Kleine Morde unter Freunden" von 1994 hält dieses Versprechen spielend.

Und du denkst wir lassen jemanden wie dich bei uns wohnen?

Ärztin Juliet (Kerry Fox), Buchhalter David (Christopher Eccleston) und Journalist Alex (Ewan McGregor) teilen sich eine tolle Wohnung. Ein Zimmer ist noch frei und dafür wird ein regelrechtes Casting veranstaltet. Doch den hohen Ansprüchen der drei an einen vierten Mitbewohner scheint keiner gerecht werden zu können - bis Hugo (Keith Allen) auftaucht. Juliet gefällt der mysteriöse Möchtegern-Schriftsteller so gut, dass sie ihm das Zimmer zusagt, bevor die anderen ihren Segen geben. Aber auch der Rest der illustren Gemeinschaft ist mit dem geheimnisvollen Poeten als Mitbewohner einverstanden. Er zieht also ein - und ward nicht mehr gesehen.

Nach Tagen einigt man sich darauf die Tür aufzubrechen. Hugo liegt nackt und tot auf dem Bett. Unter dem Bett aber liegt ein Koffer voller Geld. Was tun? Gier siegt über Vernunft und man kommt überein, dass man, um das Geld behalten zu können, die Leiche entsorgen muss. Aber wer soll es tun? Da hilft nur losen. Nach einem ausgiebigen Trip in den Baumarkt wird also der Kurzzeitmitbewohner unkenntlich gemacht und im Wald verscharrt. Doch viel Freude hat das Trio nicht am Geld. Der mit dem kürzen Stöckchen kann die Tat emotional nicht bewältigen und wird zum psychopathischen Einzelgänger und überhaupt: Kann man den jeweils anderen beiden wirklich trauen? In der 2 Mann, 1 Frau - Kombination kommt es dann auch noch zu beziehungstechnischen Verwicklungen und das Misstrauen wächst. Außerdem sind da ja noch die Gangster, denen das Geld eigentlich gehört und die Polizei, die nur zu bald das Grab im Wald entdeckt ... 

Kleine Morde unter Freunden

Stilsichere Gewaltausbrüche

Vor allem die oft unverhofft ausbrechenden Gewaltszenen sind brillant stilisierte Kunstwerke. Das wachsende Misstrauen zwischen den Freunden spiegelt sich auch in den Kameraperspektiven wieder. Die Sicht auf die Protagonisten wird distanzierter. Man sieht die drei wirklich gut aufspielenden Hauptdarsteller mehr in der Komplettsicht, als in der Nahaufnahme - kein Wunder, taugen sie doch auch zusehends weniger zur Identifikation.

Trotz Mord und Todschlag herrscht noch in den haarsträubendsten Situationen eine gewisse Ironische Distanz - auch der Charaktere zu sich selbst.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Shallow Grave (Kleine Morde unter Freunden)

Regie: Danny Boyle
Darsteller: Kerry Fox, Christopher Eccleston, Ewan McGregor, Ken Stott, Keith Allen, Peter Mullan, John Hodge

Im Verleih von Studiocanal

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