Es klingt nach guter Winter-Lektüre: Der Umschlag verspricht die Geschichte einer Mathematik-Studentin, die sich ihr Studium mit Prostitution finanziert. Ein spannender Stoff für heiße Gedanken, könnte man annehmen. Falsch gedacht.
Sonia Rossi schildert ein kaltes, unnahbares Berlin, das sich kein bisschen um seine Mitmenschen schert. Doch genauso kalt wie die Hauptstadt bleibt auch Rossis eigene Schilderung: Vom Ankommen in Berlin und dem Kennenlernen des schlechtmöglichsten Heiratskandidaten, einem polnischen Stricher, einer Bilderbuch-Lusche. Trotzdem lässt sie ihn nach einer Woche bei sich einziehen, heiratet ihn später und trägt nun die finanzielle Last für beide.
Ziemlich schnell und schwer nachvollziehbar rutscht Rossi dann in die Prostitution ab: Zuerst sind es Erotik-Chats, dann erotische Massagen bis hin zum tatsächlichen Geschlechtsverkehr. Fünf Jahre lang versucht sie, aus diesem Teufelskreis zu entkommen, doch erst die Geburt ihres Babys lässt sie das Gewerbe verlassen.
Eine Studentin, die sich mit Prostitution das Studium verdient - was hätte man alles daraus machen können! So jedoch verharrt die Story distanziert, Rossi schildert kalt, fast schon gelangweilt. Und gelangweilt fühlt sich auch der Leser, der nur fassungslos die Hände über dem Kopf zusammen schlagen kann, wie irrational sich angehende Mathematikerinnen verhalten können: Da fängt Rossi noch eine unglückliche Affäre mit einem verheirateten Mann an, der im Grunde genommen genauso nutzlos ist wie ihr eigener. Die einzige Wärme geben ihr die Prostituierten in ihrem Bordell, und doch selbst die Gespräche der Frauen bleiben konturlos, so wie alle Personen im gesamten Buch.
Interessant wäre gewesen, vom Studium zu erfahren, über den Konflikt zwischen beiden Rollen, über den Beruf der Prostituierten. Nicht einmal leichte Kost scheint als Bezeichnung für das Buch angemessen, denn wie Rossi sich durch ihre 281 Seiten jammert und sich dabei immer tiefer ins Unglück stürzt, liest sich zäh und konstruiert - nachvollziehbar jedenfalls nicht. Das Authentische, das dem Buch Wärme geben könnte, bleibt vorne vor. Kein Buch für den Winter. Höchstens für den Kamin.
Angelina Schmid
Sonia Rossi
Fucking Berlin
Ullstein Buchverlag 2008
281 Seiten
? 8.95
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