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Zeitgenössische Literatur

Frauenrollen in den 1920ern

Scott Fitzgerald ist ein weithin bekannter Autor - dessen Frau ebenfalls Schriftstellerin war. Ein Teil ihrer Arbeit - kurze Geschichten rund um diverse Frauen in den 1920ern - erschien nun als Anthologie bei Manesse. Ein literarisches Goldstück?

Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen die Frauen: Mal ein einfaches Mädchen, das bei seinem Vater in der Gastwirtschaft arbeitet und für eine Saison in ihrem Dorf zur Filmdarstellerin wird. Oder Lou, Gay und wie sie alle heißen. Sie alle sind eigenständige Frauen, die ihren eigenen Weg gehen wollen und von der Gesellschaft eingeschränkt werden. Macht sie das zu starken, feministischen Charakteren, wie man es oft in anderen Rezensionsn liest?

Die Zwickmühle bei diesem Feminismus-Argument ist, dass es bei jeder einzelnen Geschichte einen Mann braucht, um aus dem Mädchen eine Prinzessin zu machen. Gerechtfertigterweise liegt das mit an der Zeit, in der Geschichten spielen und geschrieben wurden, hat trotzdem mit Feminismus sehr wenig zu tun. Jetzt wird es kompliziert: Das heißt nicht, dass wir hier von zahmen Damen lesen, die sich ihrer Rolle am Herd nur zu bewusst sind. Sie wollen alle etwas verändern in ihrem Leben und nutzen dafür ganz selbstbewusst jedes Mittel, das ihnen zur Verfügung steht. In den meisten Fällen sind das die Männer.

Die Protagonisten bei Zelda Fitzgerald ähneln sich stark. Es geht sehr oft um Frauen, die in der Gesellschaft aufsteigen wollen: Entweder in Hollywood oder durch kluge Heiraten. Diese turbulente Leben in der kreativen Szene könnten oftmals einfach das sein, was sie selbst erlebt hat - denn mit 19 Jahren heiratete sie schon Scott Fitzgerald und führte insgesamt ein buntes und turbulentes Leben in New York, bevor sie in einer Nervenklinik landete und dort bei einem Brand verstarb. Die interessanteste Frage aus dem Buch lautet daher: Beschreibt sie sich selbst in all den Geschichten?

Zelda Fitzgerald hat ihren ganz eigenen Stil, der mich persönlich beim Lesen oft hat stolpern lassen: Der Fluss wurde immer wieder unterbrochen. Wem dieser Stil bekannt vorkommt - einige ihrer Werke wurden unter dem Namen ihres Mannes veröffentlicht. Die Leichtigkeit, mit der sogenannte "Flappers" in den 1920ern ihr Leben verbracht haben, spiegelt sich leider nicht in den elf einzelnen Geschichten wider. Vielmehr wahrt sie immer eine gewisse Distanz und lässt den Leser nie richtig auf die einzelnen Charaktere zugehen. Sie lässt nicht miterleben, sondern beschreibt meistens nur von Außen. Des Weiteren zeigt sie die einzelnen Szenen in sehr reduzierter Form: Selten gibt es ausführlichere Beschreibungen der Orte, sodass das Kopfkino kaum Fahrt aufnehmen kann. Wenn sich Paare trennen, neu verlieben und wieder trennen, spürt man keine Emotion beim Lesen, es bleibt alles seltsam vage. Deswegen bleibt am Ende des Buchs kaum eine bleibende Erinnerung an mehr als zwei Geschichten, was doch sehr schade ist.

Meine Empfehlung wäre daher, das Buch selbst in Etappen zu lesen. Hier mal eine kurze Geschichte in der U-Bahn, dort einmal am Wochenende. Für Fitzgeralds-Fans ist das Buch sicherlich Pflicht, aber wer gerne zu seinen Büchern Bilder im Kopf hat, muss hier nicht zugreifen.


Bettina Riedel (academicworld.net)


Zelda Fitzgerald. Himbeeren mit Sahne im Ritz.
Manesse. 24,95 Euro.




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