Ford Focus RS

- Testfahrer: Dipl.-Ing. Peter Praller testet für HI:TECH CAMPUS an dieser Stelle sportliche Autos, die noch nicht heute, aber bestimmt morgen in den Fokus unserer Leser rücken könnten. Auf academicworld.net finden sich weitere Tests, z.B. Porsche Cayman S, Lotus Elise, BMW 335i, Mitsubishi Lancer Evo, Mini Cooper JC Works.Alfa 8C, Fiat 500 Abarth, Lotus Europa u.a.
Im Test: Ford Focus RS, 2.521 cm3, 305 PS bei 6.500/min, 263 km/h, 0-100 km/h 5,9 Sek., 9,4 L/100km, 33.900 Euro
Wie selten ein Auto im HI:TECH CAMPUS Test polarisiert der Focus RS: Für viele ist der halbstarke Auftritt zu deftig, die Optik sorgt vor allem im bürgerlichen Milieu für hochgezogene Augenbrauen. Andererseits ist es uns auch noch nie passiert, dass eine Kundin (!), die um eine kurze Mitfahrt mit dem kleinen Kraftprotz bat, direkt danach einen weißen RS bestellte. Regelmäßige, bewundernde und auf Dauer doch erschöpfende Benzingespräche an Tankstellen und auf Parkplätzen der Fast Food-Ketten zeigten ebenfalls, dass es eine echte Fan-Gemeinde für den RS gibt (“Da muss doch von Ampel zu Ampel mehr Freude aufkommen...!”).
Die Vorschusslorbeeren, die dem RS vorauseilen, sind gewaltig. Im anerkannten Sport Auto-Test als schnellster Fronttriebler aller Zeiten gefeiert, eilt dem Fünfzylinder ein Ruf wie Donnerhall voraus. Und alles, was über dieses Auto und seine Leistungsentfaltung geschrieben und gesagt worden ist, ist wahr: Nur wenig über Leerlaufdrehzahl packt der zwangsbeatmete Kompaktsportler ohne spürbares Turboloch zu und katapultiert den RS nach vorne. Ein straffes Fahrwerk, griffige Bremsen unter den 19 Zoll-Alufelgen und sehr gut konturiertes Gestühl machen viel Freude, allein die Beantwortung der Frage aller Fragen bei einem über 300 PS starken Fronttriebler Wie bringt er die Kraft auf die Straße? sorgt für schlechte Laune: Bei voller Beschleunigung zieht der Focus überall hin und hat große Probleme mit der Traktion. Zur Ehrenrettung des RS sei gesagt, dass uns das Fahrwerk am Testwagen von Beginn an nicht korrekt eingestellt erschien oder spürbare Unwuchten für die Probleme gesorgt haben könnten. In allen Tests wurde bis dato die überraschend souveräne Traktion im Focus RS gelobt, so dass der Testwagen wohl ein Ausreißer ist und nicht der üblichen Qualität entsprach.
Im Innenraum geht es funktional zu, alles wirkt nüchtern und solide verarbeitet, wobei der in dieser Leistungsklasse konkurrenzlose Preis seinen Tribut in der Verwendung von Materialen fordert.
Von außen fordert der RS eine Menge Sympathie für den ganz lauten Auftritt: Breite vordere Kotflügel, ein mächtiges hinteres Seitenteil und ein brachiales Heck, auf dem ein gewaltiger Heckspoiler zusammen mit dem hinteren Diffusor für Abtrieb auf der Hinterachse sorgt. Auch wenn diese Karrosseriezusätze notwendig sind, weil der Basis-Focus natürlich ohne gravierende Modifikationen nicht in der Lage wäre, die Kraft des Topmodells zu beherrschen: Als Fahrer eines Focus RS signalisiert man nicht nur das Gegenteil von Understatement, sondern auch, dass man edles Autodesign für vollkommen überflüssig hält.
In England findet der Focus rasanten Absatz und auch besagte Kundin, die wir zum RS-Spontankauf inspirierten, machte die Erfahrung, dass die Lieferzeiten auf rege Nachfrage in Deutschland hindeuten. Die besten Momente im Ford Focus RS hat man in jedem Fall im Auto sitzend, wenn bis zu 440 Newtonmeter für einen Vortrieb sorgen, der in der Kompaktklasse bis dato unerreicht ist. Wenn man alles der Funktion unterordnen kann, dürfte dieses Fahrzeug für eine leistungshungrige Klientel mit überschaubaren Barschaften kaum zu toppen sein.




























