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Karriereplanung

Förderprogramme als Erfolgsrezept für mehr Gründungen?

Laut jüngsten Erhebungen des Bundesamts für Statistik wagen immer weniger Deutsche als Unternehmer den Sprung ins kalte Wasser. Daran änderte auch der Hype um die Berliner Startup-Kultur wenig. Die traurige Bilanz: 2013 wurden hierzulange so wenig Betriebe gegründet wie seit zehn Jahren nicht mehr. Entrepreneur-Programme, Unternehmerkredite und Beratungen sollen Abhilfe schaffen, erzählt Prof. Jon Fjeld von der Duke University's Fuqua School of Business im Gespräch mit Academic World.

Gründertum ist weniger eine Sache von Individuen, es ist Team-Sport statt Einzelkämpfertum (Photo: © Stephanie Hofschlaeger/pixelio.de)

Mr. Fjeld, denken Sie, dass staatliche Programme tatsächlich Bewegung in die europäische Gründerszene bringen können?
Grundsätzlich können solche Programme Erfolge zeigen. Allerdings ist es insgesamt effektiver, wenn Staaten möglichst viele Barrieren für Gründer aus dem Weg räumen. Dazu zählt etwa, die Kosten für Jungunternehmer zu senken, gerade wenn sie frisch von der Universität kommen. Frankreich hat kürzlich ein entsprechendes Entrepreneur-Programm gestartet, das zwar auch nur ein kleiner Schritt ist, aber immerhin einer in die richtige Richtung.


Wie würden Sie die Mentalität von Gründern charakterisieren? 

Kurz gesagt, gar nicht! Manchmal sprechen Menschen von Entrepreneurship, dabei meinen sie nur Selbständigkeit. Wenn wir bei Fuqua von Entrepreneuren sprechen, meinen wir damit Menschen, die sich zum Ziel gesetzt haben, aus Geschäftsideen größere und schnell wachsende Unternehmen zu formen. Mit dieser Herangehensweise ist Gründertum weniger eine Sache von Individuen, es ist Team-Sport statt Einzelkämpfertum. Folglich zählt auch das Team mit all den Eigenschaften des Kollektivs. Unter diesen Eigenschaften sollten allerdings fraglos ein hohes Maß an Kreativität und Beharrlichkeit zu finden sein. Vor allem aber muss das Team hungrig darauf sein, eine Vision mit hohem Einsatz Realität werden zu lassen. Denn natürlich haben Entrepreneure häufig großartige Ideen oder erfinden wichtige Dinge – aber es ist ihr Drive, der sie erfolgreich macht. Und das bedeutet auch, auf viel wirklich harte Arbeit vorbereitet zu sein.


Frühere Generationen haben nicht die Chance gehabt, Entrepreneurship-Kurse zu besuchen. Dennoch gab es erfolgreiche Gründer im von Ihnen genannten Sinn. Braucht man solche Kurse also wirklich, oder sind sie nur ein Trend?
Ich glaube an die Ausbildung von Gründern im Zuge einer begleiteten Möglichkeit, anhand von Erfahrung zu lernen. Studenten meiner Kurse arbeiten an Startup-Unternehmen. Und sie lernen, wie sie ihre Chancen auf Erfolg vergrößern. Viele neue Ideen scheitern, das ist eine Tatsache. Aber das Lernen unter Anleitung kann die Chancen einer Idee steigern. Entrepreneurship an einer Bildungseinrichtung ist ein recht kostengünstiger Weg, um aus Fehlern zu lernen. Es ist besser, es in einem Unterrichtsraum zu versuchen und zu scheitern als draußen im Geschäftsleben.


Lernen, Entrepreneur zu sein, und tatsächlich Entrepreneur sein – das können doch zwei Paar sehr unterschiedliche Schuhe sein. Welche Best-Practice-Ansätze würden Sie Studenten empfehlen, damit sie die bestmöglichen Chancen als erfolgreiche Unternehmer direkt nach dem Studium haben?
Bei den Projekten, die ich sehe, liegt der häufigste Grund für Fehlschläge im Fehlen eines Problems oder eines Bedürfnisses. Erfinden, ohne ein Problem zu lösen, ist vergebliche Liebesmüh. Mein bester Ratschlag ist daher: Immer darauf konzentrieren, ein echtes Bedürfnis am Markt zu identifizieren, das sich dann auch adressieren lässt. Darüber hinaus sollten Ideen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt mit Kunden oder potenziellen Kunden getestet werden. Auf diese Weise erhalten Gründer wertvolle Hinweise auf die Tragfähigkeit ihrer Geschäftsidee.


Benötigen Studenten Erfahrung am Arbeitsmarkt, bevor sie gründen?
Es sollte hier kein Schwarz-Weiß-Denken geben. Erfahrung gibt einem natürlich ein grundlegendes Verständnis für die Mechanismen der Geschäftswelt. Sie ist außerdem ein Gerüst, mit dem sich unterschiedliche Herausforderungen lösen lassen, mit denen Gründer konfrontiert werden – seien es Konflikte in Teams oder das Organisieren von Tätigkeiten. Wer ein Team hat, bei dem alle jedes Problem zum ersten Mal erleben, könnte in der Tat Schwierigkeiten bekommen. So gesehen ist Erfahrung wichtig für eine Entrepreneur-basierte Gründung. Aber auch hier bestätigen berühmte Ausnahmen die Regel, etwa Bill Gates oder Michael Dell. Aber für jeden der Beiden gibt es natürlich eine große Zahl gescheiterter Gründer, von denen wir nie gehört haben.




Prof. Jon Fjeld ist Executive Director des  Center for Entrepreneurship and Innovation und Professor of the Practice,
Duke University's Fuqua School of Business




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