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Fernweh, Sport

Fjällräven Classic 2011: 110 Kilometer zu Fuß durch Lappland (Teil 3)

Seit 2005 findet jährlich der Fjällräven Classic statt, den der Outdoorausrüster Fjällräven als Veranstalter komplett unbescheiden als „the world’s most beautiful trekking event“ bezeichnet. Das werden wir ja mal sehen ...

Großer Entfernungsbetrug vor Alesjaure

8.8.2011 Sälka - Alesjaure

 

Kein Regen am Morgen, dafür ein schneidender Wind. Eigentlich sollte man sich mal waschen … Aber die Toilette im engeren Sinn war schon so eine unschöne Angelegenheit. Kein Baum, kein Strauch und dunkel wird es auch nicht … Also ging für kurze Zeit sicher hervorragend sichtbar der Mond auf. Unschön, sowas.

 

Der Pass und damit der höchste Punkt der Tour liegt vor uns. Eintausendeinhundertundnochwas Meter. Aber jetzt bricht meine Herkunft aus mir heraus: Pah! Ich bin in Alpennähe aufgewachsen, habe vor zwei Jahren die Alpen zu Fuß überquert – 1.100 Meter! Ein Witz!

Wir stehen auf dem höchsten Punkt, die Sonne kommt heraus und weit hinten sehen wir den nächsten Checkpoint Tjäktja. Euphorie!

 

Tatsächlich ist Tjäkja recht schnell erreicht. Leider gibt es keinen Motivation-Snack oder ähnliches. Dafür aber die motivierte Bestätigung: Noch 50 Kilometer bis zum Ziel. Nur noch.

Und die Landschaft wird nun auch deutlich netter, grüner, fast ein bisschen auenland-hobbit-mäßig. Überall Bäche und Lemminge. Unsere kleine Gruppe zerstreut sich ein wenig, jeder macht sein Tempo, wie man so sagt. Meines ist heute schnell.

 

Ich überhole zwei Wanderer, die gerade den Sound eines Bächleins aufnehmen und allerlei Kameraequipment dabei haben. Man verändert sich auf so einer Wanderung und ich tue Dinge, die ich normalerweise nicht mache: Menschen anquatschen zum Beispiel. Die beiden drehen einen Bericht über den Fjällräven Classic für den MDR – und haben furchtbar viel Gepäck dabei, wie ich anmerke. Ja, das stimmt, bemerkt der Kameramann, 24 Kilo. „Ich sogar 25 Kilo“, schaltet sich seine hübsche Begleiterin ein. Ich bin froh über meine zehn Kilo weniger, wünsche ihren viel Erfolg und schalte wieder in den vierten Gang.

 

Irgendwann verkündet ein Schild: Rentierkebab und Cola in vier Kilometern! Perfekt!

Leider war es offenbar so, dass das Schild gefertigt wurde und dann irgendwo, etwa sechs, sieben Kilometer entfernt, aufgestellt wurde. Jeder von uns erreicht angepisst das Rentierkebab-Zelt – und wir beschweren uns gegenseitig über die Irreführung durch dieses Arschloch-Schild.

 

Langsam zeigen die mittlerweile fast 70 Kilometer ihre Wirkung. Ich muss anfangen, meine Füße zu behandeln. Keine Blasen bisher, aber allerlei gereizte Stellen. Ich klebe akribisch jede Gefahrenstelle mit Blasenpflaster oder Tape zu. Meine Füße sehen aus wie hässliche Quilts, schmerzen aber nicht mehr und werden mich heute noch mindestens zehn oder zwölf Kilometer weit bringen.

 

 

Wie gehabt: Wasser und Tundra.

 

9.8. Alesjaure – Abisko (Ziel)

 

Nach der bisher kältesten Nacht brechen wir auf. Jeder von uns hat mittlerweile so seine Zipperlein. Der Rücken, das Knie, die Füße. Eine Rotation des Schmerzes. Wenn der Rücken aufhört zu schmerzen, dann sind eben die Füße dran. Irgendwas ist immer, heute, am letzten Tag, ist es bei mir in erster Linie die Achillesferse. Irgendwann ist es mir zu blöd und ich werfe die erste Schmerztablette ein. Am Anfang dachte ich mir noch: Woher soll denn die Tablette wissen, wohin sie zuerst gehen soll? Aber dann: Wunderbare Pharmazie!

 

Man kann auf solchen langen Märschen prima vor sich hin denken. Probleme durchdenken. Leben durchdenken. Nicht planvoll. Nein, man, oder besser gesagt, es denkt einfach so vor sich hin. Oder man schweift komplett ab.

 

Eine Kostprobe meiner Gedanken gefällig? Gerne: „Felsen überall. Rocks. Less rocks - more fun. Rockmusik. Felsmusik. Aber es heißt ja auch irgendwie … Sex haben. Michael Jackson. I wanna rock with you. Alnight. Ich felse dich heute die ganze Nacht. Rockmusik finde ich dämlich. Die Rolling Stones machen Rockmusik. Kein Wunder bei dem Namen. Rolling Stones. Dämlicher Name. Furchtbare Band. Warum gibt es die noch und die Beatles schon lang nicht mehr? Dachte als Kind immer, die Rolling Stones wären aus Amerika. Wichtigtuer sagen nie ‚Amerika‘. Sondern ‚Die Staaten‘. Huiuiui.“

 

In diesem Stile bringt man dann schon mal ein paar Stunden rum.

 

Wir erreichen unglaubwürdig früh Kieron, den letzten Checkpoint vor dem Ziel. Ab da sind es nur noch lächerliche 17 Kilometer. Aber erst einmal genießen wir die Rast. Wie alle. Alle strahlen. Eine Stimmung wie am ersten Ferientag. Wir werden empfangen von einem prächtigen, hübschen Bilderbuchschweden, der uns fragt, wie es uns geht. Great. Und das ist nicht mal gelogen.

 

Ach ja, wir sind inzwischen im Nationalpark, es hat wieder Bäume. Dachte nicht, wie schön das sein kann. Hier gibt es theoretisch Elche und Luchse, ganz theoretisch auch Bären, aber die Chance einen zu sehen, liegt sicher in der Nähe der Chance eines Lottogewinns. Ich hätte im Falle des Falles auch lieber den Lottogewinn.

 

Was es nicht nur theoretisch gibt: Kaffee und Pfannkuchen mit Sahne und Preiselbeerkompott, gereicht von prächtigen, reizenden Schwedinnen.

 

Die letzten Stunden und Kilometer bis zum Ziel vergehen schnell. Es kommen uns schon Tagesausflügler entgegen. Die Zeichen mehren sich: Es ist bald vorbei.

 

Das Ziel kommt in Sicht. Abrisko, 200 Kilometer nördlich des Polarkreises.

Wir werden begrüßt von lautem Applaus. Alle schon Angekommenen spenden ihn - und man kann nicht anders, als sich zu freuen, ein wenig gerührt und ein ganz klein wenig stolz auf sich zu sein.

 

Wir holen uns unsere Zeit – 78 Stunden – und unsere Medaille ab und legen uns mit Bier ins Gras. Der Ferienbeginn nimmt kein Ende. Voller Glückshormone grinsen alle vor sich hin, trinken Stark-Öl und essen mal wieder ein Gericht auf Rentierbasis.

 

Eine Band spielt, die Sonne geht schon wieder nicht unter und wir wechseln von einem Rausch in den nächsten.

 

Ich komme ins Gespräch mit Ida, einer tiefgebräunten, weißblonden Schönheit, die so schwedisch aussieht, dass sie nur aus Schweden kommen kann. Ich sage ihr das - also nur den hinteren Teil - und ja, in der Tat, sie ist aus Kiruna und jobbt hier. Sie sei "Garbage-Girl", kümmere sich um den "Garbage", den "Abfall". Wow, ein echt sexy Müllmädchen. 
 
"Luggage" zischt ihre Freundin von der anderen Seite. Ja, richtig, "Luggage", Gepäck, nicht "Garbage", Müll. Ida lacht und entschuldigt sich für ihr Englisch. 
 
Ich kenne nur zwei schwedische Städte, Kiruna ist eine davon. Wie gesagt: Kiruna ist sozusagen die Welthauptstadt des Abhängens, ich kenne keine Stadt, die so viele Parkbänke hat. Etwa drei pro Einwohner. So ganz viele Bewohner gibt es aber wohl nicht, die Stadt ist ruhig bis einschläfend. Fast wie eine Lavalampe.

 

Ich frage sie, was man denn so macht, wenn man in Kiruna wohnt. Was man überhaupt machen kann. Sie gehe zum Gym, meint sie. Pause. Wohl keine Exzesse, keine Disko, nur Sport. Kein Wunder, dass sie so aussieht, als hätte sie in ihren ganzen Leben noch nie einen Pickel  gehabt.

 

Vielleicht hat sie eine Spur von Enttäuschung in meinem Gesicht gesehen, denn sie lächelt mich an und meint, sie sei jünger als ich vermutlich denke. Sie sei doch erst 18 und noch in der Schule. Ich schlucke, verwerfe meine Heiratspläne und kaufe mir noch ein Bier. Öl. Stark-Öl.  

 

Morgen geht es zurück nach Kiruna. Ein Tag voller Nichtstun erwartet uns. Und wir sind in der perfekten Stadt dafür. Das Leben meint es gut mit uns.

 

So, das wars dann mal!

Der Autor

David Lins fand es als Kind immer total blöd, auf einen Berg zu steigen, bloß um dann wieder runterzusteigen.

An dieser Einstellung hat sich nichts geändert, weshalb er stets darauf achtet, dass sich Start- und Zielort unterscheiden.

 

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