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Fernweh, Aus der Tiefe des Raumes

Fjällräven Classic 2011: 110 Kilometer zu Fuß durch Lappland (Teil 1)

Seit 2005 findet jährlich der Fjällräven Classic statt, den der Outdoorausrüster Fjällräven als Veranstalter komplett unbescheiden als „the world’s most beautiful trekking event“ bezeichnet. Das werden wir ja mal sehen ...

Fjällraven Classic: 110 Kilometer durch Nordschweden

Bei diesem Trekking-Wettbewerb ist eine 110 Kilometer lange Distanz im nordschwedischen Lappland zu absolvieren. Um eine Goldmedaille zu erreichen, muss die Strecke in 72 Stunden zurückgelegt werden. Für Silber und Bronze muss nach 96 beziehungsweise 120 Stunden das Ziel erreicht werden.
 
Übernachtet wird dabei in Zelten, der Veranstalter stellt unterwegs aber Essen und Brennstoff an bestimmten Checkpoints. In diesem Jahr nahmen rund 2.000 Leute aus 26 Nationen an dem Lauf teil.

Irgendwie auch ich.

 

6.7.2010 München

"Schweden! Natur satt! Und ganz viele sportliche Mädchen! Schwedinnen! Komm, lass uns das machen!"

In Kombination mit sechs, sieben Bieren funktionierte die Recruitingkommunikation meines Freundes Istvan hervorragend bei mir und ich fand mich wieder, eingeschrieben beim Fjällräven Classic 2011. 110 Kilometer durch weitgehend unberührte Natur, es gab am Ende Medaillen in Gold, Silber, Bronze, je nachdem, wie schnell man war und es nehmen wohl immer rund 2.000 Leute aus der ganzen Welt teil. Soviel wusste ich. Klang gut. Besonders, weil noch mehr als ein Jahr entfernt.

 

 1.8.2011 München

Viel mehr wusste ich ein Jahr später immer noch nicht. Aber übermorgen ging mein Flug nach Stockholm, von wo aus es am nächsten Tag weiter nach Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens gehen würde.

Ich stöberte etwas im Internet, vielleicht waren ja einige Erfahrungsberichte zu finden. Was ich so las, brachte mich durchaus zum Grübeln. Fast konnte man von leichter Panik sprechen. Millionen von Mücken. Böseste Verletzungen. 2009 beinahe ein Toter, Beinbruch und dann fast erfroren. Dutzende Teilnehmer werden schon an den ersten Streckenstationen mit einem Helikopter ausgeflogen. Offene Füße und Blasen als Standardprogramm. Ich kann tote Menschen sehen ... Na gut, ich vielleicht nicht, aber User "Klaus" offensichtlich schon.

Da ich weiß, dass besonders meine Füße ein ausgeprägtes Faible für Blasen hegen, verfluche ich ein wenig meine Entscheidung und sehe Horrorszenarien vor meinem geistigen Auge. Ich kaufe eine zweite Tube Hirschtalg und eine absurde Menge Blasenpflaster.

Stockholm. Blick auf Södermalm.

3.8. 2011 München - Stockholm

Es geht los. Ergänzt um unseren dritten Mitstreiter Steffen und nach kurzem Flug erreichen wir Stockholm. "Nur nicht zuviel gehen!", lautet das Gebot der Stunde.

Wir machen erst "Fika", schwedisch für Kaffee und Kuchen, und fahren anschließend mit dem Linienboot nach Vaxholm, einer idyllischen Kleinstadt in den Stockholmer Schären. Auf der einstündigen Fahrt dahin stehen überall wundervolle Häuser direkt am Wasser. Schweden, wie aus dem Katalog geschnitten.


Abends genieße ich das schwedische Fernsehprogramm. Simpsons und Two and and a half men, dort platzsparend "2 1/2 Men". Originalfassung mit schwedischen Untertiteln. Dämlicherweise bin ich darauf konditioniert, die Untertitel trotzdem mitzulesen. Aber man lernt dadurch. Bra heißt gut. Vatten heißt Wasser. Bättre heißt besser. Es taucht beunruhigend oft das Wort "fick" auf, es hat jedoch trotz Charlie Harper offenbar keine schmutzige Bedeutung. Muss das nachschauen, wenn ich wieder Internet habe.

Exkurs: Allgemein herrscht die Ansicht, Skandinavier sprechen in der Regel perfekt Englisch, allein schon durch die ganzen englischsprachigen Serien und Filme, die fast nie synchronisiert werden. Wahrheit: Nein, tun sie nicht. Ein Beispiel folgt.

 

4.8.2011 Stockholm - Boden - Kiruna

Quiet Day and Clichés.

Beim süßen Wenigtun bemerken wir: Ja, Stockholm besitzt in der Tat wie oft gehört eine beunruhigend hohe Anzahl hübscher Frauen.

Aber sind sie nun besonders hübsch oder nur reich an Zahl? Wir diskutieren den sogenannten Chearleader Effect, auch als Spice Girls Conspiracy bekannt: Fünf Frauen sind zusammen hübscher, als jede einzelne für sich. Schade, dass der Begriff Stockholm-Syndrom schon besetzt ist. Das wäre sonst die Unsicherheit, nicht zu wissen, ob man dem Cheerleader Effect aufgesessen ist.

 

Unschwangere Schwedinnen und unheilsschwangere Wolken

Abends: Gespräche mit den ersten Mit-Trekkern am Bahnhof. Man bemerkt, dass wir rauchen. Argwöhnisch. Ja, selbst habe man gestern auch Wein getrunken, aber ab jetzt und bei der Wanderung sei man natürlich abstinent.

Laaaangweilig! Trekker sind blöd. Denken wir. Und öffnen unser Dosenbier. Bier heißt hier Öl und ist gar nicht mal so leicht zu bekommen. Das ist erstaunlich, schließlich schmeckt es gar nicht mal so gut. Potentiell kann man natürlich exzellentes Importbier in den staatlichen Alkoholläden erstehen, den sogenannten "System Bolagets". Mit ihnen verhält es sich nur so, wie mit Taxis. Wenn man eines braucht, ist keins da.

Mit dem Nachtzug nach Kiruna via Boden verlassen wir Stockholm. 16 Stunden Zugfahrt in den Norden liegen vor uns. Doch Einsamkeit finden wir auf dieser Strecke noch nicht. So menschenleer die Gegend auch wirken mag, immer wieder steht irgendwo im Wald eine Hütte oder ein Wohnwagen. Allemannsrecht. Jeder darf in Schweden die Natur nutzen, sein Zelt aufstellen oder seinen Wohnwagen, solange man weder stört noch zerstört.

Freiheit für jeden, der verantwortungsbewusst mit Freiheit umgeht. Ich spüre Ver- und Bewunderung, dass das klappt.

 

Kiruna. Eine echt langsame und einsame Stadt. Aber Sitzgelegenheiten satt!

5.8.2011 Kiruna

Endlich erreichen wir Kiruna und checken beim Veranstalter ein. Wir bekommen eine Karte, eine orangefarbene Signalfahne, die uns als Teilnehmer ausweist und unseren Teilnehmerpass. Und die Gelegenheit, uns mit Proviant einzudecken. Genauer gesagt: Expeditionsmahlzeiten. Gefriergetrocknetes. Heißes Wasser in die Tüte, warten, und direkt aus der Packung löffeln.  Franzosen würden bei diesem Anblick einen Herzinfarkt erleiden. Gut, dass wir keine sind.

Der Veranstalter ist nicht dumm und hat einen Shop mit seinen Waren bereitgestellt. Panikeinkäufe werden erledigt. Auch wir bleiben nicht verschont.

Es fängt an zu regnen. Immer stärker. Es ist windig und kalt. Es wirkt wie ein "Hallo, ihr Narren!".

Wir beschließen, die letzte Nacht nicht wie ursprünglich gedacht im Zelt, sondern in einem Hotel zu verbringen.

Wir checken im "Arctic Inn" ein, einem echt rustikalen Hotel, freuen uns über eine unverhoffte Dusche und noch eine weitere Nacht in einem echten Bett. Das Wetter klart seltsamerweise schnell auf. Nach einem etwa zehnminütigen Spaziergang durch Kiruna haben wir das Gefühl, nun alles gesehen zu haben und denken, es könnte nett sein, sich irgendwohin zu setzen.

Diesen Gedankengang scheinen die Stadtväter zu kennen, denn in meinem ganzen Leben habe ich noch nie soviele Parkbänke gesehen - auch ganz ohne Park.

Öl aus dem zentral gelegenen System Bolaget macht das Ganze noch angenehmer. Selbstredend hat jeder von uns seine eigene Bank. 

Um halb sieben am nächsten Tag geht unser Bus, der uns zum Startpunkt bringen wird. Das heißt früh aufstehen und in der Konsequenz früh ins Bett gehen.

Problem: Es wird nicht dunkel. Ein mentales Problem in erster Linie. Denn wie soll man schlafen können, wenn man beim Blick aus dem Fenster eben noch spielende Kinder gesehen hat? Alle Kinder sind noch draußen und haben Spaß und wir sollen schlafen?

Gute Nacht, Rod. Gute Nacht, Todd. Gute Nacht, Ned.

Irgendwann schläft Familie Flanders aber dann doch ein.

Das "Restaurang" am Ende des Universums. Dafür aber mitten in der Nacht.

Hier geht es zu Teil 2




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