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Buch

Fitzgerald: Die Liebe des letzten Tycoon

Hinter den Kulissen der Filmwelt

 Ein Einblick in das Hollywood um 1940

F. Scott Fitzgerald hat in seinem unvollendet gebliebenen Roman ?Die Liebe des letzten Tycoon. Ein Western.? versucht ein Gegenstück zu seinem Ostküstenroman "Der große Gatsby" zu schaffen. Bei der dortigen feinen Gesellschaft handelt es sich, jedenfalls in Fitzgeralds Roman, um die Großen der Filmbranche. Die Großen, das sind aber nicht die Stars, die Regisseure oder Kameraleute. Nein, die wahren Mächtigen in diesem Umfeld sind die Produzenten.

Alle anderen hängen mit ihrem gesamten Wohl und Wehe von deren Entgegenkommen ab. So ist es dann auch nur folgerichtig, dass Cecelia, die Tochter eines der mächtigen Produzenten uns die Geschichte erzählt. Teils berichtet sie als Augenzeugin und Ich-Erzählerin, in anderen Episoden wird sie zur allwissenden Erzählinstanz, die sich nur hin und wieder darauf beruft, woher sie die Kenntnis um die jeweiligen Geschehnisse hat.

Das Ende einer Ära

Der im Titel angesprochene letzte Tycoon ist Monroe Stahr, in seiner Branche ein Held ohne Makel. Das ewige Wunderkind der Branche ist der Welt fast unbekannt, doch in der Filmbranche weiß jeder um seinen Spürsinn und die daraus resultierende Machtposition. Der Produzent ist ein Geschäftsmann und doch nicht ohne Moral, fast väterlich sorgt er sich um all seine Angestellten. Durch das eigene Können und nicht durch faule Tricks hat er es an den Gipfel geschafft. Nun ist er Mitte 30, lebt nach dem Tod seiner Frau ? einer Filmschauspielerin, die er eigentlich erst im Sterben Lieben gelernt hat ? ein einsames, öffentliches Leben, auch die Gesundheit lässt ihn im Stich und der drohende Tot schwebt über seinem Dasein. Es wird langsam offenbar, dass einer wie er in der sich wandelnden Gegenwart keinen rechten Platz mehr hat. Da tritt eine Figur auf den Plan, die sein Leben verändert. Er, der sich eigentlich nicht besonders um die Frau, die ihm in Scharen verfallen, kümmert, verliebt sich Hals über Kopf in Kathleen. Während einer Überschwemmung trifft es ihn wie der Blitz: Eine Frau, die seiner verstorbenen Gattin gleicht, aber nicht so, wie die Welt sie kannte, sondern so, wie nur er selbst sie kannte - der Teil an ihr, den er einst liebte, den sieht er in dieser Fremden wieder. Er muss sie kennen lernen. Doch dadurch, dass er seinen Gefühlen für diese Frau nachgibt, scheint er sein Gefühl, sein Gespür für den Film zu verlieren. Er, der bisher Unfehlbare, trifft plötzlich angreifbare Entscheidungen und stellt sich selbst in Frage. Auch die äußeren Umstände - privat wie beruflich - scheinen sich plötzlich gegen ihn zu wenden.

Ein angenehm zu hörendes Stück Literatur

Wenngleich Fragment geblieben, ist es doch einen wunderbare Geschichte, über die Entstehungszeit des Mythos Hollywood. Von Anna Thalbach mit viel Wärme in der Stimme gelesen. Sie lässt den Hörer auf diese Weise für fast jede der Figuren eine gewisse Zuneigung empfinden. Mit ruhigem Tonfall passt sie sich dem Erzählduktus perfekt an. Eine Freude ihr zuzuhören, wie sie die Welt, die Fitzgerald geschaffen hat, zum Leben erweckt. Eigentlich die perfekte Geschichte für alle Hollywood- und Filmfans und eigentlich überhaupt für alle, die eine gute Geschichte zu schätzen wissen, auch wenn sie noch nicht perfekt - weil unvollendet ist.

4 CD, 4 Std. 50 Min.

Preis: 24.90

Diogenes

 

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