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Finanzkrise II

Fast zwei Drittel des Nettovermögens in Amerika liegt in den Händen von fünf Prozent der Bevölkerung. In Deutschland besitzen diese oberen fünf Prozent immerhin "nur" etwas weniger als die Hälfte. Damit klafft die Schere von arm und reich in den USA weiter auseinander als in Ägypten oder Tunesien. Eine kapitalistische Oligarchie entwickelt sich dort gerade, ähnlich der in Russland, Brasilien oder Mexiko.

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Diese Hyperkonzentration von Wohlstand an der oberen Spitze der Gesellschaft gab es vorher schon einmal zu Zeiten der Industriellen Revolution: "Gilded Age" wurde und wird sie genannt (nach Mark Twain) – geprägt von Massenarbeitslosigkeit, Armut und einer zerrissenen Gesellschaft. Heute sind es aber Hedgefond-Manager und Finanzmagnaten, statt Eisenbahnbauer, die das Geld aus der Gesellschaft herausziehen und damit die Macht übernehmen. Im vergangenen Jahr verdienten die 25 bestbezahltesten Unternehmensführer der USA mehr als ihre Konzerne Steuern zahlten.

Und die Ursache für all das liegt in: Politischen Entscheidungen! also der Deregulierung der Finanzindustrie betrieben durch eben ihren Lobbyismus bei den Politikern. Sanford Weill, Leiter der Citygroup, hat in seinem Büro in einem Rahmen den Stift hängen, mit dem Bill Clinton - auf Weills Betreiben hin – den Zusammenschluss von Investmentbanking und normalen Bankgeschäften unterschrieb. (Dazu kommen Steuersenkungen auf Kapitalerträge von 40 Prozent auf 15 Prozent und die Senkung des Höchststeuersatzes von 70 Prozent auf 35 Prozent.)

Mittlerweile wird auch wissenschaftlich anerkannt, dass sich das Wirtschaftswachstum verlangsamt, die Wirtschaftskrise sich ausbreitet, durch dieses erhebliche Ungleichgewicht in der US-Gesellschaft. Nur wer hat diese Politiker gewählt?

In unserer Demokratie gewinnt derjenige die Macht, der die hemmungslosesten Wahlversprechungen macht: Die Politik lebt somit auf ständigem Pump, um an der Macht zu bleiben, die dann aber hauptsächlich denen nutzt, die dort mit viel Geld und Einfluss persönlich ihre Interessen vertreten können. Und jeder Kleinbürger fällt auf die Versprechen rein, dass ihm durch seine Wahl ein Vorteil zukommen würde.

Beim Kleinbürger und bei den Großen der Finanzbranche zählt nur der eigene Vorteil. Wir sind nicht die Krönung der Schöpfung, aber wir können uns darauf einstellen. Nur unser System ist schon lange nicht mehr so strukturiert, dass durch den Egoismus jedes einzelnen der Wohlstand aller gemehrt würde, so wie Adam Smith es angestrebt hatte.

Heute überleben nur noch die Tauglichsten (die Allgemeinheit bleibt auf der Strecke), jedenfalls solange, bis ihre Mauern und Zäune, ihre Warnanlagen und Überwachungskameras noch nicht überwunden werden von der blinden, wütenden Masse, die nichts mehr zu verlieren hat. Die Dummheit ist besonders gefährlich, wenn sie als solche verkauft wurde. Vielleicht hätte Sanford Weill daran denken sollen, als er den Kugelschreiber in sein Büro gehängt hat. Vielleicht hätte er daran denken sollen, dass letztlich die größeren Gruppen mit dem höheren Leidensdruck siegen – auch bei Darwin.

Katharina Ohana moderiert als Psychologin und Philosophin für verschiedene Fernsehsendungen. Ihr neues Buch "Gestatten: Ich - Die Entdeckung des Selbstbewusstseins" ist beim Gütersloher Verlagshaus erschienen und erklärt die Entstehung unserer Persönlichkeit und unserer Probleme - und wie wir sie loswerden können.

Mehr von ihr gibt es auf KatharinaOhana.de




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