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Leben und Überleben mit Johannes "Joe" Vogel

Ernährung in Extremsituationen

Wenn Sie sich in einer Notsituation befinden, während der Sie sich vollständig autark versorgen müssen, stellt sich bald die Frage nach der richtigen Ernährung.

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Wie sieht die Essen-Strategie in der Wildnis aus? Bild: imagebase.davidniblack.com

Früher oder später ist der menschliche Körper nicht mehr mit ausreichenden, kurzfristig verfügbaren Reserven versorgt, um den täglichen Ablauf in einem Notlager zu bewältigen oder um auf dem Weg zurück in die Zivilisation auf die benötigte Energie für den Marsch zurück zu greifen.

Das Interessante dabei ist, dass sich der menschliche Organismus während der Frühzeit durch den ständig währenden Kampf ums Überleben sehr gut an Mangelernährung angepasst hat. Wie Sie vielleicht schon leidlich feststellen mussten, kann der Körper selbst bei einer vermeintlich reduzierten Ernährungsweise sehr effektiv Energiereserven um Hüfte und Bauch anlegen. Insgesamt essen wir Zivilisationsmenschen meist viel zu viel.

Für mich liegt beispielsweise der berechnete Tagesumsatz während eines durchschnittlichen Schreibtages an einem Buch bei maximal 11.300 Kilojoule beziehungsweise 2.700 Kilokalorien.

Dieser Energiebedarf wird schon durch 750 Gramm Reis oder fünf Tafeln Schokolade vollständig abgedeckt. Das hört sich zuerst viel an, ist aber auf einen Tag mit mehreren Mahlzeiten verteilt mehr als überschaubar.

Es lohnt sich fast immer, Arbeit für Nahrung zu investieren

Bei täglicher schwerer Arbeit, steigt der Bedarf auf rund 15.000 kJ oder 3.500 kcal. Das bedeutet aber auch, dass ein großer Teil des Tagesbedarfs nicht durch zusätzliche Arbeit entsteht. Der Unterschied zwischen leichter Arbeit und schwerer Arbeit liegt bei nur rund einem Viertel des Maximalbedarfs.

Dies sei auch die Antwort auf die in der »Szene« häufig gestellte Frage »Lohnt sich das denn?«, wenn eine Wurzeln oder Knolle ausgegraben werden soll. Tatsächlich lohnt sich fast jede Anstrengung, um an energiereiche Nahrung zu gelangen. Der Aufwand ist im Verhältnis zum erreichten Nährwert meist minimal, selbst wenn Sie für eine kartoffelgroße Knolle 20 Minuten graben müssten.

Vielleicht fasten Sie hin und wieder einige Tage bis Wochen und haben sich so mit dem Gefühl des Hungerns vertraut gemacht. Diese Art der Nahrungsreduktion ist jedoch nicht mit dem Hungern in einer Extremsituation gleichzusetzen. Eigene Erfahrungen in diesem Zusammenhang ergaben ein vermeintlich widersprüchliches Bild, wie Sie sich diese Situation vorstellen können.

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Leichteste Beute: Pflanzen. Bild: imagebase.davidniblack.com

Die körpereigenen Fett- und Glykogenreserven ermöglichen es theoretisch, eine längere Zeit vollkommen ohne Nahrung auszukommen. Während das Glykogen aus der Leber kurzfristig abrufbar ist, ist die Umwandlung des Körperfetts eher problematisch.

Sind die Speicher von Glykogen in Leber und Muskeln aufgebraucht, werden sie nach und nach wieder über den Umbau des Speicherfetts aufgefüllt. Und genau hier liegt das Problem. Während jeder mit einigermaßen gesundem Körperbau mehr als drei Wochen ohne Nahrung überleben kann, sinkt die Leistungsfähigkeit (und -bereitschaft, bedingt durch mangelnde Motivation) schon wenige Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme.

Diese Erfahrung durfte ich nicht nur an mir selbst erleben, sondern auch an vielen Seminarteilnehmern, die fast allesamt nach nur zwei Tagen mit eingeschränkter Ernährung zumindest subjektiv vor dem baldigen Hungertod standen.

Wenig Nahrung genügt schon, um leistungsfähig und motiviert zu bleiben

Eine sinnvolle Planung der Ernährung von der ersten Stunde an ist tatsächlich unabdingbar. Die enorme kurzfristige Leistung, die wir während des Anlegens einer Notunterkunft, einer Feuerstelle oder auf dem Weg zur Rettung aufbringen müssen, lässt sich in keinem Fall mit dem Heilfastenvergleichen.

Die Kehrseite des Ganzen ist jedoch, dass regelmäßig aufgenommen relativ kleine Mengen von Nahrung ausreichen, um lange Zeit voll leistungsfähig zu bleiben.

Als Beispiel bringe ich gerne an, dass das Frühstück (rechnen wir eine Schale Müsli mit Vollmilch und ein Marmeladebrötchen, insgesamt also etwa 2100 kJ bzw. 500 kcal), wie gerne gesagt wird, nicht nur die wichtigste Mahlzeit ist, sie könnte von der Energiemenge für einige Wochen auch problemlos die einzige am Tag bleiben. Selbstverständlich liegt die hier aufgenommene Energiemenge unter dem ernährungsphysiologisch gesehenen Optimum, sie ist dennoch ausreichend um die Differenz, die durch den langsamen Fettabbau verursacht wird, auszugleichen. Dabei wird man Körpergewicht abbauen, aber sehr lange im optimalen Leistungszustand bleiben.

Diese Ernährungsweise hat für uns einige große Vorteile. Es ist in den ersten Tagen dieser Notfallernährung sinnvoll, nicht gezielt stundenlang auf Nahrungssuche zu gehen, sondern sich während des Sammelns von Bau- oder Feuermaterial »auf dem Weg« mit Nahrung zu versorgen. 

Wir sparen also viel Zeit und sind dennoch in der Lage, alle Tätigkeiten mit der notwendigen Energie und Motivation durchzuführen. Denn ein niedriger Energielevel führt nicht selten zu Lethargie und einem Gefühl der Sinnlosigkeit, was im Notfall fatale Folgen haben kann.

Wichtig ist dabei, dass Sie darauf achten, dass diese Minimalernährung möglichst ausgeglichen zusammengestellt wird. Also nie über längere Zeit nur Speicherwurzeln oder Grünpflanzen, sondern nach Möglichkeit immer eine Mischung, die gleichzeitig möglichst viele Kohlenhydrate und Öl, viel Grünpflanzen und geringe Mengen Fleisch enthält.

Die Zusammensetzung Ihrer täglichen Nahrung kann zum Beispiel bei einer Menge von 700–900 Gramm so aussehen: gut die Hälfte aus grünen Pflanzenteilen, etwa als Salat oder Spinat gekocht, und eine Hälfte aus energiereichen Bereichen wie Wurzeln, Rhizomknollen oder Samen.

Dazu als Beilage ein kleines »Topping« aus tierischen Bestandteilen wie Insekten oder Weichtiere sowie Nüsse und Früchte.


Dieser Beitrag ist die gekürzte Version des gleichnamigen Artikels aus dem Buch
Pflanzliche Notnahrung - Survivalwissen für Extremsituationen (19,95 Euro, Verlag Pietsch) von academicworld-Experte Johannes Vogel




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