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Karriereperspektiven

Emotionale Intelligenz im Job

Wer mit seinen Emotionen im Reinen ist, versteht auch andere Menschen besser. Das führt zu guter Beziehungsfähigkeit und die wiederum schafft Vertrauen – vor allem im Job sorgt das für höhere Wirksamkeit. Was emotional intelligente Menschen anderen voraushaben und ob man emotionale Intelligenz lernen kann, erklärt Martin Horack.

Seid ihr mit euren Emotinen wirklich im Reinen? Reflektiert euch dazu einmal kritisch. Bild: Barbara Eckholdt / pixelio.de
Seid ihr mit euren Emotinen wirklich im Reinen? Reflektiert euch dazu einmal kritisch. Bild: Barbara Eckholdt / pixelio.de

Emotionale Intelligenz meint den intelligenten Umgang mit Emotionen – sowohl mit den eigenen als auch mit denen unserer Mitmenschen – im Sinne von umsichtig, reflektiert, gelassen, konstruktiv und motivierend. Emotionen üben einen starken Einfluss auf unser Handeln, unsere Entscheidungen und unsere Reaktionen aus. Entwicklungsgeschichtlich betrachtet ist unser Gehirn aus drei Schichten entstanden: Unten liegt der Hirnstamm. Er steuert die grundlegenden Körperfunktionen. Darauf aufbauend wuchs das limbische System. In diesem Teil, der bei sämtlichen Säugetieren vorhanden ist, kommen die Aspekte des Lernens und des Gedächtnisses sowie die emotionalen Reaktionen ins Spiel: Flucht oder Kampf, Anziehung oder Abstoßung. Danach entstand das Großhirn mit seinen Möglichkeiten der Sprache, der Logik, des abstrakten Denkens. Bei Stress oder in Notfällen übernehmen oft die tieferen Schichten das Kommando. Denken und Fühlen in Einklang zu bringen wird dann unsere Aufgabe. Wenn wir es gelernt haben, mit den eigenen Emotionen und denen unserer Umwelt intelligent umzugehen, erhöhen sich unsere Chancen in Beziehungen, in sozialen Systemen, im Kontakt mit anderen und wir können wirksamer und erfolgreicher sein.

Emotional intelligente Personen sind in erster Linie mit sich selbst und den eigenen Gefühlen in Kontakt und im Reinen. Das heißt, sie spüren früher als andere, wenn diese ausgelöst oder aktiviert werden und sind in der Lage, innerlich Abstand von diesen Reaktionen zu nehmen, anstatt sofort impulsiv zu reagieren. Sie versuchen immer eine Antwort auf Situationen zu finden, die möglichst konstruktiv ist. Ganz wichtig ist also die Fähigkeit zur Impulskontrolle. Es darf nur keine Verdrängung sein, sondern ein sinnvolles Nutzen von Emotionen.

Um die Arbeit mit Menschen kommt man im Büro so gut wie nie herum. Der gute Umgang miteinander erfordert emotionale Intelligenz.
Um die Arbeit mit Menschen kommt man im Büro so gut wie nie herum. Der gute Umgang miteinander erfordert emotionale Intelligenz.

Nehmen wir einen sehr ehrgeizigen, jungen Programmierer, der von der Universität kommt und nach kurzer Zeit in eine Führungsposition aufsteigt. Vermuten wir weiter, dass er bisher nicht gelernt hat, mit Emotionen intelligent umzugehen. Das heißt, es gibt Momente, da wird er wütend, verliert die Fassung, wird vielleicht laut und sagt Dinge, die er später bereut. Dieser Mann hat zwar ein großes Fachwissen, ist aber nicht fähig, ein soziales System zielführend zu gestalten. Nach kurzer Zeit werden seine Mitarbeiter mit Widerstand, Ab-lehnung oder versteckter Sabotage reagieren. Möglicherweise weiß er sich nicht anders zu helfen, als noch arroganter, autoritärer oder unerbittlicher aufzutreten.

Emotional intelligent zu sein bedeutet, einen guten Kontakt zu eigenen Gefühlen, Werten und Zielen zu entwickeln. Denn unsere Basiswerte liegen unter unseren Emotionen und motivieren uns. Können wir sie umsetzen und mit Leben füllen, sind wir voller Freude und Begeis-terung. Werden sie eingeschränkt, reagieren wir mit Ärger oder Kampf. Emotionale Intelligenz benötigen wir hauptsächlich in Beziehungen – zu uns selbst aber auch zu unseren Mitmenschen. Gute Beziehungs-fähigkeit ist aber entscheidend, wenn Mitarbeiter hinter mir stehen sollen oder ich sie in einer schwierigen Arbeitsphase begleite. Normalerweise mündet sie in einer Vertrauensatmosphäre, in der sich der Andere entspannt, öffnet und kooperiert. Das Gegenstück wäre eine Misstrauensatmosphäre, in der beide Parteien auf der Hut sind, sich argwöhnisch beäugen und distanziert oder verschlossen agieren.

Das kann man trainieren. Im Grunde handelt es sich dabei um eine Persönlichkeitsentwicklung hin zu mehr innerer Reife, Souveränität und Gelassenheit. Hilfreich ist die kontinuierliche Reflexion über eigene Denk- und Verhaltensmuster, festgefahrene Haltungen und Beziehungsangebote, die wir der Welt unterbreiten. Dialog, Perspek-tivenwechsel, Feedback und Coaching sind Möglichkeiten, um sich selbst besser verstehen zu lernen. Mit Achtsamkeitsübungen und meditativen Techniken kann man die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung und die eigene Impulssteuerung trainieren. All das führt zur Entwicklung von emotionaler Intelligenz. Gelegenheiten, sich selbst besser kennenzulernen, wie zum Beispiel Freundschaften, Beziehungen oder auch Pilgerreisen, werden stets dazu beitragen, die eigene emotionale Intelligenz zu verbessern, ebenso wie Coaching und Seminare.


Autor: Martin Horack ist Geschäftsführer von der Schloss Blumenthal GmbH & Co. KG. Mehr Informationen unter www.emotionale-intelligenz.de 




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