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Film

Ein köstliches petit-déjeuner français

Die Geschichte um die vier Freunde Xavier, Wendy, Isabelle und Martine geht in die dritte Runde. Nach Barcelona, St. Petersburg und Paris verschlägt es sie diesmal alle in den Big Apple. Und wie soll es anders kommen? Auch da werden sie nicht von Turbulenzen und verwirrenden Liebesangelegenheiten verschont.

Ein köstliches petit-déjeuner français
Das Chaos nimmt seinen Lauf. © Studiocanal

Für den Autor Xavier (Romain Duris) verläuft das Leben alles andere als „normal stringent“ von A nach B. Nach seiner turbulenten Studienzeit und den Jahren danach, glaubt er zunächst angekommen zu sein. Doch tatsächlich landet er an einem Tiefpunkt in seinem Leben, als seine Lebenspartnerin Wendy (Kelly Reilly)  ihn wegen des wohlhabenden Amerikaners John verlässt, den sie auf einer Geschäftsreise kennen und lieben gelernt hat. Als sie mit den beiden gemeinsamen Kindern nach New York zieht, erkennt Xavier, dass sein Leben nichts wert ist ohne seine Familie. So beschließt auch er, seine Zelte in Paris abzubrechen und folgt Wendy in die „neue Welt“, um seinen Kindern weiterhin nahe sein zu können.

Mittlerweile wohnt dort auch Xaviers lesbische beste Freundin Isabelle (Cécile de France), die sich mit seinem Samen hat künstlich befruchten lassen, und nun mit ihrer Freundin Ju auf das Baby wartet. Bei den beiden landet Xavier dann auch erst einmal, bis er auf eigene Füße kommt. Denn im Big Apple, so stellt sich heraus, ist das Leben alles andere als einfach. Xavier muss nicht nur eine eigene Bleibe finden, sondern auch regeln, wie er über sein Touristenvisum hinaus in den Staaten bleiben kann. Dazu sitzt ihm sein Verleger aus Paris im Nacken, der bald etwas Verwendbares auf dem Schreibtisch sehen will. Und dann taucht auch noch seine Ex-Freundin Martine (Audrey Tautou) auf, die Xaviers Gefühlsleben erneut ordentlich aufwirbeln wird.

C’est la vie!

In Beziehungsweise New York begleiten die Zuschauer die vier charismatischen Figuren (Xavier, Martine, Isabelle und Wendy) - mittlerweile alle Anfang Vierzig - auf ihrer vorerst letzten Station. Nach L’Auberge Espagnole –  Barcelona für ein Jahr und L’Auberge Espagnole – Wiedersehen in St. Petersburg landen die drei Franzosen und die Engländerin nun in New York und erleben auch hier wieder Abenteuerliches. Diesmal allerdings sind die Ereignisse etwas anderer Natur: Die vier Freunde und Liebenden sind älter geworden, haben mittlerweile Kinder, neue Partner und berufliche Neuorientierungen hinter sich –  ernsthafte Erwachsenenprobleme eben. Und dazu kommen noch die Irrungen und Wirrungen der Liebes- und Beziehungswelt, die sie nur allzu gut kennen. 


Wegen der verworrenen Vergangenheit der Charaktere ist es einerseits zwar schwer, sich mit einem von ihnen so wirklich zu identifizieren. Andererseits sind sie einem – vielleicht sogar wegen ihrer Schwächen – doch alle sympathisch. „Regisseur zu sein und nicht einfach nur ‚Regie zu führen‘“: Das ist es, was der französische Kult-Regisseur Cédric Klapisch mit seinen Filmen versucht. Und es gelingt ihm sehr gut, denn er gibt seinen Figuren nicht einfach nur Gesichter und einen Raum, sondern begleitet sie in ihrer Entwicklung. Er lässt sie offene und ehrliche Gespräche führen, die nicht aufgesetzt oder gekünstelt wirken. Und er lässt sie auch Fehler machen, denn genau die machen sie lebensecht und menschlich. Kurz gesagt: Die Menschen in seinem Film haben eine Authentizität an sich, die man in vielen Hollywood-Filmen nicht findet.  


Klapisch bleibt seinem Stil auch im vorerst letzten Teil der L’Auberge-Reihe treu. Neben der eigentlichen, bereits wirren Handlung wird New York hier mit ganz anderen Augen gezeigt, als die große amerikanische Filmindustrie es jemals könnte. Der Regisseur führt dem Zuschauer –  unter anderem durch Xavier – vor Augen, wie alles in dieser Stadt versucht, es den Wolkenkratzern gleichzutun, die sich dem Himmel entgegen strecken. Doch anfangen muss man dafür ganz unten. Dabei schafft er es, durch die Kameraführung und den Schnitt den befremdlichen Wahnsinn einer so großen Metropole über die Leinwand hinaus zu projizieren.

Beziehungsweise New York

Ende gut, alles gut

Xavier macht sich – wohl nicht zuletzt durch sein Dasein als Autor – viele Gedanken ums Leben. Das Leben der Erwachsenen ist kompliziert. Das ist das, was Xavier versucht seinem Sohn zu vermitteln. Und doch kann er ihm die Situation problemlos erklären, sodass alles gar nicht mehr so furchtbar verzwickt erscheint. Im Gegenteil – es ist alles ziemlich klar und der Gesichtsausdruck des Jungen bestätigt das: Es sind immer die Erwachsenen, die die Dinge komplizierter sehen und machen, als sie sind. Und damit hat Beziehungsweise New York eine solche Leichtigkeit an sich, dass man nicht umhin kommt, am Ende breit zu grinsen und mit einem beschwingten Gefühl aus dem Kino zu gehen. 

Denn: Das Leben ist manchmal etwas schwierig, aber am Ende wird alles gut.

Julia Botov (academicworld.net)

Beziehungsweise New York

Regie: Cédric Klapisch
Darsteller: Romain Duris, Audrey Tautou, Cécile de France, Kelly Reilly

Im Vertrieb von Studiocanal ab 1. Mai 2014 in den deutschen Kinos




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