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Comic

Ein Comic als Filmuni-Abschlussarbeit

„Jakob“ ist das erste Comic-Projekt, das als Abschlussarbeit an der renommierten Filmakademie Baden-Württemberg. anerkannt wurde. Erzählt wird die Suche des kleinen Jakob nach seiner Mutter, die „auf eine lange Reise gegangen ist“, wie alle Erwachsenen ihm schonend berichten. Wir trafen die beiden "Väter" von Jakob, Benjamin Schreuder und Felix Mertikat.

Exklusiv für academicworld.net angefertigt: Comicfigur Jakob als Student.

Ein Comic als Abschlussarbeit an der Filmhochschule .... War das eine Sache, die viel Überzeugungsarbeit gekostet hat?
Ben: Eigeninitiative trifft es eher. Felix hatte in mehreren Dutzend Projekten schon seine Fähigkeiten als Illustrator, Character-/ Production Designer und Storyboarder bewiesen. Zudem hat er von Studienbeginn an deutlich gemacht, dass er nicht 3D-Modelle von Dinosauriern designen, sondern analog mit Stift und Farbe arbeiten will.

Wir waren sehr froh, dass wir mit dem Medium „Comic“ experimentieren durften, obwohl das eigentlich nicht dem Profil der Schule entspricht und man in Felix Studiengang normalerweise seinen Abschluss mit einem Animationsfilm macht.

Ich als Drehbuchautor habe das Projekt unabhängig von meinem Studienplan gemacht und musste daher auch niemand überzeugen – es spricht aber für die Filmakademie, dass sich für mich die Möglichkeit bot, so ein Herzensprojekt nebenbei zu machen.

Wie und wo seht ihr das Standing von Comics momentan?
Felix: Für „Jakob“ haben wir bislang überwiegend positive Reaktionen bekommen, allerdings hauptsächlich von Comicfreunden und eben vielen Bekannten und Verwandten, die sonst mit Comic nichts zu tun haben, aber durch uns darauf aufmerksam wurden.

In Letzterem zeigt sich, wieviele Menschen grundsätzlich an Bildererzählungen interessiert sind, aber aus irgend einem Grund von Comics nicht da abgeholt werden, wo sie sind – das betrifft auch sehr stark, die Zielgruppe Frauen. Dieser eher negative Ruf in der breiten Masse ist teilweise begründet, da natürlich vielen Comics eher an der Darstellung von Gewaltexzessen liegt, die Dialoge hauptsächlich aus markanten Onelinern bestehen und sie insgesamt oft inhaltlich und ästhetisch nicht die Möglichkeiten des Mediums ausreizen.

Ben: Wir erleben auch von Presseseite oft eine „abwartende“ Haltung dem Medium Comic gegenüber: Zeitungen und Radio zum Beispiel brauchen einen konkreten Anlass um über „Jakob“ zu berichten. Comicinteressierte Redakteure müssen auf einen Regionalbonus setzen oder können über „Jakob“ nur im Kontext von des Comic Salons Erlangen oder der anstehenden Filmauswertung berichten.

Im Gegensatz zu einem Kinofilm oder einem Roman muss hier immer erst eine Brücke geschlagen werden, damit die Berichterstattung „relevant“ ist. Auch wird oft in Artikeln herausgestellt, dass „Jakob“ kein gewöhnlicher Comic ist, was auch wieder zeigt, dass es einen Rechtfertigungszwang der Öffentlichkeit gegenüber gibt.

Wie seht ihr denn die Zukunft?
Ben: Ich denke, bei einem jüngeren Publikum sind die Vorbehalte Comic gegenüber geringer, bei Erwachsenen und der feuilletonistischen Hochkultur scheinen Comics oft noch mit Groschenheften, Wegwerfkultur und einem negativen Amerikabild verbunden zu sein. In jedem Fall gibt es aber auch sehr erfreuliche Beispiele: „Murder Mysteries“ von Neil Gaimann oder auch Steve Niles und Greg Ruths „Freaks of the Heartland“ und „Umbrella Academy“ von Gerard Way und Gabriel Ba.

Wir würden uns freuen, wenn durch das sich langsam verbreitende Label „Graphic Novel“ auch ein ernsthaftes Erwachsenes-Publikum auf die nonliniaren, als Kopfkino funktionierenden Geschichten aufmerksam wird, die bislang unter „Comic“ liefen.


Der Zeichner: Felix Mertikat wurde 1983 in Esslingen geboren. Nach einem kurzen Dasein als Biologie-Student absolvierte er die Filmakademie Baden Württemberg.

Der Szenarist: Benjamin Schreuder (1981 in Schongau geboren) ist Drehbuchstudent an der Filmakademie Ludwigsburg und liefert mit „Jakob“ sein Comic-Debüt ab.

Beide wurden auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Sondermannpreis als beste Newcomer ausgezeichnet.



Mehr zum Comic im Blog www.jakobsreise.wordpress.com







Benjamin Schreuder und Felix Mertikat. Jakob

16,80 Euro, Cross Cult

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