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Zeitgenössische Literatur

Drei Kontinente - eine Familie

Ein Familiengeheimnis, das von Großmutter "Granny Addie" sorgsam gewahrt wird - und dem Enkelin Clementine nun auf den Grund geht …

Clementine ist schockiert: Ihre geliebte Großmutter Addie erkennt sie offensichtlich nicht mehr und nennt sie "Bea"! Wer ist Bea? Clemmie hat diesen Namen noch nie vorher gehört. Doch nach dem ersten Schreck und einigen Nachforschungen erkennt Clemmie, dass Granny Addie weit weniger verwirrt ist, als zunächst gedacht. Bea, die Cousine von Addie, stand ihrer Großmutter einst sehr nahe - doch warum scheint niemand sie zu kennen oder gar über sie reden zu wollen? Clemmie will es wisssen: sie gibt keine Ruhe, bevor sie dem Geheimnis um Bea und den alten Landsitz ihrer Familie - Ashford Park - auf den Grund gekommen ist …

Der Hauptfigur immer einen Schritt voraus

Ein Geheimnis rankt sich um Granny Addie - das wird bereits im Prolog deutlich, der den Leser nach Kenia im Jahr 1926 führt. Zu gerne würde man nun mehr erfahren, doch zunächst begegnet man Addie 73 Jahre später im reifen Alter in New York wieder, lernt sie und ihre Familie kennen, darunter die Enkeltochter Clemmie, und wird dadurch natürlich immer neugieriger auf das, was wohl in der zeitlichen Lücke geschehen sein mag.

Genau dieser Frage geht auch Clemmie auf den Grund und so ist es kein Wunder, dass der Leser ihr und ihren Nachforschungen nur zu gerne folgt. Durch die Rückblenden, in die der Leser Einblick erhält und deren Geschehnisse er hautnah miterleben darf, entsteht der Eindruck, dass man Clemmie stets einen Schritt voraus ist und sie selbst wohl nie die GANZE Wahrheit erfahren wird …

Überraschende Wendungen, charakterstarke Figuren

Die Brücken, die die Autorin zwischen den drei verschiedenen Zeitabschnitten und Generationen schlägt, sind sehr leicht begehbar, das heißt man kann ihnen mühelos folgen und erhält so einen nahezu lückenlosen Einblick in die oft faszinierenden und immer wieder überraschenden Ereignisse. Die Personen mit ihren unterschiedlichen Charakteren wirken sehr lebendig und glaubhaft, sodass es leicht fällt, sich in sie hineinzuversetzen.

Besonders gelungen finde ich die geschickte Verbindung der Generationen und ihrer Geschichten: Während wir einerseits in Rückblenden gespannt verfolgen, wie sich Grandma Addie’s Schicksal erfüllt, wird der Leser andererseits im aktuellen Zeitgeschehen genauso durch Clemmie’s eigenen Lebenslauf gefesselt, ihren aufreibenden Beruf, ihre angestrebte Karriere und ihr Familien- und Liebesleben. Dadurch freut man sich auf jeden Zeitwechsel, denn man möchte am liebsten überall gleichzeitig sein.

Eine fesselnde Geschichte

Mich persönlich haben zum Beispiel die Ereignisse in Kenia in der Vergangenheit  besonders gefesselt. Die Schilderungen sind sehr bildhaft und man kann sich die Landschaft, die einheimische Bevölkerung und die teilweise recht überheblich wirkenden Einwanderer aus England sehr gut vorstellen genauso wie die damit verbundenen Konflikte. Dies stellt  jedoch die übrigen Geschehnisse in anderen Zeiten und an anderen Orten keineswegs in den Schatten - sie haben alle ihren eigenen, teilweise sogar mystisch anmutenden, Reiz und sorgen für ein unterhaltsames und kurzweiliges Lesevergnügen.

Insgesamt eine rundum gelungene Geschichte um ein berührendes Familiengeheimnis, das über drei Generationen und drei Kontinente verläuft und den Leser auf jeder dieser Ebene bestens unterhält. Lesen!


Birgit Theis (academicworld-Userin)


Lauren Willig. Ashford Park.
rowohlt. 19,95 Euro




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