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Film

Dr. Alemán

August Diehl verbringt als abenteuerlustiger Medizinstudent ein Jahr in Cali und bringt sein Leben und das seiner neuen Freunde in Gefahr

© ZORRO FILM

Medizinstudent Marc (August Diehl, 23) reist für sein praktisches Jahr nach Cali, eine der schönsten, aber auch eine der gefährlichsten Städte Kolumbiens. Bereits an seinem ersten Tag im Krankenhaus, wo der Student sehr schnell von der Theorie in die Praxis umschalten muss, wird er mit Verwundeten und Toten aus den im Ort wütenden Bandenkriegen konfrontiert.

Marc ist ein Romantiker auf der Flucht vor der drohenden Routine der Frankfurter Vorstadtpraxen. So wird die fremde Welt für ihn immer attraktiver, bis er schließlich in sie hineingezogen wird. Marc findet sich im Kreis Jugendlicher und der Kioskbesitzerin Wanda ein. Für ihn ist ihr Leben viel interessanter, viel lebenswerter als die langweilige Routine, die er von Zuhause gewohnt ist. Durch Wanda (Marleyda Soto) öffnen sich für ihn die Tore zu dem Slum Siloé. Dies ist der Ort wo all die Verletzten her stammen, die er ihm Krankenhaus behandeln muss, dort wo die Flammen der Bandenrivalitäten am heftigsten lodern.

© ZORRO FILM

Im Viertel wird Marc bald als der Arzt aus Deutschland - als Dr. Alemán - bekannt, der mehr und mehr die Verhaltensformen seiner Umgebung annimmt. Er trinkt, nimmt Drogen und fühlt sich in der Gesellschaft von Kleindealern, Söldnern und Mördern wohl. Dabei rutscht er immer tiefer in den Konflikt der verfeindeten Parteien hinein. Dies geht so weit, dass er überzeugt ist, allein El Juez (Victor Villegas), dem gefährlichsten Mörder des ganzen Viertels, entgegenzutreten. Zu spät erkennt er dabei, dass sein Stolz, seine Abenteuerlust und seine Gleichgültigkeit gegenüber seinem eigenen Leben  nicht nur ihn in Gefahr bringen, sondern gerade auch diejenigen, die er nun seine Freunde nennt. Und ganz besonders Wanda, in die sich der Student aus Deutschland verliebt hat. Als er schließlich seine Fehler erkennt und den Schaden den er angerichtet hat bemerkt, versucht er auf seine Weise all den Wirrungen, die durch seine Präsenz entstanden sind, entgegenzutreten. Mit katastrophalen Folgen.

Dr. Alemán ist ein ambitionierter Film, der nicht nur die Geschichte einer persönlichen Katastrophe - Marcs Liebe, die neuen Eindrücke, die er in Cali sammeln und verarbeiten muss - erzählen will. Zudem versuchte Regisseur Tom Schreiber einen politischen Film zu machen, in dem die Realität der Slums, die Lage in Kolumbien mit all ihrer Gewalt und Jugendkriminalität zum Thema werden und den Zuschauer sensibilisieren soll. Überdies soll der Film das Zusammentreffen zweier unterschiedlicher Kulturen und deren Spannungsverhältnis ausdrücken.

© ZORRO FILM

Und damit ist der Film eindeutig überladen. Zwar sind die Schauspieler nicht schlecht, doch ist die Handlung zu irreführend, verliert sich der Film auch zu sehr in Nebenhandlungen. Es wird nicht erklärt, warum Marc Gefahren derartig gleichgültig gegenübersteht. Die Gewalt unter den Jugendlichen in Siloé weicht dem Egotrip des Protagonisten. Auf die Gefühle, die Lebensumstände der anderen Personen, wird kaum eingegangen. Zusätzlich scheint sich der Protagonist noch in einem relativ rechtsleeren Raum zu bewegen, wobei es hier ebenfalls vermieden wird, die Gründe zu erklären. Der Film ist ganz gute Unterhaltung, wird aber den eigenen Ansprüchen - trotz teilweiser wirklich guter Ansätze - nicht gerecht. Der Schluss raubt dem Film schließlich alle Ambitionen.

Dr. Alemán

Regie: Tom Schreiber

Darsteller: August Diehl, Marleyda Soto, Andrés Parra, Hernán Méndez, Victor Villegas, David Steven Bravo

Kinostart: 14. August 2008

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