
- In Franziska Willes Blog...
Ein Dorf in Deutschland, kleine Kinder spielen auf der Straße. An dem Wartehäuschen hält ein Bus, Fahrgäste steigen aus. Die Kinder stoppen mit einem Mal ihr Spiel, starren, zeigen mit dem Finger auf zwei der Menschen. "Iiiiehhh", ruft das Mädchen. "Die sind ja dreckig." Ein Dorf in Deutschland, zwei Inder, das Jahr 2012.
Der Unternehmer, der mir diese Geschichte aus seinem "Dorf" erzählte, hat 40.000 Mitarbeiter. Und er sagte, dies zu ändern, sei die Aufgabe der nächsten Generation, er würde das nicht mehr schaffen.
Ist das, frage ich mich, unser Zuhause? Ist das das Land, das voraus-schaut, das weltoffen der Globalisierung entgegensieht und sie aktiv mitgestaltet? Das erkennt, wo heute die Chancen liegen und Prioritäten für morgen setzt? Das seine jungen Bürger mitnimmt, auf die Welt „da draußen“ vorbereitet?
Ja, Deutschland ist so ein Land. Das neue Aufenthaltsgesetz setzt die Gehaltsgrenze herab, ermöglicht leichtere Anstellung und auch Studenten können jetzt nach dem Examen längere Beschäftigungsverhältnisse eingehen. Die Deutsche Bank hat mit Co-Chef Anshu Jain vorgelegt, die Allianz mit Gary Bhojwani, Linde mit Sanjiv Lamba und Infineon mit Arunjai Mittal. Auch der Mittelstand wird internationaler. Die Freudenberg & Co. Kommanditgesellschaft übergibt die Unternehmensleitung an den gebürtigen Iraner Dr. Mohsen Sohi.

- ...kommt diesmal Michael René Weber, Kanzler der ISS International Business School of Service Management in Hamburg, zu Wort
Wie wollen wir international oder gar global tätig werden, wenn in unseren Vorständen und Führungsetagen nur Deutsche sitzen?
Der aktuelle Fachkräftemangel ist nur ein Grund für das Diversity-Thema. Die Internationalisierung bedeutet, zu akzeptieren, dass andere mitgestalten. Beispiel Airbus: Der Flugzeughersteller baut in den USA ein Werk, um dort den Markt ab 2015 besser zu bedienen. Dienen – Die Idee einer Servicekultur setzt sich durch, die Belange der Kunden rücken in den Mittelpunkt: Service First!
Dienstleistungen in Kundenlösungen erfordern ein umfassendes Verständnis des Anbieters gegenüber den Kulturen der Kunden – die Integration lokaler Arbeitnehmer bindet die Kultur automatisch mit ein. Denken wir nur an Mettbrötchen mit Zwiebeln, Rotwein mit Weißbrot, Käse mit Marmelade oder Indisches Omelett mit Curry. Alles ist erlaubt.
Diese komplexer werdende Welt wird auch transparenter, und alles verzahnt sich untereinander, klare Linien verschwimmen. Heute erwirbt niemand mehr ein Produkt ohne den dazugehörigen Service. Das eigene Auto wird unwichtig, Car-Sharing ist die Zukunft. Dafür wird das ipad zum Statussymbol – wer hat welche App? Navigationssystem, Babyphone, Bordkarte, digitale Steuerung der Lichtanlage zu Haus. Auch wer einen Gabelstapler benötigt, kauft nicht mehr, sondern mietet und bucht den Fahrer gleich mit. „Pay per use“ ist das Stichwort. Neue Geschäftsmodelle setzen sich durch.
Vor dem Hintergrund, dass Unternehmen mit Dienstleistung wachsen – schon 35 Prozent der Industrie-Unternehmen (!) sehen Dienstleistung als ihre Kernkompetenz – kommt es darauf an, die Gewohnheiten des Kunden zu kennen. Er will „das Beste“ für sein Geld bekommen. Das bedeutet: die Leistung muss das gewünschte Ergebnis bringen, ein Erlebnis zu schaffen, ist dann noch die Kür. Doch die wird in Wahrheit auch erwartet.
Diversity, neue Kundenanforderungen und optimales Dienstleistungsmanagement – all das fordert die Bereitschaft, sich persönlich permanent weiter zu entwickeln. Die Technik bewegt sich täglich. Besonders Deutschland steht für ein Land der Entwickler, wir haben die Lösungen! Solange wir bei den Kunden bleiben und uns an deren Bedarf orientieren, weltweit unterstützen, fördern und Ideen entwickeln.
An der ISS kooperieren wir jetzt mit zwei indischen Hochschulen und integrieren so indische Bachelor-Absolventen im Rahmen von Trainee-Programmen parallel zum Studium in international tätige deutsche Unternehmen. Damit wird Verständnis geschaffen, und das auf beiden Seiten, um ein Miteinander zu kultivieren. Es wird Zeit, dass wir uns auf ein Volk von 1,3 Milliarden einstellen und nicht erwarten, dass sie sich an 80 Millionen orientieren.
Weiterbildung, Fortbildung, Qualifikation - heute hat keiner ausgelernt. Experten von heute lehren die Experten von morgen, Länder tauschen sich aus, international anerkannte Bildungssysteme sind gefragt. Die Welt wird zum Fluss der Informationen, verschiedene Branchen greifen ineinander und das Querschnittsmodul „Dienstleistung“ wird zum Ausgangspunkt der Zukunft.
Hamburg gliedert seine Kernkompetenzen in Cluster auf und fördert diese: Luftfahrt, Logistik, Medien und IT, Life Sciences, Erneuerbare Energien, Maritime Wirtschaft, Kreativwirtschaft, Gesundheitswirtschaft.
Lassen Sie uns aktiv mehr Internationalität in die einzelnen Cluster bringen, um als Tor zur Welt Diversity zu bilden! Und lassen Sie uns nicht erst in den Hochschulen damit anfangen, nehmen wir schon unsere Kinder mit in diese große Welt. Voller Ideen, Inspiration und Chancen – jetzt, nicht erst in der nächsten Generation!
Michael René Weber,
Kanzler der ISS International Business School of Service Management in Hamburg
Initiiert von der academicworld-Bildungsexpertin Franziska Wille


























