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Historische Romane

Dienstbotenromantik

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Stolz und Vorurteil. Für viele ist es wohl die romantischste Literatur überhaupt. Einen reizvollen Blick hinter die Kulissen wirft die Autorin Jo Baker und konzentriert sich auf das Schicksal eines Dienstmädchens.

Im Viktorianischen England ist es gar nicht so prickelnd, nur Töchter zu haben. Die müssen schließlich verheiratet werden, fordern ordentlich Mitgift und sind im Unterhalt auch nicht ganz günstig. Mr. Bennet aber trägt sein Los mit Vergnügen und Fassung. Mrs. Benett sieht sich da deutlich stärker unter Druck gesetzt. Die Mädchen unterdessen langweilen oder zanken sich, kichern wie die Hühner und bisweilen richten sie genau so ein Chaos an.

Wer das alles aufräumt? Sarah, eines der Dienstmädchen. Böden schrubben, strapaziöses Wäsche waschen per Hand und mit grausamer Lauge, flicken, putzen – gar nicht so glamourös. Wie jedes andere junge Mädchen will aber auch sie mehr von ihrem Leben. Entgegen vieler anderer lässt sie sich diese Träume auch nicht nehmen: Ihr Hunger auf die Welt ist ungebrochen. Ihr eintöniger Alltag wird um eine Nuance Abenteuer erweitert, als ein Neuer von der Familie Bennet angestellt wird. Sein Name ist James, er scheint recht mager zu sein und Notiz nimmt er so gar nicht von ihr. Sarah aber hat das vermeintlich dunkle Geheimnis um ihn schon gewittert und nimmt die Fährte auf. Klitzekleines Problem: Er ist nicht der einzige, der in diesem Haushalt etwas zu verbergen hat.  

Wer Jane Austen mag, kann diesem Buch quasi gar nicht widerstehen. Genau diese Erzählung wird von einer völlig anderen Seite neu beleuchtet. Ein bisschen geht das rosarote Geschenkband von Jane Austen verloren, aber das ist geradezu wohltuend. Jo Baker findet sich in den kleinen Austen-Mikrokosmos perfekt ein, ohne sie einfach zu kopieren. Sie ergänzt die Welt aus Stolz und Vorurteil und irgendwie macht sie trotzdem ihr eigenes Ding. 

Insgesamt besteht das Buch aus drei Teilen. In den ersten beiden erleben wir fast alles aus Sarahs Sicht. Im dritten machen wir einen Sprung und landen in James Vergangenheit. Das ist anfangs eine kleine Herausforderung, aber mit jeder Seite wird klarer, worauf die Autorin hinaus möchte. Stück für Stück schälen sich die Wahrheiten aus dem Dickicht der Vermutungen … Das macht einen großen Teil des Lesevergnügens aus. Es muss nicht immer ein mega packender Thriller sein, der sich selbst mit Spannungshöhepunkten übertrumpfen will. „Im Hause Longbourn“ ist eine unterhaltsam geschriebene Geschichte, die sich wie ein Fluss durch die Welt windet – manchmal ruhig, manchmal mit viel Sog und auch die eine oder andere überraschende Kurve wird der Fluss nehmen. Die bildhaften Beschreibungen tragen außerdem dazu bei. Wer Austen liebt, wird Baker mögen. Wer Austen mag, wird Baker gerade wegen ihres Realitätssinns das ein oder andere Schmunzeln abgewinnen. Sehr schön umgesetzt!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Jo Baker. Im Hause Longbourne.
Knaus Verlag. 19,99 Euro.




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