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Karriereplanung

Die Zukunft des Controllers - Der Steuermann im Unternehmen

Wie gelingt es, ein Unternehmen in die richtige Richtung zu lenken? Und wie können die vorgegebenen Ziele erreicht werden? Das sind die Hauptaufgaben eines Controllers. Warum seine Arbeit der eines Steuermanns gleicht, erklärt Prof. Gunther Friedl, Inhaber des Lehrstuhls für Controlling an der Technischen Universität München.

Der Controller fungiert als Navigator eines Unternehmens. © sokaeiko / pixelio.de

Oft werde ich nach der Aufgabe des Controllers im Unternehmen gefragt. Ein sehr passendes Bild scheint mir das des Steuermannes zu sein. Während der CEO und der Gesamtvorstand die Richtung und das Unternehmensziel vorgeben, ist der Controller mit der Navigation betraut. Er beschafft alle Informationen, die für die Zielerreichung notwendig sind und verteilt sie an entscheidungsrelevante Unternehmensbereiche. Er stellt sicher, dass das Unternehmen nicht vom vorgegebenen Kurs abkommt.

Wegen dieser zentralen Position sind Unternehmen heute mehr denn je auf ein funktionsfähiges Controlling angewiesen. Es hat die Schlüsselfunktion für die Unternehmenskoordination inne und unterstützt die operative und strategische Planung durch das Bereitstellen von finanziellen und nichtfinanziellen Informationen. Es schafft Transparenz in allen Unternehmensbereichen, damit Fehlentwicklungen erkannt und ihnen frühzeitig entgegengesteuert werden kann. Dabei hat sich die Rolle des Controllers erheblich gewandelt. Kontrollaufgaben sind stark in den Hintergrund getreten. Vielmehr ist der Controller zu dem Knotenpunkt des Informationsflusses im Unternehmen gewachsen. Er verarbeitet die Information, navigiert das Unternehmen durch unsicheres Terrain und ist jederzeit in der Lage, auf Hindernisse zu reagieren.

Die Aufgabengebiete eines Controllers sind dabei sehr vielfältig. Sie begleiten in Unternehmen den Budgetierungsprozess, entwickeln Kennzahlen zur Messung des Unternehmenserfolgs und bereiten diese für die unternehmensinterne und -externe Berichterstattung auf. Sie analysieren regelmäßig Umsätze und Kosten, um Verbesserungs- und Anpassungspotenziale zu identifizieren. Bei wichtigen strategischen Entscheidungen, wie dem Eintritt in neue Märkte, sind Controller regelmäßig an Bord, um Analysewerkzeuge und Entscheidungsmodelle bereitzustellen.

Aktuelle Herausforderungen für das Controlling sind die zunehmende Schwankungsanfälligkeit der Beschaffungs- und Absatzmärkte sowie die wachsende Regulierung durch den Gesetzgeber und andere Organisationen. Zukünftig dürften folgende Themen für alle Unternehmen stark an Bedeutung zunehmen, so dass sich Controller damit intensiv beschäftigen müssen:

Flexibilisierung der Unternehmensplanung

Unternehmen müssen bei ihrer Planung in allen Bereichen künftig stärker auf Flexibilität setzen. Dazu gehören das Durchspielen verschiedener Szenarien, ein flexiblerer Umgang mit dem Detaillierungsgrad und dem Umfang der Planung sowie eine raschere Anpassung der Planung an aktuelle Entwicklungen. So müssen Unternehmen beispielsweise das Risiko des Wegbrechens ganzer Märkte frühzeitig in ihren Planungen antizipieren.

Nachhaltigkeit der Anreizsysteme

Unternehmen werden künftig noch stärker auf die Auswahl der richtigen Größen zur Performancemessung achten und das Verhältnis von monetären zu nichtmonetären Performancegrößen neu austarieren. Die Bedeutung von Performancegrößen wird zunehmen, die Auskunft über die Nachhaltigkeit von Entwicklungen geben. Dies hat insbesondere Bedeutung für die Gestaltung der Vergütungssysteme.

Corporate Governance und Compliance

Das Controlling wird künftig noch stärker durch Regelungen beeinflusst, die im Bereich Corporate Governance und Compliance ihre Wirkung entfalten. Haftungsfragen werden für das Top-Management immer wichtiger. Damit steigen die Anforderungen an das Controlling, auch in diesem Bereich Informationen bereit zu stellen. Das erfordert aber, dass das Controlling die entsprechenden Regelungen kennt.

Diese neuen Themenfelder beeinflussen auch die Lehre in diesem Fachgebiet. Studierende, die sich auf das Fach Controlling spezialisieren, müssen neben einem ausgeprägten Zahlenverständnis und fundiertem finanzwirtschaftlichem Fachwissen inzwischen immer stärker auch Rechtskenntnisse in den Bereichen Corporate Governance und Compliance aufweisen. Darüber hinaus ist ein tiefes Verständnis über das Geschäftsmodell und die Industrie notwendig.

Da selbst kleinere mittelständische Unternehmen oft ein erhebliches Auslandsgeschäft haben, ist internationale Erfahrung für Controller zu einem absoluten Muss geworden. Die Steuerung ausländischer Vertriebstöchter erfordert neben einer genauen Kenntnis des ausländischen Marktes auch das Verständnis von kulturellen Unterschieden. Umfangreiche kommunikative Fähigkeiten sind notwendig, um an der Informationsschnittstelle zu ausländischen Tochtergesellschaften zu arbeiten. Die Sprache der Zahlen muss so übersetzt werden, dass jeder Mitarbeiter im Unternehmen daraus die richtigen Schlüsse ziehen kann. Erfolgreich werden die Controller sein, die nicht nur selbst die richtigen Schlüsse aus den vorliegenden betriebswirtschaftlichen Informationen ziehen, sondern diese Schlüsse auch anderen Entscheidungsträgern überzeugend vermitteln können.

Den klassischen Karriereweg in das Controlling gibt es nicht. Ein betriebswirtschaftlicher Studienabschluss mit einer Vertiefung in Finanz- und Rechnungswesen oder Controlling ist häufig ein guter Ausgangspunkt. Viele, insbesondere größere, Unternehmen bieten für solche Hochschulabsolventen Einstiegspositionen im Controlling an. Vielfach ist aber auch eine vorhergehende Tätigkeit in einem Beratungsunternehmen Ausgangspunkt für eine Karriere im Controlling. Denn dort lernt man den souveränen Umgang mit Zahlen und eignet sich darüber hinaus fundiertes Branchenwissen an.

Die Perspektiven für Controller innerhalb und außerhalb des Unternehmens sind attraktiv. Die Leiter der Controlling-Abteilungen sind häufig Kandidaten für die Position des CFOs, also des Finanzchefs. Und wer sich als Finanzchef bewährt, schafft es oft auch ganz nach oben. Insbesondere die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass verstärkt der CFO zum CEO befördert wird - wie kürzlich etwa bei der Deutschen Telekom oder bei Siemens.

Solche Karrieren stellen natürlich hohe Anforderungen an die Persönlichkeit. Neben einer hohen Belastbarkeit müssen Controller über eine ausgeprägte soziale Kompetenz verfügen und durchsetzungsstark sein. Ausgestattet mit diesen Eigenschaften stehen ihnen viele Türen für eine attraktive und erfüllende Karriere offen.



Prof. Gunther Friedl ist seit 2007 Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre - Controlling. Er forscht auf den Gebieten der Unternehmensrechnung und des Controlling. Schwerpunkte sind neben der Analyse und Gestaltung von Anreiz- und Vergütungssystemen in Unternehmen, Fragen der wertorientierten Unternehmenssteuerung, der Corporate Governance und der Unternehmensbewertung.




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