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Film

Die Welt als Wille zur Wahrnehmung

Wissenschaftler schätzen, daß auf unserem Planeten zwischen 10 und 100 Millionen Arten existieren. Der Mensch ist nur eine darunter, freilich die einzige, die solch mannigfaches Leben abbilden kann. Mit optischer Verve und spekulativen Kommentaren führt dies die BBC-Naturdokumentation "Unser Leben" vor, ab 15.3. im Kino.

"Unser Leben" ab 15.3 im Kino

Kaleidoskop der biologischen Vielfalt

5 Milliarden Jahre hatte das Leben auf der Erde Zeit, sich zu seiner heutigen biologischen Vielfalt zu entwickeln. Diese beeindruckt nicht allein mit Reichtum an Arten und Lebensräumen oder genetischer Variabilität, sondern ebenfalls durch höchst kreative (Über-)Lebensstrategien mancherlei Spezies. So tragen tropische Erdbeerfröschchen ihre Kaulquappen auf Bromelien, um sie in den mit Tau gefüllten Pflanzenachseln geschützt aufwachsen zu lassen, haben Kapuzineraffen in Boa Vista, Brasilien, gelernt, Palmnüsse mit Steinen zu knacken oder können Kieselkröten aus Venezuela aufgrund gezielter Rollmethode ihren hungrigen Feinden entkommen.

Diese Formen der Existenzerhaltung eignen sich vorzüglich zum Abfilmen, sind sie doch visuell reizvoll und zudem derart überraschend originell, dass sie selbst zoologisch eher Desinteressierte verblüffen. Angesichts der gegenwärtigen Schwemme an TV-Documentary Reports muß sich das Kino für den wachsenden Weltmarkt an Naturdokumentationen schließlich abheben, am besten mit noch beeindruckenderen, noch brillanteren Aufnahmen. Dementsprechend wurden für den rund eineinhalbstündigen Film "Unser Leben" die aufsehenerregendsten Momente aus der 10-teiligen BBC-Fernsehserie "Life - Das Wunder Leben" extrahiert und zu einem spektakulären Kaleidoskop zusammengeschnitten.


Identifikation mit allem Lebendigen


"Bigger than Life" gilt keineswegs nur für das fiktionale Kino, sondern hat dank High-End-Technik längst auch Einzug in die Naturdokumentation gehalten. Die insgesamt 35 Kameramänner von "Unser Leben" haben das wörtlich genommen und die weite (Tier-)Welt in exzellenten Nahaufnahmen eingefangen. Das generiert einen paradoxen Doppeleffekt. Close-ups, in denen das Fell eines Silberrücken-Gorillas erzittert, oder die Echsenhaut eines Komodowarans schuppigen Charakter offenbart, geben den Tieren jene exotische Distanz zurück, die ihnen aufgrund medialer Vielfachpräsenz längst verloren schien. Andererseits stellt der tiefe Kamerablick in die Augen eines japanischen Schneeaffens empathische Nähe beim Zuschauer her. Und die ist gewollt, denn "Unser Leben" hat pädagogische Ambitionen, will nichts weniger als im Sinne ökologischer Besinnung ein Gefühl von Identifikation mit allem Lebendigen erzeugen.

Dabei beweist eine zunehmende weltweite Umweltzerstörung, dass diese naive 'one being, one planet'-Ideologie (der englische Filmtitel lautet nicht von ungefähr "One Life") beim Durchschnittsmenschen keinerlei Verhaltensmodifikation bewirkt. Gleichwohl bauen Martha Holmes und Michael Gunton, verantwortlich für Drehbuch sowie Regie, darauf, reichern jene noch mit bürgerlich-familienidealistischen Kulturdominanten an. Da säugt keine durchschnittliche Weddellrobbe ihr Frischgeborenes in der Antarktis, da schwimmt keine gewöhnliche Buckelwal-Dame mit ihrem Jungen im Südpazifik herum - stattdessen sind dort draußen offenbar überall 'devoted mothers' unterwegs. So läßt es uns jedenfalls die Voice-over wissen, in der Originalversion sehr gemessen und mit angenehm dunklem Timbre von Daniel Craig gesprochen.

Visuelle Schönheit ohne intellektuelle Vertiefung

"Unser Leben" feiert die Biodiversität und kann doch nicht von simplifizierender Anthropomorphisierung lassen, stellt dem optischen Höchstanspruch keine analytische Schärfe zur Seite. Eckpfeiler des Lebens wie Geburt, Aufzucht, Nahrungsbeschaffung, Fortpflanzung dienen als Grundmotiv zur Naturbeobachtung. Während zum Teil monatelanger Drehexpeditionen sind so unglaublich phantastische HD-Bilder entstanden, deren Präsenz in ihrem Detailreichtum betört, deren Dynamik mitreißt, deren Vitalität begeistert. Einmalig, wie schon junge Steingeißlein im Naturschutzgebiet Ein Gedi, Israel, mit gewagten Sprüngen in der Steilwand einen wendigen Fuchs austricksen können oder wie sich Darwin-Hirschkäfer zur Paarungszeit in eindrucksvolle Rivalenkämpfe verstricken. Da bräuchte es keine wohlgesinnten Kommentare, die das Geschehen in menschlich faßbare Erfahrungsnähe rücken.

Die latent manipulative Dramaturgie von "Unser Leben" gibt sich schon auf rein akustischer Ebene zu erkennen, im präzis-expliziten, keineswegs rein 'natürlichen' Sounddesign und dem von George Fenton komponierten Score, welcher sich an gängigen Feind- (etwa Tarantel) und Freundesbildern orientiert. Wenn drei Geparden zusammen einen Strauß reißen, übrigens eine bravouröse Gemeinschaftsleistung, wankt die Musik ins Schwermütige; sie jauchzt hingegen heiter, wenn Delphine als ozeanische Sympathieträger vor der Küste Floridas Matschkreise aufwirbeln, auf dass ihnen die Fische nur so ins Maul springen.

Staunenswerte Natur

Diametral zur Emotionalisierung steht das künstlerische Grundkonzept von "Unser Leben". Die hier präsentierte Natur ist eine hochästhetische, zudem hochästhetisierte Welt des perfekten Einklangs, aus der der Mensch komplett ausgeschlossen scheint. Es soll selbst vergessen gemacht werden, dass solche sensationellen Bilder wiederum nur mit Hilfe von Technik zustandekommen, dass die Idee von Unberührtheit allein schon an der beobachtenden Teilnahme des Filmteams scheitert, dass Authentizität durch den Willen zur Perzeption manipuliert wird. Demzufolge führen die 23 Episoden über Fauna und Flora von fast allen Kontinenten und Weltmeeren nicht Leben an sich vor, sondern ein "Best of Nature", ein Panorama des gezielten Staunens.

Und das hat seine ganz eigene Qualität. Jenseits von kalkulierter 'We are familiy'-Didaktik entwickelt die Dokumentation allein aus ihrer Visualität eine Kraft, die kaum weniger fasziniert, bloß weil sie eine inszenierte ist. Auch selektierter Lebensraum darf bewundert werden, auch arrangierte Landschaft bleibt schützenswert, vermitteln sie doch ebenfalls Respekt gegenüber der Natur. Nur sollte das Wunder der Wahrnehmung nicht mit Wahrheit verwechselt werden. Die liegt ohnehin stets im Auge des Betrachters. Selbst in dem eines Riesenkrakens.

 

Unser Leben

Regie: Michael Gunton, Martha Holmes
Kinostart: 15. März 2012

Im Verleih von Paramount Home Entertainment

von Nathalie Mispagel, Kinoexpertin auf academicworld.net

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