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Die Vergangenheit ruht nicht …

“Greetings to the Devil” liefert kolumbianisches Actionkino ohne Happy End. Regisseur Juan Felipe Orozco beschäftigt sich in dem Film mit den Auswirkungen des kolumbianischen Gesetzes für Frieden und Gerechtigkeit aus dem Jahr 2005, das statt der Lösung der Probleme viele neue hervorgerufen hat. Ab dem 24.02.2012 ist der dunkle Actionthriller auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich.

Amnestie - Lösung aller Probleme?

Ángel (Édgar Ramirez), früher Diablo genannt, ist ein ehemaliger Guerillakämpfer, der infolge des Erlasses des Gesetzes für Frieden und Gerechtigkeit, wie viele seiner ehemaligen Mitstreiter, die Waffen niedergelegt hat und nun versucht ein normales Leben fernab der Gewalt zu führen. Dies gelingt ihm allerding mehr schlecht als recht. Das einzige, was seinem Leben tatsächlich einen Inhalt gibt, ist seine Tochter. Als diese jedoch entführt wird, ist er gezwungen wieder zu den Waffen zu greifen.

Perfider Racheplan    

Der wohlhabende Leder (Ricardo Vélez) hat gemeinsam mit seiner Schwester Helena (Carolina Gómez) Ángels Tochter von ihrer Privatarmee verschleppen lassen, da ihn Ángel und seine ehemalige Truppe vor geraumer Zeit in ihre Gewalt gebracht, 1230 Tage in ein Erdloch gesteckt und dessen Vater vor seinen Augen hingerichtet hatten. Seit dieser Zeit ist Leder an den Rollstuhl gefesselt und kennt nur ein Ziel ? Rache.

Da die Guerillakämpfer aufgrund der Amnestie überwiegend nicht zur Verantwortung gezogen wurden, hat Leder gemeinsam mit seiner Schwester beschlossen, selbst Gerechtigkeit zu üben. Sie zwingen Ángel seine ehemalige Einheit innerhalb von 72 Stunden aufzuspüren und zu exekutieren oder seine Tochter stirbt. Ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit und gegen scheinbar übermächtige Gegner beginnt.  

Drastische Bilder

Juan Felipe Orozco ist mit "Greetings to the Devil" ein eindrucksvoller Film gelungen, der einen verstörten Zuschauer zurücklässt. Schnelle Schnitte, dunkle Farben und harte Bilder beschönigen nichts, wirken dabei aber in Anbetracht der kolumbianischen Realität auch nur zum Teil überzeichnet. Die expliziten Gewaltdarstellungen stören daher auch nicht. Sie dienen hier vielmehr als Stilmittel, das einen Eindruck hinterlässt. Man fühlt sich nicht wirklich gut, wenn man diesen Film gesehen hat. Orozco stellt eindrucksvoll dar, was eine schlimme Erfahrung, wie sie Leder in Gefangenschaft machen musste, aus einem Menschen machen kann. Völlig gefühlsarm fristet dieser als menschliche Hülle ein Dasein, das lediglich vom Wunsch nach Rache oder Vergeltung aufrechterhalten wird.   

Untypische Protagonisten

Auffällig ist, dass sich Orozco völlig von den typischen Heldenfiguren distanziert. Keiner der Hauptfiguren dient als Held. Zu ambivalent sind die Figuren und dazu ziemlich unsympathisch. Selbst Ángel, der von Édgar Ramirez, der sich bereit mit seinen Rollen als Che Guevara und Carlos einen Namen gemacht hat, sehr eindrucksvoll verkörpert wird, ist alles andere als ein Sympathieträger. Vielmehr wird immer offensichtlicher, wie abgestumpft die Beteiligten durch die Jahre kriegerischer Auseinandersetzungen geworden sind. Anders ist es nicht zu erklären, wie Ángel beinahe ungerührt, seine ehemaligen Kameraden exekutiert.



Geschichte wird lebendig

Orozco greift in dem Film ein Thema auf, dass in Kolumbien weiterhin aktuell und hoch brisant ist. Viele Bürger können nur schwerlich nachvollziehen, warum Menschen, die jahrelang unbehelligt morden, entführen und vergewaltigen konnten, plötzlich ohne Strafe in das zivile Leben eingegliedert werden. Sehr deutlich wird der ganze Missstand in der Figur des Moris, der ehemals der Kommandant von Ángel war und jetzt als Polizeichef weiterhin mit Methoden jenseits der Gesetze arbeitet.


Fazit: „Greetings to the Devil“ ist ein ungewöhnlicher Film, der durch seine drastischen Bilder dazu geeignet ist Menschen zu berühren. Der Film dient gleichzeitig als Porträt einer Gesellschaft, die sich nachwievor im Wandel befindet und in der verzweifelt nach Lösungen gesucht wird, um die Vergangenheit zu bewältigen. Liebhabern von Filmen mit Happy End ist der Film allerdings eher nicht zu empfehlen.

Thomas Hepp (academicworld.net)



Greetings to the Devil


Regie: Juan Felipe Orozco

Drehbuch: Carlos Esteban Orozco

Darsteller: Édgar Ramírez, Ricardo Vélez, Carolina Gómez, Salvador del Solar, Patrick Delmas, María Luna Beltrán, Arnold Cantillo, Albi De Abreu, Laura Perico, Santiago Quintero





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