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PsychoCiety

Die große Liebe und der Liebe Gott

Warum gibt es in der Liebe überhaupt so viele Probleme und Verletzungen? Das ist mit Sicherheit die häufigste Frage, die mir als Psychologin gestellt wird.

Foto: Privat
Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin.

Die Antwort darauf lautet: Die Liebe ist keine Himmelsmacht. Sie ist lediglich der soziale Kitt, der dafür sorgt, dass wir Menschen mit anderen zusammen leben, damit wir überleben und Nachkommen großziehen. Denn wir sind Gruppenwesen und brauchen die anderen zum Überleben für uns und unseren Nachwuchs. Und deshalb hat die Evolution ein paar Gefühlshormone erfunden, die uns aneinander schweißen. So ist gerade in der Liebe der eigene Vorteil grundsätzlich.

 

Doch wir Menschen hätten gerne einen höheren Sinn in unserem Leben und da der liebe Gott als Sinnstifter in unserer westlichen Welt schon länger in Frage gestellt ist, suchen wir den Sinn unseres Daseins in einem Gefühl (der großen Liebe), das von der Evolution völlig banal als ein paar Hormonmoleküle in unseren Hirnen angelegt ist. Sehr unromantisch. Sehr real.

 

Natürlich gibt es eine zweite Ebene. Denn warum verlieben wir uns nicht in jeden x-beliebigen Menschen, sondern in den/die eine? Das hat viel mit den sozialen Prägungen aus unserer Kindheit zu tun, denn unser Liebesgefühl wird durch die Erfahrungen mit unseren Eltern geformt, wie mit einem Waffeleisen: Gefühlshormone rein – Lochmuster raus. Und wenn auf dieses Liebes-Lochmuster mehr oder weniger das Lochmuster des anderen passt, dann verlieben wir uns. Schon wieder sehr unromantisch und real.

 

Bleibt natürlich die Frage, warum wir Menschen uns so schwer tun mit der unromantischen Realität. Warum können wir nicht akzeptieren, dass wir nicht so besonders und spirituell erhaben sind, sondern nur komplexe Molekülsysteme, die sich in Jahrmillionen bis hin zum organischen Menschenhirn als immerhin komplexeste Organisation von Molekülen entwickelt haben (warum auch immer)?!

 

Die Liebe als sozialer Kitt und die narzisstische Selbsterhöhung (das magische Denken gegenüber uns selbst und der Welt, in der wir leben) sind zwei Strategien, die eigentlich beide auf das gleiche Ziel ausgerichtet sind: Motivation zum Lebenserhalt. Wir brauchen sie, um in dieser feindlichen Welt aus wilden Tieren und Finanzkrise noch genug Kraft und Hoffnung aufzubringen, um weiter zu machen.

Katharina Ohana moderiert als Psychologin und Philosophin für verschiedene Fernsehsendungen. Ihr neues Buch "Gestatten: Ich - Die Entdeckung des Selbstbewusstseins" ist beim Gütersloher Verlagshaus erschienen und erklärt die Entstehung unserer Persönlichkeit und unserer Probleme - und wie wir sie loswerden können.

Mehr von ihr gibt es auf  KatharinaOhana.de


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