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Buch

Die gesammelten Peinlichkeiten - haben zu Glück irgendwann ein Ende

In den USA wurde "Die gesammelten Peinlichkeiten unserer Eltern in der Reihenfolge ihrer Erstaufführung" von Kevin Wilson als eines der aufregendsten Romandebüts des Jahres gefeiert. Ob der Autor damit auch den deutschen Geschmack trifft? Macht Euch selbst ein Bild davon.

Rezension
Buch-Rezension

Große Erwartungen

In der Erwartung eines schrillen, komischen Lesevergnügens nahm ich Kevin Wilsons „Die gesammelten Peinlichkeiten unserer Eltern in der Reihenfolge ihrer Erstaufführung“ zur Hand. Die Hauptfiguren sind (anders als bei den Happenings) Annie und Buster oder viel mehr „Kind A und Kind B“. Wilson erzählt im Wechsel Happenings aus der Kindheit der beiden, als sie mit ihren Künstlereltern ihr Umfeld schocken mussten und vom jetzt, in dem beide zwar deutlich älter sind,  aber immer noch hat man das Gefühl, dass sie von anderen Leuten fremdgesteuert werden.

Wenn sie bewusst dagegen rebellieren (egal ob mittels Alkohols oder mit/ohne Stoff) geht meist alles schief. Die eh schon schlechte Lebenssituation wird noch weiter verschlimmert. Vermeintlich kommt Bewegung in die Sache, als ihre Künstlereltern verschwinden - einfach so, weg. Die Polizei vermutet, sie könnten einem Serienkiller zum Opfer gefallen sein, doch Annie und Buster glauben an ein weiteres, spektakuläres Happening, inszeniert von ihren Eltern selbst. Sie machen sich auf die Suche, um ihre Theorie zu beweisen.

Vieles wiederholt sich

Anfangs ist dieser Erzählstil noch sehr unterhaltsam, doch im Verlaufe des Buches flacht dieser Eindruck ab, weil die Rückblenden irgendwie doch alle den gleichen Inhalt haben - die Eltern haben Spaß, die Kinder schämen sich, das Umfeld guckt irritiert. Die anfängliche Sympathie zu den Kindern, die jetzt Erwachsene sind und trotzdem leider immer noch nicht wissen, was sie tun, vergeht im Laufe des Buches. Zunächst möchte man ihnen eine Psychotherapie bezahlen, ihnen über den Kopf streicheln und sagen, dass bestimmt alles gut werden wird. Nach der Hälfte des Buches ist man allerdings sogar schon als Leser dermaßen angenervt von den Charakteren, dass man sich fast wünscht, dass sie an ihrem Drogenmissbrauch zu Grunde gehen und endlich mit dem Gejammer aufhören.

Kunst?

Andererseits ist es eine Kunst, Figuren zu erschaffen, die man gleichzeitig in den Abgrund stürzen möchte und gleichzeitig doch retten will - mal liest weiter, in der Hoffnung, dass sie sich doch endlich mal aufraffen werden und ihr Leben in den Griff bekommen! So schwer ist es doch dann auch nicht... Doch, ist es. Nach einem langatmigen Zwischenteil, in dem zu wenig passiert, kommen wir endlich zum Finale. Dieses geht aber in 15 Seiten ohne großes Feuerwerk über die Bühne. Da wünscht man sich schon fast zu den Happenings der Vergangenheit zurück...

Schlussendlich bleiben zwei armselige Figuren zurück und der Leser ist glücklich, dass Buch endlich aus der Hand legen zu dürfen. Man hat einen Funken Hoffnung, dass aus den beiden noch was werden kann - und ist gleichzeitig erleichtert, dass man ein eventuelles erneutes Scheitern aber nicht miterleben muss...

Die eigenen Eltern erstrahlen in einem neuen Licht

Ein Pluspunkt des Buches: Man freut sich über die eigenen, langweiligen Eltern und findet sie gar nicht mehr so peinlich, wie man das vor der Lektüre manchmal vielleicht empfunden hat. Mir waren die Figuren einfach zu hilflos und unbedarft, daran sollte sich kein Leser ein Vorbild nehmen. Erstaunlich, wie sich ein Roman um zwei so labile Charaktere ranken lässt, ohne wie ein Kartenhaus zusammen zu stürzen. Ich bevorzuge persönlich nicht die passive „Die anderen sind schuld“-Haltung, die in diesem Buch permanent vertreten wird. Und ja, es mag eine schrecklich peinliche Kindheit gewesen sein - aber ich kann doch nicht mein restliches Leben immer sagen „Ich kann nichts dafür, wie ich bin - meine Eltern sind schuld!“

Mein Fazit: Mehr Eigeninitiative und Selbstvertrauen, bitte!

Stefanie Janke (academicworld-Userin)

Kevin Wilson. Die gesammelten Peinlichkeiten unserer Eltern in der Reihenfolge ihrer Erstaufführung
14,99 Euro. Luchterhand Literaturverlag




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