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Beratung & Prüfung

Die Consultingbranche – ein Sektor mit Zukunft

Einstiegsgehälter bis zu 70.000 Euro, wechselnde Klienten und Einsatzorte, projektorientiertes Arbeiten – der Beruf des Unternehmensberaters lockt Top-Absolventen mit attraktiven Eigenschaften. Auch wenn viele der Vorstellungen Illusion bleiben und Berater längst nicht mehr als unfehlbar gelten, bietet der Sektor Berufseinsteigern spannende Herausforderungen. Welche das sind und was High Potentials sonst noch erwartet, erklärt der Experte Professor Georg Westermann von der Hochschule Harz.

Die Consulting-Karrierestufen

Wer sich für den Masterstudiengang "Business Consulting M.A." an der Hochschule Harz in Wernigerode bewirbt, unterzieht sich einem für staatliche Hochschulen ungewohnten Procedere. Zunächst überzeugen erfolgreiche Bewerber die Zulassungskommission schriftlich davon, die Grundvoraussetzungen für diesen Studiengang zu erfüllen. Hierzu zählt vor allem das überdurchschnittlich abgeschlossene Erststudium sowie ein prägnantes und kreatives Motivationsschreiben.

Ist diese Hürde geschafft, folgt ein persönliches Beratungsgespräch mit einem der Consulting Professoren. In diesem Gespräch geht es nicht um das Abprüfen von Wissen. Vielmehr soll in einer Diskussion „auf Augenhöhe" herausgearbeitet werden, ob Bewerber und Studiengang zwei Jahre lang erfolgreich miteinander arbeiten könnten. Diese Dialoge dauern nicht unter einer Stunde und sind für beide Gesprächspartner gleichermaßen anstrengend wie erhellend. Nur wenn dabei die Passfähigkeit zwischen den Ansprüchen von Studiengang und Bewerber feststeht, erfolgt die formale  Bewerbung um einen der 15 Studienplätze pro Jahr.

Warum nehmen Bewerber und Hochschule ein dermaßen kompliziertes und aufwändiges Verfahren auf sich? Die Frage kann nur mit Blick auf die ungebrochene Attraktivität des Berufs „Unternehmensberater"  beantwortet werden. Die Bewerber locken – nach eigenen Angaben – unter anderem die hohen Einstiegsgehälter. Diese liegen für Hochschulabsolventen auch ohne Berufserfahrung bei bis zu 70.000 Euro.

Darüber hinaus sehen viele Interessenten die wechselnden Klienten und Einsatzorte als spannend und chancenreich an. Eine ganze Reihe von Bewerbern schätzt es auch, sich noch nicht zu Beginn ihrer beruflichen Karriere schon auf eine Branche oder gar ein Unternehmen festlegen zu müssen. Hinzu kommt seit einiger Zeit die Vorliebe von Hochschulabsolventen für projektorientiertes Arbeiten. Schließlich umweht den Beruf des Consultants noch der Nimbus des elitären Vordenkers, der vom Manager im Kundenunternehmen zur Hilfe gerufen wird.

Wie viele dieser Vorstellungen der zukünftigen Unternehmensberater reine Illusion bleiben und welche sich umsetzen lassen, kann nicht pauschal beantwortet werden. So hängt es – statistisch gesehen – von der Größe eines Beratungshauses ab, ob das Einstiegsgehalt tatsächlich bei 70.000 Euro oder doch deutlich darunter liegt. Hier gilt die Faustregel: Je mehr Mitarbeiter der zukünftige Arbeitgeber be-schäftigt, desto höher sind Einstiegsgehalt und Gehaltssteigerungen. Hierzu sei noch angemerkt, dass das Versprechen progressiver Gehälter zumeist mit dem Prinzip des "up-or-out"  verbunden wird. Consultants müssen in solchen Fällen bestimmte Ziele erfüllen, um ihr anwachsendes Salär zu rechtfertigen oder sie verlassen das Unternehmen. Gerade junge Berater mit viel Potenzial sollten solche Verträge jedoch eher als Chance ansehen.

Die Erfahrungen mit Absolventen des Studiengangs "Business Consulting" zeigen, dass das Versprechen des abwechslungsreichen Arbeitsplatzes nahezu immer eingelöst wird. Natürlich sollten sich die Berufseinsteiger nicht der Illusion hingeben, von Anfang an selbständig die wichtigen Kunden beraten zu dürfen. Auch in der Beraterbranche existieren Hierarchien, die sich vor allem in der Aufgabenverteilung spiegeln. Neue Mitarbeiter verdienen sich ihre Sporen zumeist eine ganze Zeit lang als "Researcher". Dabei sammeln sie Daten, analysieren Methoden und bereiten Präsentationen vor. Erst nach und nach werden sie als Juniorberater und Seniorberater an Kundengesprächen, Workshops und Sitzungen teilnehmen.

Wie häufig die Projekte wechseln, in denen die Berater eingesetzt werden, hängt dabei ganz wesentlich von der Art des Beratungsunternehmens ab, in dem man beschäftigt ist. Hier lässt sich grob zwischen (a) großen Strategieberatungen, (b) kleinen, auf Branchen oder Funktionen spezialisierten Consultingfirmen und (c) nicht spezialisierten Full-Service-Beratungen unterscheiden.

Gerade Beratungsunternehmen der Kategorie (b) pflegen oft sehr lange und intensive Kontakte zu ihren Klienten, bei denen Beratungsprojekte über mehrere Jahre hinweg keine Seltenheit darstellen, während die Strategieberater tendenziell eher kürzere „Gastspiele“ geben. Gerade in Zeiten, in denen der Fachkräftemangel auf allen Ebenen in den Unternehmen durchschlägt, sind die jungen High Potentials der Beratungsunternehmen in diesem Zusammenhang vielen Versuchungen durch Angebote der Klienten ausgesetzt. Hier bieten sich immer wieder Chancen, auf einen attraktiven Posten in einem Kundenunternehmen zu wechseln.

 




Die Berufseinsteigerfrage

Welche Aussagekraft haben Arbeitgeber-Rankings?

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Kim Reinersdorf, Biologiestudentin aus Berlin, fragt: “Auf der Suche nach dem ersten Arbeitgeber trifft man immer wieder auf Rankings, welche die Güte von Arbeitgebern messen. Ein populäres ist die Erhebung des Berliner Trendence-Instituts, das nur Studierende befragt. Können diese aber überhaupt eine Aussage über einen Arbeitgeber machen, bei dem sie noch keine wirkliche Berufserfahrung sammeln konnten? Nehmen Personalexperten solche Studien ernst und kann man sich als Berufseinsteiger wirklich an der Trendence-Studie orientieren, um die Qualität eines Arbeitgebers abzulesen?”


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