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Beratung & Prüfung

“Der Wirtschaftsprüfer ist Weichensteller in Krisenzeiten”

Hohe fachliche und persönliche Anforderungen, ein komplexes und sich stetig entwickelndes Fachwissen – der Beruf des Wirtschaftsprüfers bringt vielfältige Aufgaben mit sich, stellt die Berufseinsteiger aber gleichzeitig vor große Herausforderungen. Was diese zu erwarten haben und welcher Weg am besten zum Ziel führt, weiß Brigitte Rothkegel-Hoffmeister vom Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland.

Der Wirtschaftsprüfer berät Unternehmen dank seines Verständnisses für interdisziplinäre Zusammenhänge bei entscheidenden Weichenstellungen. Bild: David Niblack, www.imagebase.com

Die fachlichen und persönlichen Anforderungen an die Ausübung des Berufs sind hoch. Das erforderliche Know-how ist nicht nur äußerst komplex, sondern unterliegt auch einem stetigen Entwicklungsprozess.  

Darüber hinaus muss ein Wirtschaftsprüfer fähig sein, unterschiedlichen Interessenlagen mit Einfühlungsvermögen für die Situation des jeweiligen Mandanten zu begegnen. Die Basis dafür ist profundes Fachwissen und Durchsetzungsvermögen. Wägt man bei der Entscheidung über die eigene berufliche Zukunft diese Anforderungen mit den Chancen eines spannenden Berufs mit hoher Reputation und guten Aussichten auf wirtschaftlichen Erfolg ab, spricht viel dafür, sich für den Beruf des Wirtschaftsprüfers zu entscheiden.

Die Einsatzmöglichkeiten von Wirtschaftsprüfern als Experten im Wirtschafts- und Steuerrecht sowie auf betriebswirtschaftlichem Gebiet sind so vielseitig wie das Wirtschaftsleben selbst.  Wirtschaftsprüfer sind für Unternehmen von deren Gründung bis zum Ende der Geschäftstätigkeit unentbehrlich. Und dies gilt nicht nur für die regelmäßige Prüfung des Jahresabschlusses. Der Wirtschaftsprüfer kann dank seines Verständnisses für interdisziplinäre Zusammenhänge das Unternehmen bei entscheidenden Weichenstellungen beraten, um Fehlentwicklungen zu verhindern. Nicht zuletzt können Krisensituationen neue Aufgabenbereiche schaffen.

Ein breites Aufgabenspektrum

Die Hauptaufgabe des Wirtschaftsprüfers besteht darin, betriebswirtschaftliche Prüfungen durchzuführen. Gesetzliche Pflichtprüfungen der Jahres- und Konzernabschlüsse von Unternehmen dürfen ausschließlich vom Berufsstand der Wirtschaftsprüfer (Wirtschaftsprüfer und anerkannte Wirtschaftsprüfungsgesellschaften) vorgenommen werden. Die Überprüfung von Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Anhang und Lagebericht durch den Abschlussprüfer als einem ebenso sachverständigen wie unabhängigen Dritten verleiht der Rechnungslegung des Unternehmens eine nach außen dokumentierte Objektivität und Glaubwürdigkeit und ist deshalb eine besonders verantwortungsvolle Aufgabe. Andere Prüfungsaktivitäten betreffen zum Beispiel die Gründung und Umwandlung von Unternehmen oder – gerade in wirtschaftlichen Krisenzeiten von Bedeutung – die Kreditwürdigkeit und Sanierungskonzepte von Unternehmen.

Das zweite Standbein des Berufsstandes sind Beratungsleistungen: Aus der vielfältigen Tätigkeit für zahlreiche Unternehmen gewinnen Wirtschaftsprüfer umfangreiches betriebswirtschaftliches Know-how und intensive Branchenkenntnisse und sind daher bestens geeignet zur Durchführung von Wirtschaftlichkeitsanalysen und zur Beratung bei drohender Krise oder Insolvenz, beim Beteiligungserwerb, bei Unternehmensumwandlungen, bei der Gestaltung der Unternehmensnachfolge oder bei der Einführung neuer Technologien.

Vor allem in wirtschaftlichen Krisenzeiten betreffen die Prüfungsaktivitäten auch die Kreditwürdigkeit und Sanierungskonzepte

Auch in steuerlichen Fragen wird der Rat des Wirtschaftsprüfers oft gesucht: Er ist uneingeschränkt zur Beratung in steuerlichen Angelegenheiten befugt und darf ebenso wie ein Steuerberater vor den Finanzgerichten, dem Bundesfinanzhof und dem Europä-ischen Gerichtshof auftreten. Dabei kommt ihm und damit auch seinem Mandanten der interdisziplinäre Ansatz zugute. Eine Gutachter- und Sachverständigentätigkeit sowie treuhänderische Leistungen (unter anderem Vermögensverwaltung, Insolvenzverwaltung, Testamentsvollstreckung) runden das vielfältige Berufsbild ab.

Wirtschaftsprüfer als Partner des Mittelstandes

Wer beim Thema Wirtschaftsprüfer nur an große Gesellschaften denkt, übersieht, dass es fast überall in Deutschland viele Einzelwirtschaftsprüfer sowie kleine und mittelgroße Wirtschaftsprüferpraxen gibt, die Beratungsaufgaben speziell für den Mittelstand wahrnehmen – und das nicht erst dann, wenn ein Unternehmen in eine Krise geraten ist oder eine Unternehmensbewertung für eine Übernahme ansteht.

Auch Banken vertrauen dem Wort des Wirtschaftsprüfers – oft verlangen sie sogar danach 

Denn das eigentliche Beratungsziel der Wirtschaftsprüfer liegt in der fachlichen Begleitung von Unternehmen und in der Abwendung von Krisen: Je früher ein Wirtschaftsprüfer ein Unternehmen kennenlernt, desto besser kann er es in betriebswirtschaftlichen, steuerlichen, rechtlichen und strategischen Fragen zusammenhängend beraten. Das ist besonders in der Gründungsphase oder bei Freiberuflern vorteilhaft, denn niemand überblickt am Anfang alle möglichen Entwicklungen – der Wirtschaftsprüfer hat aber die meisten schon einmal kennengelernt. Da Wirtschaftsprüfer nicht nur zur Neutralität, sondern auch zur Verschwiegenheit verpflichtet sind, entwickelt sich schnell ein intensives Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmer und Berater.  

Weil auch Banken dem Wort des Wirtschaftsprüfers vertrauen – oft sogar danach verlangen – gewinnt das Unternehmen auch Bonität. Zur Lebensversicherung können Wirtschaftsprüfer für inhabergeführte Firmen werden, wenn es um Nachfolgefragen geht: Jeder verantwortungsvolle Unternehmer muss sich damit beschäftigen, was passiert, wenn er eines Tages nicht mehr für seine Firma da sein kann. Hat man einen Wirtschaftsprüfer an seiner Seite, kann dieser den Übergang im Interesse des Unternehmens begleiten und das Lebenswerk sichern.

Brigitte Rothkegel-Hoffmeister, ist seit 1992 Leiterin der Aus- und Fortbildung am Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland e.V. (IDW). Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre war sie mehrere Jahre bei einer internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft tätig.

Der klassische Weg: Hochschulstudium und Prüfungspraxis 

Die fachlichen Grundlagen für eine spätere Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer werden in der Regel im Studium erworben und in einer längeren, mindestens dreijährigen praktischen Tätigkeit bei einem Wirtschaftsprüfer oder in einer Prüfungsgesellschaft vertieft.  

Während dieser Zeit lernen die Bewerber ihre zukünftigen Aufgaben kennen, indem sie an Abschlussprüfungen mitwirken und Prüfungsberichte verfassen. Das erworbene theoretische Wissen ist dann in einem Berufsexamen nachzuweisen, das auch aufgrund der Vielzahl der Prüfungsgebiete zu den anspruchsvollsten Prüfungen in Deutschland zählt. Im Examen – bestehend aus einem Klausurenteil und einer mündlichen Prüfung – werden Kenntnisse aus den Gebieten Wirtschaftliches Prüfungswesen, Unternehmensbewertung, Berufsrecht sowie Fälle zur angewandten Betriebswirtschaftslehre und Volkswirtschaftslehre abgefragt. Dazu kommt regelmäßig der Nachweis steuerlicher Kenntnisse –  entweder durch das vorherige Bestehen des Steuerberaterexamens oder durch zwei weitere Klausuren. Besonders die Lösung der Klausuren im Wirtschafts- und gegebenenfalls Steuerrecht erfordert umfangreiche juristische Kenntnisse – Gewissenhaftigkeit, Sorgfalt und Durchhaltevermögen sind unverzichtbar, um diese Hürde zu nehmen.

Zielgerichtet studieren: der Master für angehende Wirtschaftsprüfer 

Seit 2004 gibt es daneben einen neuen Ausbildungsweg – ein Masterstudium, das direkt zum Berufsziel Wirtschaftsprüfer führt. Das Berufsexamen müssen die Absolventen zwar auch ablegen, jedoch werden bestimmte, im Studium erbrachte Prüfungsleistungen angerechnet. Der Vorteil der neuen Studiengänge besteht darin, dass während des Studiums Inhalte vermittelt werden, die im Wirtschaftsprüfungsexamen verlangt werden. Derzeit bieten verschiedene Hochschulen in Deutschland Masterstudiengänge an, die die berufsrechtlichen Voraussetzungen erfüllen und das besondere Akkreditierungsverfahren gemäß § 8a der Wirtschaftsprüferordnung erfolgreich durchlaufen haben: Neben der Mannheim Business School (Executive Master of Accounting & Taxation), der Fachhochschule Münster/Fachhochschule Osnabrück (Auditing, Finance and Taxation), der Hochschule Pforzheim (Auditing & Taxation) sind dies die Hochschule Fresenius an ihrem Standort Köln (Audit and Tax) und die Fachhochschule Mainz (Auditing). Interessenten müssen einen ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss besitzen, idealerweise einen Bachelor-Abschluss der Betriebswirtschaftslehre. Weitere Voraussetzungen sind eine mindestens einjährige Berufspraxis in der Wirtschaftsprüfung und das erfolgreiche Ablegen einer Zugangsprüfung. Absolventen der Masterstudiengänge können sich unmittelbar zum Wirtschaftsprüfungsexamen anmelden, das heißt ohne dreijährige berufspraktische Tätigkeit. Allerdings können auch die angehenden Berufsträger des neuen Ausbildungsweges erst zum Wirtschaftsprüfer bestellt und vereidigt werden, nachdem sie insgesamt drei Jahre Berufserfahrung gesammelt haben, dabei wird gegebenenfalls ihre Berufspraxis vor Beginn des Masterstudiums angerechnet.

Der Master-Studiengang „AuditXcellence – The Master Program in Auditing“ wird dieses Ausbildungsprogramm beginnend ab Mai 2012 erweitern. Dabei handelt es sich um einen von den vier größten deutschen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, gemeinsam mit ausgewählten Hochschulen initiierten berufsbegleitenden Studiengang für angehende Wirtschaftsprüfer. Die beteiligten Hochschulen sind die Universität Leuphana Lüneburg, die Universitäten Münster und Bochum, die Universität Frankfurt, die Hochschule Mainz im Zusammenschluss mit der Frankfurt School of Finance & Management sowie die Universität Mannheim. Das Institut der Wirtschaftsprüfer vermittelt dieses Ausbildungsangebot für Kandidaten aus mittelständischen Praxen.

Was Wirtschaftsprüfer auszeichnet

Den verschiedenen Tätigkeiten im Berufsbild des Wirtschaftsprüfers ist gemeinsam, dass sie ein unbedingtes Vertrauensverhältnis zwischen Wirtschaftsprüfer und Mandant erfordern. Dies wiederum bedingt ein hohes Maß an interdisziplinärem Fachwissen und Kompetenzen, aber ebenso Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Wirtschaftsprüfer sind gewöhnt, auch unter Zeitdruck konzentriert zu arbeiten, Arbeitsabläufe effizient zu strukturieren und nicht planbaren Ereignissen souverän zu begegnen.

Wirtschaftsprüfer brauchen eine gesunde Skepsis im Umgang mit vermeintlich objektiven Informationen

Eine gesunde Skepsis im Umgang mit vermeintlich objektiven Informationen trägt dazu bei, dem Vertrauen von Mandanten, Stakeholdern und der Öffentlichkeit in den Beruf jederzeit gerecht werden zu können. Auch einer – zeitweisen – Karriere im Ausland steht in Zeiten der Internationalisierung von Rechnungslegung und Prüfung nichts im Wege. Daher verwundert es nicht, dass fließende Englischkenntnisse, auch in der Fachterminologie, ebenfalls zu den Anforderungen gehören, die an angehende Wirtschaftsprüfer gestellt werden. Aber es beweist auch: Wer den Weg zum Wirtschaftsprüfer wählt, entscheidet sich für einen spannenden, abwechslungsreichen Beruf. 
Hinzu kommt: Auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist dies ein Job mit interessanten Entwicklungsmöglichkeiten. Denn gerade in Krisenzeiten sind die Fachkenntnisse und Fähigkeiten gefragt, die Wirtschaftsprüfer auszeichnen.

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