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Bewerbung & Berufseinstieg

Der richtige Karriereplan

Wie plant man eigentlich eine Karriere?

© imagebase/davidniblack.com

Sabine Hansen arbeitet als Executive Search-Beraterin in einer der Top-Beratungen für Leadership Advisory Services. Jeden Tag sieht sie Lebensläufe erfolgreicher Menschen und lernt Persönlichkeiten kennen, die besondere Karrieren machen. Für high potential geht sie der Frage nach, wie man eine Karriere plant - und ob dies überhaupt möglich ist. Ein Report über die Weichenstellungen der Top-Karrieren, aufgezeichnet von unserem Autor Martin Schneider.

 

 

Die Frage nach "der" Karriereplanung ist gar nicht so einfach zu beantworten. Zunächst bleibt für mich offen, ob dies wirklich möglich ist: Auch die Karriere ist von Zufällen und glücklichen Fügungen bestimmt, von persönlichen Prioritäten und deren Verschiebungen. Und schließlich frage ich auch, ob es überhaupt wünschenswert ist, eine Karriere detailliert durchzuplanen? Was ist, wenn es plötzlich zu Abweichungen vom großen Masterplan kommt, wie sehr verrät er gleichzeitig auch eine nüchterne, rein nutzenorientierte Persönlichkeit, der möglicherweise Leidenschaft für Aufgaben und Herausforderungen fehlen wird? Einigen wir uns darauf: Eine Karriere um der Karriere willen dient dem Selbstzweck. Eine Karriere, die von dem Ausloten der eigenen Möglichkeiten, der Neugier auf Herausforderungen und der Befriedigung aus einer sinnstiftenden Arbeit resultiert, hat echte Substanz.

Lassen Sie mich zunächst erläutern, was ich eigentlich tue und warum mich high potential für befähigt hält, Ihnen Empfehlungen für Ihre Karriere zu geben. Als Personalberater arbeiten wir ausschließlich mandatsgebunden, das heißt, dass Unternehmen ausgewählte Top-Positionen exklusiv mit uns besetzen. Wir beziehen uns dabei ausschließlich auf Positionen in der Wirtschaft und im Management. Bei der Auswahl und Attraktivierung geeigneter Kandidaten ist die hohe Passgenauigkeit auf das Suchprofil maßgeblich. Daneben achten wir vor allem auf den hohen kulturellen und persönlichen Fit zum Suchunternehmen. Zu mir persönlich darf ich sagen, dass mein heutiger Job zugleich mein Traumberuf ist, da ich Projektgeschäft mit eigenem Klientenkreis ideal kombinieren kann. Den hohen Freiheitsgrad bei entsprechender Flexibilisierung der Arbeitsprozesse nutze ich zum nachhaltigen Kunden- und Beziehungsaufbau.

In meinem beruflichen Alltag habe ich in der Regel mit Kandidaten der Topmanagementebene zu tun. Wann hat bei denen "die ideale Karriereplanung" begonnen? Die Karriere beginnt mit der Ausbildung, also ist über die Wahl des "richtigen" Studiums vermeintlich schon ein erster Grundstein gelegt. Dieser Annahme möchte ich ein Stück weit widersprechen, denn ich meine, dass es ein "falsches" Studium nicht gibt. Jedoch sollte ich mir im Vorfeld Gedanken machen, welchen Einstieg ich nach dem Studium im Job wähle. Für einen Geisteswissenschaftler kann es gut und richtig sein, im Anschluss an das Erststudium und nach drei bis fünf Jahren Berufserfahrung gegebenenfalls einen MBA zu machen. Dieser Abschluss bietet einen breiten betriebswirtschaftlichen Hintergrund und öffnet zudem auch die Türen zu Großkonzernen, die besonderen Wert auf "Interdisziplinarität" legen. Eins steht außer Frage: In Zeiten der zunehmenden Globalisierung wird die Bedeutung kultureller Passung und das Vorhandensein von sozio-empathischen Fähigkeiten mehr und mehr zunehmen, so dass die reine "technische" Fokussierung auf Hard Facts langfristig keinen Wettbewerbsvorteil, auch für Top-Positionen im Management, darstellt.

Dies bedeutet, dass es auch für Absolventen, die nicht Wirtschafts- oder Ingenieurwissenschaften studiert haben, alle Chancen gibt. Denn mit Ausnahme von bestimmten Berufsgruppen, für die eine reine fachliche Qualifizierung unumgänglich ist, wie etwa das Physikstudium für den angehenden Astronauten, sind die meisten Karrieren in der Wirtschaft nach dem Erststudium auf ein breites und in der Praxis angewandtes Wissen begründet. Im Studium lernt man abstraktes Denken, Methodenkompetenz und die gezielte Wissensaufnahme. Was ich daraus mache, ergibt sich erst später im Berufsleben.

Obwohl die Bachelorstudiengänge in Deutschland nach wie vor erklärungsbedürftig sind und deren Akzeptanz nicht in jedem Unternehmen hoch ist, stellt auch ein Bachelorabschluss keinesfalls ein Hindernis dar. Unternehmen honorieren, ob jemand einen zielgerichteten und stringenten Werdegang vorzuweisen hat - dann ist ein Einstieg mit einem Bachelor-Abschluss durchaus kein Wettbewerbsnachteil. Vor allem dann nicht, wenn gut gewählte Praktika das Bild abrunden.

Wenn ich an dieser Stelle die Wahl des Studiums ein Stück weit entdramatisiere, möchte ich einen wichtigen Akzent bei dem Berufseinstieg setzen, er sollte wohl überlegt und generalstabsmäßig geplant sein. Neben einem attraktiven Job in einem namhaften Unternehmen sollte vor allem das Vorhandensein von Förderprogrammen ein wesentliches Auswahlkriterium für den Einsteiger darstellen. Es ist enorm wichtig, dass der erste Job Ihnen die Fähigkeiten vermittelt, sich fachlich und persönlich im Berufsleben zurecht zu finden. Werden Sie gut gefördert und qualifiziert, verzichten Sie lieber auf den letzten Euro in den Gehaltsverhandlungen! Wie aber bekommt man ein Gefühl dafür, ob ein Arbeitgeber diese Entwicklung fördert? Es gibt keine andere Chance, als dass Sie selbst Fragen stellen: Was erwarten Sie konkret von mir als potentiellem, zukünftigem Stelleninhaber? Wie unterstützen Sie mich dabei? Wie messen Sie Erfolg und Nichterfolg? Welchen Beitrag im Team sollte der zukünftige Stelleninhaber leisten? - so klären Sie sowohl die Erwartungshaltung als auch die Positionierung im zukünftigen Unternehmen.

Natürlich kann gerade beim ersten Job niemand die Gewissheit haben, dass der Arbeitgeber auch tatsächlich der richtige ist. Geht dann wider Erwarten doch etwas in der Probezeit schief, helfen ein Exit-Gespräch und eine Ist-Analyse zur eigenen Standortbestimmung. Grundsätzlich muss ein Abbruch nichts Schlimmes sein, wenn er wohl begründet ist und ein bloßes Weitermachen eine Zumutung darstellt. Berufseinsteiger sollten sich jedoch auch beweisen, dass sie Herausforderungen im Job überstehen können, um daraus Kraft und Energie für den weiteren beruflichen Lebensweg zu schöpfen.

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Die meisten Berufseinsteiger sind gut ausgebildet und verfügen über Energie und Tatendrang. Daran hapert es in der Regel nicht, dass der erste Karriereschritt gelingt. Schwierigkeiten bereiten beim ersten Job jedoch oft die nicht ausgesprochenen Verhaltensweisen und Riten in den Unternehmen. Wie kann ich es nutzen, wenn ich mit meinem Chef im Aufzug fahre ­– spreche ich ihn dann gezielt auf Probleme im Team oder in der Projektarbeit an? Das nötige Fingerspitzengefühl, wann eine Situation angemessen ist, muss erlernt werden. Hier hilft es, wenn es ein Mentorenkonzept im Unternehmen gibt. Als Faustregel gilt, sich erst einen Überblick über das akzeptierte Verhalten im Unternehmen verschaffen und dann zur Tat zu schreiten.

Gelingt der Berufseinstieg und zeigen sich erste Erfolge, die von Vorgesetzten honoriert werden, steigt die Sicherheit, weitere Verantwortung zu übernehmen. An dieser Stelle zeigt sich dann oft, ob und wie es in dem Unternehmen für einen selbst weitergeht. Wenn der Arbeitgeber einem etwas zutraut und man Wertschätzung genießt, wachsen die Aufgaben und Befugnisse. Auch wenn sich die Karriere entwickelt, stellt sich gerade bei High Potentials die Frage, wann der richtige Zeitpunkt für den nächsten Karriereschritt ist. Von den manchmal geäußerten Plänen, “nach zwei Jahren mache ich da spätestens den Abflug”, halte ich gar nichts. In dem Fall, dass man absehen kann, dass der Arbeitgeber nicht dauerhaft der richtige ist, sollte man den Job gar nicht erst antreten. Man sollte sich schon vorstellen können, diesem Arbeitgeber und seinen Aufgaben auch lange treu bleiben zu können.

Aus den Karrieregesichtspunkten, die sich auf dem Papier zeigen, sind drei bis fünf Jahre im ersten Job eine gute Zeitspanne. Danach kann es durchaus einen Wechsel geben, wenn der nächste Schritt tatsächlich eine Verbesserung in den Arbeitsinhalten, im Aufgabenbereich und in der Positionierung nach sich zieht. Eine kürzere Zeitspanne sollte man schon gut begründen können. Beim zweiten Job sollte man bereits wissen, worauf es im Job ankommt und welche Fallstricke es vor allem in den ersten Monaten gibt. Grundsätzlich sollte der zweite Job eine Weiterentwicklung darstellen. Gerade Großunternehmen rekrutieren diese Kandidaten mit erster Berufserfahrung gerne und bauen so Führungskreise für ihren Top-Managementnachwuchs auf, die das Potential haben, in den nächsten fünf Jahren mindestens zwei weitere Karrierestufen einzunehmen. Für diese Unternehmen ist es unerheblich, ob die Verweildauer beim ersten Arbeitgeber länger als üblich war, solange der interne Kandidat die geforderten Kriterien erfüllt.

In dieser Phase entscheidet sich dann wirklich, ob man zu einer Top-Karriere befähigt ist und diese auch machen will. Von einer solchen Top-Karriere sprechen wir, wenn ein Manager es in relativ kurzer Zeit geschafft hat, einen „Footprint“ im Unternehmen und im Markt zu hinterlassen. Führungsbereitschaft, Hartnäckigkeit und Ausdauer, gepaart mit echter Geschäftsverantwortung, sind dabei die berühmten Schlüssel zum Erfolg.