Seite empfehlen
Drucken
Buch

Der Koch, der Maler und der Barbier des Präsidenten

In einem namenlosen Land gibt es einen Putsch und der Präsident wird abgesetzt. Während sich der Regimewechsel vollzieht, werden die Personen, die ihm am nächsten stehen, in seine Sommerresidenz über der Hauptstadt gebracht. Unter ihnen sein Koch, sein Maler und sein Barbier. Das neue Staatsoberhaupt weiß ihr Können ebenfalls zu schätzen und nimmt sie in seinen Dienst: "Sie haben jeder Jahre darauf verwandt, es zur Meisterschaft in Ihrem Fach zu bringen - wir wollen, dass Sie sich nützlich machen." Hoch oben über der Stadt erzählen die Vasallen nun, wie sie zum Präsidenten kamen, und offenbaren damit viel über ihr Leben und auch über den Präsidenten selbst.

Seltsam enthoben thront der Palast über der mediterranen Stadt und wird zur Bühne, auf der immer mehr Personen aus dem Leben des Kochs, des Malers und des Barbiers erscheinen. In dieser unsicheren, fremdgesteuerten Situation beginnt jeder, die Fühler auszustrecken und seine Fäden zu spinnen - auf persönliche Weise und so die eigenen Motive offenbarend.

Wir ahnen bereits, dass es weitere Verflechtungen zwischen diesen Menschen gibt. Und langsam bietet sich uns ein ganz anderer Blick aufs Ganze.

Das Gesamtbild

Wie ein Mosaik setzen sich die verschiedenen Perspektiven zusammen zu einem getreuen Abbild der Macht, in all ihren unterschiedlichen Ausprägungen. Die Spannung ergibt sich aus dem Wechsel der Perspektiven, wenn nach den drei Vasallen auch die Frauen zu Wort kommen.

Die Darstellungen erweisen sich zum Teil als einander gänzlich zuwiderlaufend, und durch die subjektive Erzählweise gibt es keine verlässliche Erzählinstanz. Erst alle Informationen zusammen ergeben das Bild. So angewiesen auf jedes Puzzleteilchen werden wir eiskalt getroffen von jenem letzten Schachzug, der das Spiel mit einem Schlag entscheidet.

Keine der Figuren trägt einen Namen, so dass die Geschichte, getragen von ihrer wunderbar leichten Sprache, symbolhaft über ihre Grenzen hinausweist.

Empfehlenswert!

Ceridwen Dovey hat ein Vexierbild der Macht gezeichnet: Vordergründig die Politik, mit ihren Herrschern und Mitläufern. Doch mit jeder Zeile nimmt sie uns mit hinab in die Untiefen der Triebe und der ureigensten Motive, die den Boden für die Auswüchse der Macht bereiten.

Seit langem ist Der Koch, der Maler und der Barbier des Präsidenten wieder ein wirklich erfreuliches Buch ohne sinnlose Schnörkeleien, brillant geschrieben und messerscharf auf sein Ende zugespitzt. Unbedingt empfehlenswert!

Irina Kessler

 

Ceridwen Dovey

Der Koch, der Maler und der Barbier des Präsidenten

224 Seiten

19,95 Euro

Luchterhand

 

Serie: 21 Fragen

Menschen des 21. Jahrhunderts:
Tom Kummer, der Faker

21 Fragen an: Tom Kummer

Tom Kummer arbeitete ab 1993 als Hollywood-Korrespondent für die Magazine der Süddeutschen Zeitung und des Tages-Anzeigers sowie als freier Journalist (unter anderem für Die Zeit, Der Spiegel, Frankfurter Allgemeine und Stern). Zudem ist der gebürtige Schweizer Autor mehrerer Bücher. Im Jahr 2000 löste Tom Kummer einen Presseskandal aus, als bekannt wurde, dass er zahlreiche Interviews mit Prominenten, die im SZ-Magazin erschienen waren, gefälscht hatte. 2010 drehte der Regisseur Miklós Gimes einen Dokumentarfilm namens "Bad Boy Kummer" über den umstrittenen Journalisten, der heute als Tennist...


Die Berufseinsteigerfrage

Ist spezielle Frauenförderung eigentlich gerecht?

Die Berufseinsteigerfrage:

Stefan T. (27) aus Frankfurt am Main. schreibt uns: “Ich arbeite in einer Unternehmensberatung als Junior Berater. Mir und meinen männlichen Kollegen fällt deutlich auf, dass die weiblichen Beraterinnen von den Vorgesetzten klar bevorzugt werden. Neulich hat ein Partner dies offen damit begründet, dass es für die Firma viel schwieriger sei, Beraterinnen zu gewinnen und vor allem zu halten als männliche Berater und man von daher auch zu mehr Zugeständnissen bereit sei. Für die Kolleginnen gibt es beispielsweise spezielle Rhetorikschulungen, an denen Männer nicht teilnehmen dürfen. Ich finde dieses Vorgehen nicht in Ordnung. Meine Kollegen raten mir aber von einer Beschwerde ab, da ich sonst schnell als Mimose oder Querulant dastehen würde. Muss man als Mann eine solche Zurücksetzung einfach runterschlucken, weil Frauen es lange schwerer im Beruf hatten?"


Serie: Netzperlen

Diese Woche: People of Walmart

Netzperlen:

Wenn man sich in den USA amüsieren will, geht man einfach in den Walmart. Warum es dieser Discounter hierzulande einfach nicht geschafft hat und nach nur wenigen Jahren wieder das Deutschlandgeschäft beendet hat - angesichts dieser Bilder kann man nur den Kopf schütteln. Wir würden sogar Eintritt za...


Serie: Studenten fragen Professoren

Welches Tier, abgesehen von Bakterien oder Viren, tötet weltweit die meisten Menschen?

Studenten fragen Professoren: Alltagsfragen

Frage: Welches Tier, abgesehen von Bakterien oder Viren, tötet weltweit die meisten Menschen?Antwort: "Ausdrücklich wurden vom Fragesteller ja nur Viren und Bakterien ausgeschlossen und nicht Einzeller. Nimmt man diese in das Spektrum auf, dann ist eindeutig der Erreger der Malaria, Variante Tropica (Plasmodium falciparum), der größte Killer und einige Arten der Anopheles-Mücke als Vektoren die wichtigsten 'Vermittler' der weit über eine Million Todesfälle pro Jahr.Nimmt man den Menschen als eine Spezies wie jede andere, was wir ja gemeinhin nicht tun – sondern uns als Krone der Schöpfung betrachtend vom riesigen Rest der Evolutionsprodukte gern weit absetzen – dann ist ganz klar, dass der Mensch für den Menschen wohl schon bis in lang vergangene Zeiten der größte Killer war und nach ...