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Populäres Sachbuch

Der Fluch des Lono: Meskalin, Marlins und Margaritas

Hunter S. Thompson ("Fear and Loathing in Las Vegas") ist wieder da! In seinem posthum, erstmals in deutscher Sprache, erschienenem Buch "Der Fluch des Lono", macht sich Thompson – in feinster Gonzo-Manier – auf nach Hawaii. Er soll über den Honolulu-Marathon berichten. Der Job, der als Urlaub gedacht war, entwickelt sich jedoch zu einem nervenaufreibenden, psychedelischen Trip ins Herzen der hawaiianischen Kultur.

Honolulu-Marathon und vor allem schlechtes Wetter

Thompson hat einen neuen Auftrag bekommen. Nachdem er lange Zeit nicht mehr journalistisch gearbeitet hat, flattert ihm ein Angebot ins Haus, das er nicht ablehnen kann. Für das Magazin Running, soll er über das Sportspektakel des Jahres auf der Insel Oahu berichten, den Honolulu-Marathon.

Mit dem Flugzeug geht es auf die Pazifikinseln. Auf der Fahrt ins Hotel, bekommt Thompson eine erste Einführung in die hawaiianische Mentalität, die so gar nicht mit den romantischen Vorurteilen über die Bewohner der Inselkette übereinstimmen will. Im Hotel angekommen, beginnt der ganz normale Wahnsinn. Sein Freund und Weggefährte Ralph liegt bereits verletzt in seinem Hotelzimmer, das Wetter spielt den Protagonisten böse mit und alles, was die Reporter davor von Hawaii in Erfahrung gebracht haben, erweist sich als böswillige Lüge.

Nebenbei berichtet Thompson noch vom Honolulu-Marathon, aber zu seiner Hauptaufgabe wird die Flucht vor dem schlechten Wetter. Sie sind dem Sturmregen jedoch hilflos ausgeliefert und jegliche, entspannte Vorstellung des Urlaubs erweist sich als irrationale Fehlkalkulation. Es beginnt eine drogenintensive, verstörende Reise über die Inseln Hawaiis, die in einem Fanal aus Selbstüberschätzung, Blasphemie und Einsiedlerdasein mündet.

Subjektive Filterung

Hunter S. Thompson, prägte wie kein anderer, den Begriff des von ihm geschaffenen Genre des Gonzo-Journalismus. Diese Art von Journalismus, der die subjektive Wahrnehmung vor die journalistische Objektivität stellt, lässt das Objekt in den Hintergrund treten und widmet sich vorrangig der subjektiven Filterung des Objekts durch den Autor. In "Der Fluch des Lono" ist das am Ereignis "Honolulu-Marathon" zu beobachten, der zwar den Anlass für die Reise des Protagonisten darstellt, jedoch im Gesamten nur einen kleinen Teil der Geschichte einnimmt. Im Vordergrund stehen die Erlebnisse Thompsons auf Hawaii und deren Bewältigung.

Der Autor verwendet Einwürfe und Briefe, die helfen, die etwas konfuse Materie des Buches leichter zu verstehen. So verbindet er in seinem Werk zwei zeitlich voneinander getrennte Handlungsstränge. Neben der Rahmenhandlung, der Reise des "Journalisten" Thompson, wird der Leser durch kurze und sehr unterhaltsame Einwürfe über die Geschichte Hawaiis und die Kultur seiner Bewohner informiert. Die meist sehr kurzen Episoden sind Textstellen aus historischen Quellen, wie beispielsweise aus Marc Twains "Post aus Hawaii" oder "The last voyage of Captain James Cook" von Alexander Hough. Außerdem verwendet der Autor Briefe, die entweder an den Protagonisten gerichtet sind oder von ihm versandt wurden, die den Leser näher an die Materie bringen, da sie die Beziehungen der Figuren teilweise erhellen.

Hunter S. Thompson mit berühmt gewordenem Zubehör

"Act your old age. Relax — This won't hurt."

Hunter S. Thompson war eine der schillernsten Figuren des amerikanischen Journalismus. Er verfasste unter anderem ein Buch über die Hells Angels, mit denen er ein Jahr eingebettet lebte, das Werk seines Lebens wurde Fear and Loathing in Las Vegas, in dem er den amerikanischen Traum sucht um ihn in Las Vegas in einem brutalen, psychedelischen Trip zu zerstören. Seine Texte sind meist in semi-auto-biographischen Stil verfasst und beinhalten Ausschnitte seines Lebens, sowie fiktionale Elemente.

Neben seinem literarischen Wirken, war Thompson auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen tätig. 1970 stellte er sich in Aspen, einem Promi-Skiort in Colorado, für die Stelle des Sheriffs zur Wahl. Für den Rolling Stone begleitete er die Präsidentschaftskampagne von George McGovern, den demokratischen Präsidentschaftskandidaten, der jedoch gegen Richard Nixon verlor. Thompson war politisch sehr engagiert und kritisierte vor allem die Kriegstreiberei Nixons, aber auch den Kurs von George Bush nach den Angriffen vom 11. September. Am 20. Februar 2005, kurz nach Beginn von George W. Bushs zweiter Amtszeit, erschoss sich Thompson, der als Waffennarr bekannt war, im Alter von 67 Jahren auf seiner Farm, in Woody Creek, Colorado.

Fazit: "Der Fluch des Lono" ist ein klassisches Thompson-Buch. Es ist im sehr unterhaltsamen Gonzo-Stil verfasst und man freut sich von Kapitel zu Kapitel auf kommende, erzwungene Exzesse. Gleichzeitig, verknüpft er geschickt die Geschichte seines Protagonisten – ihm selbst – mit der hawaiianischen Kultur und deren Glauben- und Wertekanon. Das Buch ist ein Genuss für jeden Thompson-Fan und Genrefremde werden ihn lieben lernen.

(David Santin)


Hunter S. Thompson. Der Fluch des Lono

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