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Buch

Der erregte Pharao

Ägypten, 1922: Das ist der Schauplatz von Arthur Phillips clever konstruierten Roman, der es seinem Leser nicht ganz einfach macht - was aber durchweg positiv gemeint ist. Denn was als simpler Krimi und Abenteuerroman zur Zeit der legendären Entdeckung des Felsengrab von Tut-ench-amun beginnt, entwickelt sich langsam zu einem geschickten Verwirrspiel mit dem Thema der Identität. Am Besten lässt sich dabei der Inhalt durch die drei wichtigsten Romancharaktere wiedergeben:

Zum einen ist da der junge Australier Paul Caldwell, der sich seit seiner Kindheit in einer verarmten Familie brennend für die ägyptische Kultur interessiert und im 1. Weltkrieg nach Ägypten kam - dort aber 1920 unter ungeklärten Umständen in der Wüste verschwand.

Zum zweiten gibt es den britischen Ägyptologen Ralph Trilipush, ebenfalls sehr jung, der die jahrtausende Jahre alten Aufzeichnungen des unbekannten Pharaonen Atum-Hadu übersetzt hat - allerdings behaupten seine Kollegen, dass nicht nur das Werk mit dem vielsagenden Titel "Begierde und Betrug im alten Ägypten", sondern auch Atum-Hadu selbst reine Erfindung seien. Trilipush hat es sich zum Ziel gesetzt, das Grab dieses Pharaonen zu bergen und gräbt deshalb an einem ominösen Fragment in der Wüste. Tatsächlich stößt er dort auf unterirdische Kammern ? doch diese werden erst sehr spät ein Geheimnis enthüllen.

Die dritte Hauptfigur ist der tumbe Privatdetektiv Harold Ferrell, der Caldwell nachspüren soll. Ferrell, alles andere als ein Sherlock Holmes, vermutet einen brisanten Fall: Caldwell sei von Trilipush getötet worden, damit der - in seinen Augen - dekadente Brite seine sexuellen Vorlieben vertuschen konnte. Tatsächlich hat Trilipush mit dem Verschwinden von Caldwell zu tun, aber ganz anders als der Detektiv das vermutet hat - was er aber auch am Romanende noch nicht begriffen haben wird ...

Denn das gehört zu den größten Stärken des Romans: die Geschichte wird ausschließlich aus der Sicht der Figuren erzählt, wodurch manche Figur bis zum Schluss noch nicht verstanden hat, was eigentlich passiert ist. Dieser Verzicht auf einen allwissenden Erzähler, der ständig die Zusammenhänge erklärt, macht den Reiz des Buches aus, erschwert aber gerade den Einstieg in die Geschichte. Diese wird völlig durch oft sehr exaltiert formulierten Briefe und Tagebuchnotizen von Trilipush erzählt, die dieser während seiner Ausgrabungen schreibt. Und zum anderen berichtet Ferrell mehr als 30 Jahre später rückblickend seine "Erkenntnisse". So wechseln die Stile, Zeitebenen und Blickwinkel oft sehr schnell, was es gerade am Anfang schwer macht, sich an der Handlung zu orientieren.

Und wie oben schon erwähnt, die Handlung selbst entwickelt mit der Zeit andere Schwerpunkte. Was als Krimi zur Zeit der legendären Ausgrabungen beginnt, verschiebt sich langsam zu einem Spiel mit der Frage, was Identität eigentlich bedeutet. Ist ein Mensch das, als das er geboren wird oder das, was er sein will? Oder zu sein glaubt? Trilipush beschäftigt sich mit diesen Fragen, als er die Wände des Pharaonengrabes sieht. Und spätestens, wenn Trilipush diese beschreibt, wird dem Leser klar, wie sich die Schicksale der drei Hauptfiguren verbinden (und wer das Wortspiel in diesem Satz verstehen will, muss das Buch lesen). Atum-Hadus ominöse Existenz ist nur der Aufhänger des Identitätenspiels und zeigt die Schwierigkeit, wie man ein Leben rekonstruieren soll. Allerdings darf man hier nicht mehr verraten, sonst gehen die zahlreichen Überraschungen verloren. Erst am Ende setzen sich schließlich die vielen Puzzleteile zusammen und genau das macht den Roman so faszinierend, denn der Leser wird selbst zu einem Forscher, der die Fragmente im Roman "ausgraben" und zusammensetzen muss. Definitiv ein Roman für Leute, die Geduld beim Lesen haben und Spaß an gutdurchdachten Handlungen haben. Der Einstieg dauert, aber es ist ein Buch, das einem lange im Gedächtnis bleibt. Nicht zuletzt wegen des schrägen Humors, mit dem der Autor seine ungewöhnlichen Figuren schildert (einen kleinen Vorgeschmack darauf kann man hier auch an den "Hieroglyphen" des Buches sehen - Titel: "Der Pharao ist erregt ...")

 

Warum allerdings der Roman im Deutschen den Titel "Hotel Sphinx" trägt - im Englischen heißt er "The Egyptologists" - bleibt das letzte ungelöste Mysterium des Romans, das wahrscheinlich auch der Autor nicht lösen kann ...

 

Diana Mantel

 

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Der deutsch-italienische Journalist ist Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit”, Mitherausgeber des „Berliner Tagesspiegel” und Moderator der Talkshow „3 nach 9” bei Radio Bremen.


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