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Thriller

Der Anschlag

Was wäre wenn? Um diese zentrale Frage, dreht sich der neue Roman von Stephen King „Der Anschlag“. Wie würde die Welt aussehen, wenn Kennedy 1963 nicht von Lee Harvey Oswald erschossen worden wäre? Hätte der Vietnamkrieg trotzdem stattgefunden oder hätte sich Kennedy aus dem Konflikt herausgehalten? Wären hunderttausende Leben auf beiden Seiten verschont geblieben?

Aber erst zur Geschichte von "Der Anschlag". Jake Epping - Englischlehrer, gescheiterte Ehe mit einer Alkoholikerin, kein glückliches Leben, wenige Bezugspunkte und der Schmerz der Trennung – lebt ein ganz normales, amerikanisches Leben. Am liebsten isst er in Als Diner, obwohl Gerüchte kursieren, dass im Fatburger, kein Rindfleisch, sondern wer weiß was für ein Fleisch verarbeitet wurde, vor allem weil der Fatburger so unschlagbar günstig ist.

Eines Tages geht Jake mal wieder zu Als Diner und es scheint Al Templeton - der Besitzer des Diners – sein innerhalb eines Tages um Jahre gealtert. Nur scheint es nicht nur so. Al ist wirklich um fünf Jahre gealtert und sein Gesundheitszustand hat sich rapide verschlechtert. Wie sich herausstellt gibt es in Als Diner im Vorratsraum eine Treppe, die in die Vergangenheit – in das Jahr 1958 – führt. Al zeigt ihm die Treppe und lässt Jake in den Kaninchenbau hinabsteigen. Und wirklich Jake landet im Jahre 1958 und sieht sich um. Ihm gefällt das Land des Einst und er kehrt fassungslos, mir einem Rootbeer im Magen, in die Zukunft zurück. Jeder Eintritt in das Einst löst einen Neustart aus. So konnte Al auch seinen Burger so günstig anbieten, weil er das immer gleiche Fleisch zu den Preisen von 1958 kaufen konnte.

Al hatte die letzten Jahre im Einst verbracht und war deshalb so schnell gealtert, denn die Rückkehr aus dem Einst bedeutete immer eine Rückkehr, zwei Minuten nachdem man dort hineingegangen war, egal wie viel Zeit im Einst verbracht wurde. Al hatte großes in der Vergangenheit vor. Er wollte Kennedy retten und die Welt zu einem mutmaßlich besseren Platz machen. Aber er war zu alt, der Krebs schritt unaufhaltsam voran und er musste seine Mission abbrechen. Hier kommt Jake ins Spiel.
Schließlich nimmt Jake die Mission an. Kennedy wir aber erst 1963 getötet und Jake findet sich im Jahre 1958 wieder. Also beginnt eine lange Reise mit vielen Unwägbarkeiten.

Die Vergangenheit will nicht verändert werden

Ein zentraler Punkt in der Beschreibung, ist die Problematik des Schmetterlingseffekts. Dieser besagt, dass kleinste Veränderungen der Vergangenheit, unabsehbare Umwälzungen in der Zukunft zur Folge haben können. Nur möchte Jake keine Kleinigkeiten verändern, sondern die Geschichte der modernen Welt umschreiben. Bei seinen Reisen in die Vergangenheit, verändert er anfangs kleineres Unrecht, das eher privater Natur ist. So rettet er eine Familie vor dem trunkenen und mit einem Vorschlaghammer bewaffneten Ehemann, bevor dieser seine Familie fast komplett auslöscht.

Hier zeigt sich die Vergangenheit von ihrer unnachgiebigen und unerbittlichen Seite. Als der Tag der Tragödie näher rückt, legt die Vergangenheit Jake immer mehr Steine in den Weg. Für kürzeste Strecken braucht er stundenlang, denn dauernd geht das Auto kaputt, ein umgestürzter Baum liegt auf der Straße oder körperliche Beschwerden treten plötzlich in unerwartet heftiger Form auf.

Jodie, ein schönes Örtchen im Einst


Während Jake auf das Jahr 1963, das Jahr des Anschlags wartet, verschlägt es ihn in das beschauliche Städtchen Jodie. Hier unterrichtet er wieder an einer Schule und findet eine neue Heimat. In Jodie lernt er auch Sadie kennen und lieben. Doch dann rückt der Termin des Anschlags unaufhaltsam näher und Jake muss den Kampf gegen die Widrigkeiten des Zukunftveränderns antreten.

Stephen King, viele viele Seiten


Wie bei vielen Büchern von Stephen King benötigt auch "Der Anschlag" eine vierstellige Seitenzahl, um eine halbwegs komplexe Geschichte zu erzählen. Das Buch ist interessant, manchmal aber auch wirklich langweilig. Natürlich braucht die Geschichte diese Pausen, damit der Leser erfährt, wie wichtig das eine oder andere dem Protagonisten ist, aber vor allem die Liebesgeschichte mit Sadie hat, sehr langatmige und pilcherische Züge.

Das schönste an dem Roman, sind die Beschreibungen des Einst. Hier ist das Essen noch aus Essen und nicht aus Ersatzstoffen, alle rauchen, immer und überall ohne dass sich irgendjemand daran stören würde. Die Leute sind spießig, konservativ und bigott, aber gleichzeitig herzlich, vertrauend und nicht post-9/11-misstrauisch. Das Geld ist noch was wert. Alles was man braucht kostet Centbeträge und auch der automobile Stil ist erschwinglich und vor allem unendlich stilvoll.

Fazit: Mit "Der Anschlag" ist Stephen King, wieder einmal eine gute Geschichte gelungen. Obwohl die ein oder andere Seite etwas fad daherkommt, ist die Geschichte aufregend. Denn er greift hier einen Stoff auf, über den sich jeder irgendwann einmal schon Gedanken gemacht. Wie wäre wenn man… egal ob Zeitreisen, Unsichtbar werden oder die Zeit anhalten gemeint ist. Diese Kopfspielchen, die sonst eher der Ablenkung von langatmigen Frontalvorträgen dienen, kommen hier zur vollen Entfaltung und regen zum Weiterfantasieren an.

David Santin für academicworld.net

Stephen King: Der Anschlag
16,99 Euro, Heyne Verlag




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