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Beratung & Prüfung

Das Stichwort heißt Delegation

Andrea Brückner hat erreicht, was sich Viele wünschen: einen spannenden anspruchsvollen Beruf und ein ausgewogenes Familienleben. In ihrem Job setzt die Karrierefrau und Mutter auf klare Ziele, eine gute Organisation und auch mal ein klares Nein.

Ein typischer Arbeitstag beginnt für mich um halb sechs. Ich mache das Frühstück für meine Familie, das gemeinsame Essen ist mir sehr wichtig. Wenn ich anschließend zu meinen Kunden reise, übernehmen das Kindermädchen oder mein Mann unsere beiden Söhne. Verbringe ich einen Tag in  der Deutschland-Zentrale von Accenture in Kronberg bei Frankfurt, fahre ich meine Kinder in die Schule.
Den Tag über bin ich für Kunden und mein Team da, halte Workshops und Meetings ab und nehme interne Managementaufgaben wahr. Das Abendessen verbringe ich so oft wie möglich mit der Familie. Sind die Kinder im Bett, folgen oft noch Telefonkonferenzen, und ich bereite mich auf den nächsten Tag vor.
Das ist manchmal anstrengend und der Tag kann sehr lang werden, doch ich genieße die Verbindung von beruflichem Erfolg und Familie. Es funktioniert. Das liegt vor allem an der guten Organisation und dem guten Team - privat und beruflich.


Ich möchte für mein plötzlich erkranktes Kind
da sein können - aber auch helfen,
wenn es beim Kunden brennt.

Mein Mann ist ebenfalls Partner bei Accenture. Er und ich sind ein eingespieltes Team. Klare Prioritäten setzen, sichergehen, dass die Kinder einen gut geregelten Tagesablauf haben, während man selbst in anderen Städten oder gar Ländern unterwegs ist - das stand für uns immer ganz oben auf der Liste. Dafür muss man auf alle Eventualitäten eingestellt sein und Prioritäten kurzfristig verändern können, wenn es nötig ist. Ich will für mein plötzlich erkranktes Kind da sein können und an wichtigen Terminen wie Basketballturniere und Schulaufführungen teilnehmen können. Aber auch, wenn es beim Kunden „brennt" möchte ich helfen - dabei bin ich sehr froh, auf das Verständnis meines Mannes zählen zu können. Nicht zuletzt möchte ich ausreichend Zeit für mich selbst und eben meinen Mann finden - Arbeit und Kinder für kurze, wertvolle Zeit hinter mir lassen.

Klare Ziele setzen


Seit ich arbeite, habe ich immer wieder Bilanz gezogen und mich gefragt: Wo möchte ich hin, und welche Rahmenbedingungen brauche ich dafür? Welche Antworten ich gefunden habe, zeigt mein Werdegang: Nach dem BWL-Studium in Mannheim stieg ich als Business Analyst in einem großen Pharmakonzern ein. Bei Boehringer Mannheim (heute Roche) war ich in der strategischen Planung für zwei Geschäftsfelder tätig, eine klassische Stabsfunktion, die mit viel Projektarbeit und Akquise verbunden war, und außerdem mit interessanten Auslandsaufenthalten.

Bald merkte ich, dass mir die Beratung sehr lag. In diesem Bereich wollte ich mich unbedingt weiter professionalisieren, sprich: Ich wollte lernen und wachsen. Nach drei Jahren wechselte ich zu einer kleineren Unternehmensberatung, in der mir mein Fachwissen aus der Pharmabranche sehr zu Gute kam. Ich übernahm eine Funktion in der Strategieberatung für Pharmaunternehmen mit Schwerpunkt auf Marketing- und Vertriebsthemen. Zunächst war ich in Wiesbaden tätig, dann in der Schweiz.
Schließlich ging ich für meinen Arbeitgeber zwei Jahre in die USA. Mein Mann, den ich 1995 kennengelernt hatte, machte in dieser Zeit ein Executive MBA bei Kellogg. Ende 1998 wurde mein erster Sohn in Chicago geboren. Ich nahm mir eine neunmonatige Auszeit, die ich auch für einen beruflichen Wechsel nutzte.

Pionierin in Sachen Teilzeit


Dann, im Jahr 1999, fing ich als Senior Managerin bei Accenture an. Ich kehrte damit nicht nur nach Deutschland zurück,  sondern stieg auf einer Führungsposition ein. Inzwischen bin ich im so genannten Life Sciences-Bereich für Marketing und Vertrieb im gesamten EALA-Raum (Europa, Afrika, Lateinamerika) zuständig - eine Tätigkeit mit hoher Teamverantwortung, Austausch im internationalen Kontext und komplexen Fragen, die von strategischer Bedeutung für meine Kunden sind, zumeist große Unternehmen der Pharmabranche. Zusätzlich habe ich vor kurzem für eines der Unternehmen die globale Verantwortung übernommen.

Etwas Besonders war, dass ich in meiner neuen Position von Anfang an in Teilzeit arbeitete. Damit leistete ich sozusagen Pionierarbeit, auch bei Accenture.
Möglich war das auch deshalb, weil es bei Accenture selbstverständlich ist, dass Kolleginnen und Kollegen an den Ergebnissen gemessen werden und nicht an der Zeit, die sie in einem Büro verbringen.

Die Unterstützung durch das Unternehmen war sehr wichtig, und sie zeigte sich wieder, als 2003 mein zweiter Sohn zur Welt kam. Ich nahm mir eine erneute Auszeit von neun Monaten, blieb aber im Kontakt mit den Kollegen – dabei unterstützt heute das „Parental Leavers Network“ von Accenture. Das ist ein Netzwerk für Kolleginnen und Kollegen, die Elternzeit nehmen. Es hilft einem sehr, die Verbindung zum Business-Geschehen zu halten und erleichtert den Wiedereinstieg.

Der Schritt zum Partner


2006 wurde ich zur Partnerin befördert – die Anerkennung dafür, dass  ich in den Jahren zuvor Einiges an Folge- und Neugeschäft geschaffen hatte. Die neue Position war eine erweiterte Führungsrolle, in die ich durch gezielte Trainingsprogramme hineinwuchs: Wie entwickelt man Mitarbeiter weiter? Wie handhabt man die Rollenverteilung in großen Teams? Ich lernte dabei auch eine weitere entscheidende  Sache, nämlich: Expertise, die man aufbaut, auch in den Teams zu halten. Das ist vor allem wichtig für ein Unternehmen, das seine eigentliche Wertschöpfung aus dem Wissen der Mitarbeiter bezieht.   

Ich arbeite zwar Teilzeit, trotzdem bin ich für meine Mitarbeiter ansprechbar, manchmal  nicht sofort, aber immer innerhalb von wenigen Stunden – als Führungskraft ist meine Einschätzung oft gefragt. Aber grundsätzlich muss das Team in der Lage sein, auch ohne mich zu funktionieren, denn in 25 Wochenstunden kann ich viele Aufgaben nicht alleine abdecken. Das Stichwort heißt Delegation: In meinem großen Team muss ich eine Vertrauensbasis schaffen, die auf gemeinsamen Werten und Zielvorstellungen beruht. Ich habe gelernt, loszulassen und meinen Mitarbeitern den entsprechenden Freiraum zu geben. Sie wiederum schätzen die große Verantwortung, die ich ihnen übertrage. Das Team ist hoch motiviert, begreift die Situation als Herausforderung und wächst daran.

Auch mal Nein sagen können


All dies wäre nicht möglich, wenn ich mir nicht konsequent Auszeiten nehmen würde, um meine Batterien wieder aufzuladen. Das reicht vom kurzen Kaffeetrinken zwischendurch bis hin zu einem fixen freien Tag in der Woche und regelmäßigem Urlaub mit der Familie. Meine Devise ist: Man muss Nein sagen können. Und dies ist auch meine Empfehlung für Berufseinsteigerinnen. Wenn ich Pläne mit meinen Kindern gemacht habe, halte ich diese Verabredungen ein, komme, was da kommen mag. Natürlich muss man das den Arbeitskollegen und Kunden gegenüber rechtzeitig und klar kommunizieren, so dass Aufgaben weiterhin bearbeitet werden können. Um die optimale Work-Life-Balance zu erreichen, ist eine hohe Flexibilität bei gleichzeitiger Reisetätigkeit gefragt, und gegebenenfalls müssen Arbeitsabläufe auch kurzfristig neu priorisiert werden. Accenture ist diesbezüglich für mich der ideale Arbeitgeber.
Ein ganz wichtiger Punkt ist das Networking. Gerade, weil ich nicht den ganzen Tag im Büro bin, musste ich mir ein gutes Netzwerk aufbauen. Meine Kollegen treffen sich auch mal locker zum Plaudern am Kaffeepoint, ich dagegen muss mir die Zeit zum Netzwerken ganz bewusst nehmen, denn mein Arbeitstag ist straff durchgeplant.

Berufseinsteigerinnen rate ich, sich gleich am Anfang einen Mentor zu suchen, mit dem man die jeweiligen nächsten Karriereschritte durchsprechen kann. Das Mentoring ist etwas, das im gesamten Berufsleben wichtig bleibt – denn Situationen, in denen man Rat braucht, kommen garantiert immer wieder.
 Zusammengefasst lauten meine Tipps für Absolventinnen also, sich frühzeitig klare Ziele zu setzen, ein gutes Netzwerk aufzubauen, sich einen Mentor zu suchen, zu delegieren und sich Hilfe zu holen, sich Freiräume zu schaffen und ruhig auch mal Nein zu sagen.­­

Andrea Brückner absolvierte das Studium der Betriebswirtschaftslehre in Mannheim. Seit 1999 ist die zweifache Mutter als Partner in Teilzeit bei der Unternehmensberatung Accenture tätig, wo sie die Verantwortung für mehr als 100 Mitarbeiter trägt.

Andrea Brückner rät Berufseinsteigerinnen, sich frühzeitig einen Mentor zu suchen



Die Berufseinsteigerfrage

Ist spezielle Frauenförderung eigentlich gerecht?

Die Berufseinsteigerfrage:

Stefan T. (27) aus Frankfurt am Main. schreibt uns: “Ich arbeite in einer Unternehmensberatung als Junior Berater. Mir und meinen männlichen Kollegen fällt deutlich auf, dass die weiblichen Beraterinnen von den Vorgesetzten klar bevorzugt werden. Neulich hat ein Partner dies offen damit begründet, dass es für die Firma viel schwieriger sei, Beraterinnen zu gewinnen und vor allem zu halten als männliche Berater und man von daher auch zu mehr Zugeständnissen bereit sei. Für die Kolleginnen gibt es beispielsweise spezielle Rhetorikschulungen, an denen Männer nicht teilnehmen dürfen. Ich finde dieses Vorgehen nicht in Ordnung. Meine Kollegen raten mir aber von einer Beschwerde ab, da ich sonst schnell als Mimose oder Querulant dastehen würde. Muss man als Mann eine solche Zurücksetzung einfach runterschlucken, weil Frauen es lange schwerer im Beruf hatten?"


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Diese Woche: Notes of Berlin

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In Berlin kommt alles zusammen: Verrückt- und Verruchtheit, Offenheit und Spießertum, Liebe und Hass - im deutschen Mekka für Kreative und Individualisten gibt es viel zu entdecken. Was für skurrile, poetische oder humorvolle Zettelchen und Botschaften überall in der Stadt versteckt sind, zeigt uns ...


Serie: Studenten fragen Professoren

Warum sind Hühnerküken ausgerechnet gelb?

Studenten fragen Professoren: Alltagsfragen

Frage: Warum sind Hühnerküken ausgerechnet gelb?Antwort: "Auch für Hühnerküken gilt: 'der Apfel fällt nicht weit vom Stamm'. Sowohl in morphologischen Eigenschaften, wie der Gefiederfarbe, aber auch in Merkmalen der Physiologie und des Verhaltens ähneln die Küken genetisch ihren Eltern. Das flauschigegelbe Küken ist dabei nur ein Beispiel, wie der Kükenflaum kurz nach dem Schlupf gefärbt sein kann. Aus gelben Küken entstehen zumeist weiße Hennen und Hähne. Oftmals ist bei den Küken aber auch eine spezielle Jungtierfärbung zu erkennen, die mit der ersten Mauser verschwindet. Über die Entstehung der Gefiederfarben herrscht keineswegs Einigkeit in der Wissenschaft.So finden sich in einigen Handbüchern Äußerungen darüber, dass die gelbliche Färbung der sogenannten Erstlingsdunen weißer Hü...