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Bewerbung & Berufseinstieg

Das Potenzial der Personalknappheit

In Deutschland fehlen talentierte und gut ausgebildete, junge Leute. Für die Arbeitgeber wird es dadurch zunehmend schwieriger, ihre Arbeitsplätze mit qualifizierten Fachkräften zu besetzen. Einer Studie des Beratungsunternehmens Kienbaum zufolge haben 38 Prozent der befragten Unternehmen Probleme bei der Rekrutierung von Ingenieurstalenten. Aber mal ehrlich: Das ist eure Chance!

Leere Hörsäle - je knapper ein Gut, desto wertvoller ist es.

Unter den Arbeitgebern gibt es einen regelrechten Kampf um die magere Ingenieurs-Nachkommenschaft. Mitarbeiterbindung und Mitarbeiterakquise – Maßnahmen der Mitarbeitergewinnung – werden deshalb immer wichtiger für die Unternehmen. Mit Zusatzleistungen und Sonderkonditionen, wie beispielsweise kostenlosen Weiterbildungsangeboten oder einer betrieblichen Altersvorsorge, werden die Absolventen angelockt und – im Idealfall – längerfristig an das Unternehmen gebunden.

Auch Entwicklungsmöglichkeiten sind für die neue Generation der Berufseinsteiger ein sehr wichtiges Thema: Für ganze 74 Prozent ist dies ein entscheidender Faktor bei der Auswahl des Unternehmens. Das hat zur Folge, dass auch die Talente selbst wählerischer im Hinblick auf ihre potenziellen Arbeitgeber sein dürfen und mehr Forderungen stellen können und sollten. Beim Vorstellungsgespräch beispielsweise ergibt sich so die Möglichkeit, dass der Bewerber aktiv Fragen an das Unternehmen stellen und auf persönliche Wünsche und Bedürfnisse, wie zum Beispiel interner Aufstieg oder Weiterbild­ung, eingehen kann.

Sonderkonditionen und Zusatzleistungen dienen als Lockmittel

Diese Konditionen sollten natürlich fester Bestandteil des zukünftigen Arbeitsvertrags werden und nicht nur mündlich festgehalten werden. Auch die sogenannte Employer Brand – die Arbeitgebermarke – ein vom Unternehmen gezielt vermitteltes Bild, wie die Firma von außen als Arbeitgeber wahrgenommen werden will, kann als Instrument der Mitarbeitergewinnung die Berufseinsteiger von der Attraktivität der Firma überzeugen und so deren Entscheidung stark beeinflussen. Eine anziehende Arbeitgebermarke hat somit ebenfalls eine große Bedeutung für die Nachwuchsgewinnung und den eigenen Unternehmenswert. Mit 37 Prozent wird das Thema Arbeitgeberattraktivität von den Befragten als höchste Priorität angegeben. Viele Absolventen bevorzugen deshalb die großen Firmen, die viel Geld in Employer-Branding stecken, und vergessen dabei, dass es auch viele unbekannte und kleinere Unternehmen gibt. Diese sind oftmals mindestens genauso attraktiv, können es sich nur meist nicht leisten, in teure Branding-Maßnahmen zu investieren. Es lohnt also sich umzuschauen und auch den kleinen Firmen eine Chance zu geben.

Pünktlichkeit ist nach wie vor Pflicht und keinesfalls das Zeichen für überflüssige Pedanterie.

Viele Unternehmen (77 Prozent) setzen für die Mitarbeitergewinnung auf E-Recruiting, bei denen die Bewerber durch den Einsatz elektronischer Medien erreicht werden. 22 Prozent der befragten Unternehmen nutzen Maßnahmen des Mobile-Recruiting. Die klassische Bewerbungsmappe mit ausgedruckten Dokumenten hat somit weitestgehend ausgedient. Dennoch ist es wichtig, die Bewerbungsunterlagen sorgfältig, fehlerfrei und vollständig zusammenzustellen. Denn auch wenn die Bewerbung nicht mehr in Printform verlangt wird, so bleibt sie dennoch das persönliche Aushängeschild eines jeden Bewerbers. 

Praxiserfahrung und analytische Kompetenzen haben Priorität

Auch die Kienbaum-Absolventen-Studie hat gezeigt, dass viele Bewerber dies im Zeitalter der digitalen Bewerbungen nicht mehr allzu genau nehmen, Unternehmen allerdings nach wie vor großen Wert darauf legen. Ein simpler, aber wichtiger Tipp ist daher, besondere Sorgfalt auf die Bewerbungsunterlagen zu verwenden. Beim Online-Bewerbungsverfahren der meisten Unternehmen gibt es eine vorgefertigte Bewerbungsmaske, in die man allgemeine Daten, wie Namen und Adresse eingibt und Dokumente, wie Lebenslauf, Zeugnisse und Anschreiben als An­hänge hochlädt. Am besten ist es deshalb, wenn man die Dokumente bereits vorher fertiggestellt und parat liegen hat. So erspart man sich unnötigen Stress,  lästiges Suchen und allgemein einen langwierigen und nervigen Bewerbungsprozess.

Viel Wert wird von den meisten Firmen außerdem auf strategische und analytische Kompetenzen gelegt (laut Studie 91 Prozent), sowie auf Praxiserfahrung und den akademischen Grad der Bewerber. Bachelorabsolventen haben aufgrund des bestehenden Fachkräftemangels in einigen Bereichen des Ingenieurswesens gute Einstiegsmöglichkeiten. Da der Bachelor aber nur ein gewisses Basiswissen vermittelt, reicht er nicht für alle Berufe aus. Für einige Arbeitsstellen und Aufgabenbereiche – beispielsweise Forschungsstellen in Wirtschaft und Universitäten – wird deshalb immer noch ein Master oder PhD benötigt. Es empfiehlt sich also, sich im Vorfeld darüber zu informieren, welcher akademische Grad verlangt wird. Das hilft unnötige Absagen zu vermeiden und Enttäuschungen vorzubeugen.

Die Nachwuchsgewinnung ist also eine ziemlich heikle Angelegenheit für Unternehmen, wofür diese sich immer neue Tricks ausdenken müssen, um sich die begehrten Talente zu sichern. Für euch als Nachwuchs eröffnen sich dadurch ganz neue Möglichkeiten und Chancen. Nicht nur auf finanzieller Ebene, sondern auch in Sachen Mitbestimmung und Entwicklungsmöglichkeiten tun sich ganz neue Verhandlungsspielräume für euch auf. Nutzt sie!


Autorin: Tabea Hornung




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“Nach einem Traineeprogramm bin ich seit 10 Monaten in leitender Position in einem Industrieunternehmen. Ich habe promoviert und halte mich für überdurchschnittlich qualifiziert. Mit Teamarbeit in einem überwiegend akademischem Umfeld hatte ich noch nie Probleme. In meinem Team, welches aus 22 Mitarbeitern besteht, gibt es aber gerade auf der niedrigsten Hierarchieebene Mitarbeiter, die meinen Anweisungen nicht folgen und an jeder Stelle boykottieren. Die Respektlosigkeit, mit der ich dabei konfrontiert werde, ist vollkommen neu für mich. Die Rüpelhaftigkeit, mit der mir mitgeteilt wird, man sei sowieso unkündbar und ich solle mir ‘die Sekräterinnenbande’ besser nicht zum Feind machen, macht mich sprachlos. Wie soll ich mit dieser Form des Vorgesetzten-Mobbings umgehen?“ Philip S. (29) aus Mannheim


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