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Buch

Das Herz ist ein einsamer Jäger

Von Melancholie ohne Bitterkeit

Eine Stadt voller Einzelgänger, in der alle auf der Suche nach einem Ausweg aus ihrer Einsamkeit sind. Durch Singer erhalten sie eine neue Perspektive und bemerken dabei nicht, wie ihr Freund selber an der Einsamkeit zerbricht.

"Sprecher und Zuhörer"

Die zwei Taubstummen, John Singer und Spiros Antonapoulos, wohnen in einer amerikanischen Kleinstadt im Süden des Landes. Die Menschen leben hier isoliert, in selbstgezogenen Schranken und nicht um zwischenmenschliche Beziehungen bemüht.

Spiros beginnt verhaltensauffällig zu werden und wird schließlich in eine entfernte psychiatrische Anstalt eingeliefert. John Singer ist am Boden zerstört, ihm wird nach 10 Jahren gemeinsamen Leben sein treuster Freund und "Zuhörer" genommen.

Die Einsamkeit aller

Singer lebt von nun an zurück gezogen, nimmt seine Mahlzeiten im Café New York ein und mietet sich ein Zimmer bei der Familie Kelly. In diesem Kämmerchen entwickeln sich die sehr einseitigen Freundschaften zu den Hauptfiguren. Mit seiner ruhigen, zurückhaltenden und engelhaften Art wird er bald zu einer emotionalen Stütze und einem festen Lebensbestandteil für den Cafébesitzer Biff Branon, für die junge Mick Kelly, für den Marxisten Jake Blount und für den schwarzen Arzt Benedict Copland. Sie alle kommen mit den verschiedensten Problemen zu ihm, Singer ist während er ihnen zuhört jedoch in Gedanken ganz bei seinem Freund.

Das Ende

Alle fünf sind auf ihre Weise einsam und suchen Unterstützung und einen Ausweg aus ihrer Situation durch Singer. Sie ahnen nicht, dass der Taubstumme ebenso unter der Einsamkeit und der Sinnlosigkeit des Daseins leidet. Als John Singer vom Tod seines griechischen Freundes erfährt, erschießt er sich in seinem Zimmer. Seine Freunde bleiben geschockt zurück und müssen sich wieder auf sich selbst besinnen.

Fazit

Das Herz ist ein einsamer Jäger ist faszinierend, die verschiedenen Charaktere zeichnen ein Bild von Persönlichkeiten in den verschiedenen Stadien ihres Lebens:

Die junge, hoffnungsvolle Mick Kelly, auf der Suche nach Musik und Ästhetik in einer trostlosen und wenig animierenden Umgebung. Jake Blount, der Revoluzzer. Dr. Copeland, der sich mehr Gerechtigkeit und Aufklärung für die Menschen und vor allem für Schwarze wünscht. Biff Branon, der unglücklich verheiratete Wirt mit brennendem Herzen, das für ein junges Mädchen schlägt.

Um diese Personen zieht sich Mr. John Singer wie ein roter Faden: Zu ihm kommen sie um über ihre Probleme zu reden.

Die Autorin versteht es durch Perspektivenwechsel alle Personen in den Focus zu rücken. Auch politische Bezüge lassen sich im Buch finden, so spüren schon die Kinder in den USA den wachsenden Antisemitismus und Rassismus.

Obwohl es den Menschen am Ende des Buches schlechter geht als zu Beginn, versprüht das Buch eine sensible, melancholische Stimmung, ganz ohne Bitterkeit. Man kann nicht aufhören zu lesen und möchte die Menschen auf dem Weg aus ihrer Einsamkeit begleiten. Ein wunderbares Buch.

JD 

Carson McCullers

Das Herz ist ein einsamer Jäger

320 Seiten

9,90 Euro

diogenes

 

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