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Karriereplanung, Studientipps

Das ewige Aufschieben. Wege aus der Prokrastination

Viele kennen das Problem: Irgendwie will es mit der Abschlussarbeit einfach nicht vorangehen. Man könnte ja noch das Zimmer aufräumen oder seine Eltern mal wieder anrufen, aber sich einfach diszipliniert an die Hausarbeit setzen? Fehlanzeige. Woher kommt das Vermeidungsverhalten und wie geht man dem Prokrastinieren an den Kragen? Antworten darauf hat Dipl.-Psych. Josef Linus Löbke.

Prokrastination (vulgo: Aufschieberitis) ist – nicht nur, aber vor allem auch – bei Studierenden sehr weit verbreitet. Vor Prüfungen, insbesondere aber auch im Zusammenhang mit schriftlichen ­­(Abschluss-) Arbeiten, tritt dieses allseits bekannte Phänomen regelmäßig auf. ­Es führt dazu, dass Studierende sich mit allen möglichen, aber auch unmöglichen Aktivitäten beschäftigen, um nicht das tun zu müssen, was sie eigentlich tun sollten.

Dass insbesondere bei der Anfertigung wissenschaftlicher Abschlussarbeiten diese Schreibblockaden auftreten, dürfte vor allem daran liegen: Die subjektiv empfundene Bedeutung der Arbeit – und damit der eigene Erwartungsdruck – steigt oft ins Unermessliche. 

So baut sich der Druck auf

Die Arbeit soll gewissermaßen der krönende Abschluss des Studiums werden. Eine Arbeit, mit der man der Scientific Community beweisen möchte, dass man der hohen Weihen einer Akademikerlaufbahn auch wirklich würdig ist. Außerdem wird diese Arbeit häufig auch als Visitenkarte angesehen, mit der man sich in den harten Konkurrenzkampf auf dem Arbeitsmarkt begibt. Und da es ja bekanntlich keine zweite Chance für den ersten Eindruck gibt, ist es ungemein wichtig, dass diese Arbeit nicht nur gut, sondern wirklich perfekt ist. Jede Arbeit sogenannter Perfektionisten muss ­ohnehin ausnahmslos immer den eigenen perfektionistischen Maßstäben ­entsprechen. Dabei spielt es keine Rolle wie die tatsächlich existierenden Bewertungsmaßstäbe und Beurteilungskriterien der Außenwelt aussehen.

Lieber nichts abliefern, als eine schlechte Leistung

Ist die Diskrepanz zwischen den eigenen, häufig perfektionistisch überhöhten Ansprüchen und dem oft geringen Selbstvertrauen, das heißt dem mangelnden Vertrauen in die eigene Kompetenz/Leistungsfähigkeit, sehr groß, so besteht die Gefahr einer Schreibblockade. Im Angesicht drohenden Scheiterns ist Aufschieben und Nichtstun – scheinbar – die Methode der Wahl, um zu verhindern, dass sich massive Unlust- und Insuffizienzgefühle einstellen! Wer nichts tut, macht ja bekanntlich auch nichts falsch beziehungsweise keine Fehler!

Schreibblockaden oder das damit einhergehende Prokrastinationsverhalten sind jedoch kein unabwendbares Schicksal, da es mittlerweile eine Reihe von erprobten Empfehlungen im Umgang mit diesem weit verbreiteten Phänomen gibt. Eine sehr bewährte Strategie im Umgang mit Schreibblockaden besteht beispielsweise darin, in einen anderen Schreibmodus umzuschalten. Zunächst einmal blendet man bewusst die Tatsache aus, dass der geschriebene Text von anderen Menschen gelesen – und natürlich auch bewertet – wird.

Der Anfang ist bereits "die Hälfte des Ganzen"

Man stellt sich vor, dass man nur für sich schreibt. Man wechselt zur Methode des ‚free writing‘ – also einfach drauf los schreiben, ohne kritisch zu reflektieren, zu bewerten oder nach geeigneteren Formulierungen zu suchen. Man schreibt quasi wie man spricht. Eine vorgeschaltete Übung kann tatsächlich darin bestehen, in den Erzählmodus umzuschalten. Teile der Arbeit werden üblicherweise ohnehin nach dem sogenannten Baukas-tenprinzip angefertigt. Sprich, sie werden immer mal wieder geändert und umformuliert. Da die anfänglichen Formulierungen somit nicht die abschließenden sein werden, kann man zunächst einmal auch mit vergleichsweise wenig eloquenten, umgangssprachlichen Formulierungen beginnen. Der Anfang ist dann jedoch gemacht, und der Anfang ist ja – Aristoteles zufolge – bereits „die Hälfte des Ganzen“.

Kommt Zeit, kommt Rat?

Hüten sollte man sich insbesondere vor der weit verbreiteten Illusion, dass mehr Zeit für die Anfertigung der Arbeit die Lösung des Problems darstellt, denn noch immer gilt der von C. Northcote Parkinson (‚Parkinsons Gesetz‘) 1957 formulierte Satz: „Work expands so as to fill the time available for its completion.“



Über den Autor:
Dipl.-Psych. Josef Linus Löbke studierte an der FU Berlin. Er arbeitet beim Studentenwerk Greifswald und berät als Psychologischer Berater Studierende in Greifswald, Neubrandenburg und Stralsund unter anderem zu Studienschwierigkeiten, Arbeitsstörungen sowie Stressbewältigung und Prüfungsangst.




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