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Bewerbung & Berufseinstieg, Karriereperspektiven, Absolventen

Das Bewerbungsgespräch mit links meistern

Das Vorstellungsgespräch ist die Feuerprobe jeder Bewerbung. Autor und Bewerbungscoach Christian Püttjer verrät im Interview mit Tabea Hornung, wie man sich am besten auf Vorstellungsgespräche vorbereitet, seine Chancen optimiert und was Arbeitgeber von einem High Potential erwarten.

Herr Püttjer, wie sieht Ihrer Meinung nach die perfekte Vorbereitung auf ein Vorstellungs- gespräch aus?
Der Bewerber sollte sich erst mal mit den einzelnen Schritten vertraut machen, wie ein Auswahlverfahren abläuft. Das heißt, ich muss mich damit auseinandersetzen, wie ich – unabhängig von Noten und Studiengang – kurz und prägnant in Telefoninterviews überzeuge. Ich sollte dafür, wie auch für das spätere Vorstellungsgespräch, eine Selbstpräsentation aus dem Lebenslauf heraus ausarbeiten. Das heißt, dass man in unterschiedlichen Situationen in einer unterschiedlichen Komprimierung über seine bisherige Entwicklung Auskunft gibt. Typische Einstiegsfragen sind: ,Erzählen Sie etwas über sich', ,Was müssen wir wissen?', ,Skizzieren Sie Ihren Lebensweg'. Dazu passt es immer, wenn Sie an dieser Stelle dann Ihre Präsentation vortragen. Die Selbstpräsentation ist daher DER Sicherheitsanker des Vorstellungsgesprächs und sorgt bei guter Vorbereitung schon mal für einen sehr guten Start. Deswegen würde ich auch vorschlagen, so eine Präsentation auch ein paar Mal laut aufzusagen – vielleicht auch mit einem Rollenspiel, mit einem Freund oder jemandem aus der Familie.

Dann muss ich mich mit meinen Stärken und Schwächen auseinandersetzen und sie glaubhaft darstellen können. Schwächen werden allerdings nur auf Nachfrage beantwortet oder erläutert. Die Frage nach Schwächen wird heute auch in ganz vielen unterschiedlichen Formulierungen gestellt, damit es nicht ganz so auffällt. Weiterhin muss ich mich unbedingt mit den Anforderungen in der Einstiegsposition auseinandergesetzt haben, um Fragen wie ,Was glauben Sie ist der Schwerpunkt in der Position?' oder ,Was denken Sie werden Ihre Aufgaben sein?' ohne Zögern beantworten zu können.

Der nächste Punkt, über den man Bescheid wissen muss, sind Selbstbild und Rahmendaten über das Unternehmen. Man muss sich also gut informieren und auch darüber klar werden, ob das Vorstellungsgespräch auf Deutsch und/oder Englisch geführt wird, um sich nicht zu blamieren. Das wird nämlich nicht immer vorher gesagt. Es gibt natürlich Anhaltspunkte dafür, wie wenn die Stellenausschreibung, die Bewerberansprache oder die Geschäftssprache Englisch ist, dann muss ich damit rechnen. Was auch gerne gemacht wird – gerade wenn sehr gute Englischkenntnisse oder Internationalität erwartet werden –  ist, dass man den Bewerber die Selbstpräsentation noch einmal auf Englisch erzählen lässt. Ein weiterer Punkt, der immer wichtig ist, ist, dass man in der Lage sein muss seinen Einstiegswunsch zu begründen (,Warum dieses Unternehmen/dieser Tätigkeitsbereich?') und selber aktiv Fragen zu stellen, die das persönliche Interesse zeigen. 

Gleich, wie digitalisiert die Arbeitswelt ist - im persönlichen Vorstellungsgespräch ist tadellose Optik das Gebot der Stunde.

Welche Fragen sollten Bewerber an das Unternehmen stellen?
Sehr gut geeignet sind Fragen, die inhaltlich geprägt sind, das heißt ,Wie werde ich in die Entscheidungswege im Unternehmen eingebunden?', ,Wer zeichnet meine Arbeitsergebnisse ab?', ,Wer bewertet sie?', ,Gibt es einen Mentor, einen Ansprechpartner für mich –  besonders in der Einarbeitungszeit?'. Das sind sehr schöne Fragen, die ganz klares Interesse verdeutlichen.

Was erwarten Arbeitgeber denn überhaupt von einem High Potential-Bewerber? Was sollte dieser mitbringen, um dieser Bezeichnung auch gerecht zu werden?
Das sind auf der formalen Ebene natürlich Noten – überdurchschnittliche Studienleistungen. Die meisten Arbeitgeber, die sich an High Potentials richten, erwarten auch erste Einblicke – also methodische Kompetenzen im Arbeitsfeld – und Internationalität. Aber auch gesellschaftliches oder extrakurrikulares Engagement wird sehr positiv bewertet.

Was ist eigentlich das Besondere an Vorstellungsgesprächen von High Potentials?
Worin unterscheiden sie sich von einem Bewerbungsgespräch, bei dem es zum Beispiel um eine Arbeitsstelle als Verkäufer geht?

Die Besonderheiten sind, dass man von High Potentials vertiefte Einblicke in das spätere Arbeitsfeld erwartet. Also während man den ,üblichen' Bewerbern eine gewisse Orientierungsphase zugesteht, ist es bei High Potentials so, dass man dort eine stärkere Fokussierung erwartet. Möchte jemand ins Controlling? Oder eher ins Rechnungswesen? Vielleicht lieber strategisches Consulting? Man sollte vor allem in seinem Studium – und das ist eigentlich die erste und auch eine der wichtigsten Vorbereitung – mit Leuten reden, die in diesem Arbeitsbereich tätig sind. Zum Beispiel auf Bewerberkontaktmessen, bei Firmenvorträgen, et cetera. Das hilft, den eigenen Aufgabenbereich zu erkunden und generell möglichst viele Kontakte knüpfen. Für High Potentials beginnt das Networking somit viel früher als für andere. Und wir haben heute eine sehr starke Fokussierung auf methodische Kompetenzen. Das ist der Unterschied zwischen High Potentials und den üblichen Bewerbern.

Pünktlichkeit! Daran führt definitiv kein Weg vorbei.

Was sind absolute No-Gos bei einem Vorstellungsgespräch und was sollten unsere Leser unbedingt vermeiden oder auch beachten?
Ganz wichtig ist, dass ich über mich erzählen und alle Fragen beantworten kann. Peinliches Schweigen beziehungsweise ein Bruch im Gespräch sollte unbedingt vermieden werden.
Ein absolutes No-Go im Bewerbungsgespräch sind außerdem negative Impulse beziehungsweise problemorientiert zu sein, statt lösungsorientiert. Man sollte nicht von sich aus auf Probleme oder Krisen eingehen, sondern nur dann, wenn man eben direkt nach einer Schwäche gefragt wird. Dann darf man dazu was erzählen, aber lieber nicht von sich aus. Also: Immer positiv bleiben!
Die allerletzte Sache noch: Wer Lücken im Lebenslauf hat oder Stolpersteine, wie ein Studienfachwechsel, Uniwechsel, nicht ganz so gute Noten, sollte sich im Vorfeld eine gute Erklärung dazu überlegen.

Haben Sie als Karriereprofi noch einen persönlichen Tipp oder Ratschlag für unsere Leser?
Viele High Potentials wollen ins Consulting. Dort muss man sich zusätzlich darauf einstellen, dass es den einen oder anderen Brainteaser gibt. Das sind kleine Aufgaben, mit denen die analytische Kompetenz geprüft wird – wie zum Beispiel ´Wie viele Smarties passen in einen Smart?` oder ´Wie viele Tennisbälle passen in einen Jumbo?` Und ruhig nochmal ein bisschen grundlegend Mathe wiederholen. Dreisatz, Einheiten verschieben und mit Bezugsgrößen arbeiten können – das sollten alle, die ins Consulting gehen, sich nochmal gut anschauen.

Was ist zurzeit Ihre aktuellste Buchveröffentlichung zu diesem Thema, die eventuell auch für unsere Leser von Bedeutung sein könnte?
Mein aktuellstes Buch zum Thema, das ich zusammen mit meinem Kollegen Uwe Schnierda geschrieben habe, heißt ´Trainingsmappe Vorstellungsgespräch – Die 200 entscheidenden Fragen und die besten Antworten` und soll als Übersetzungshilfe dienen zwischen den Anforderungen, die die Personalabteilungen stellen und dem, was Bewerber vermitteln möchten.

Auf Ihrer Homepage karriereakademie.de habe ich gesehen, dass Sie auch sogenannte E-Learnings anbieten – was ist das?
Wir verstehen uns als Dienstleister rund um die Bewerbung und da wir das immer wieder erleben, dass es typische Fallstricke gibt, in die die Bewerber reinfallen, haben wir gesagt,  wir stellen nicht nur Bewerbungsmuster als Downloads zur Verfügung - also jeweils berufsfeldbezogene Lebensläufe und Anschreiben - sondern machen auch mal E-Learning-Kurse. Diese gibt es zu den Themen Vorstellungsgespräch, aber auch zu Assessment-Center-Übung, damit die Leute sich im Vorfeld mit der Situation vertraut machen können. Die E-Learnings kosten um die zehn Euro bei uns und sind somit eine relativ kostengünstige, aber effektive Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch. Diese ganzen E-Learning-Module sind auch für Einsteiger geeignet. Es gibt sie zu den Bereichen Produktmanagement, Vertrieb, Einkauf, Logistik, Online-Marketing, Controlling, Rechnungswesen, Produktion und IT. Daneben haben wir noch viele Tipps und Infos allgemeinzugänglich und kostenfrei in unserem Karriereblog, beispielsweise die 100 am häufigsten gestellten Fragen in Vorstellungsgesprächen.


Christian Püttjer ist seit 1992 gemeinsam mit seinem Kollegen Uwe Schnierda als Berater und Trainer in den Bereichen Bewerbung, Karriere und Rhetorik tätig. Sie haben ein gemeinsames Unternehmen namens Karriereakademie (www.karriereakademie.de) und veröffentlichten Ratgeber, in denen sie ihre Erfahrung mit vielen Tipps und Übungen weitergeben.



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Merkt euch den Rabattcode academicworld, denn dieser gilt ab heute, 13.04.2016, für 4 Wochen bei Bestellungen auf www.karriereakademie.de - und gewährt euch 30 Prozent Nachlass auf die gesamte Bestellung: sowohl auf E-Learnings zum deutschen oder englischen Vorstellungsgespräch oder auch auf PDF-Downloads: Arbeitszeugnis, Zwischenzeugnis, englische Anschreiben  und Lebensläufe und alle anderen!




Die Berufseinsteigerfrage

Die Berufseinsteigerfrage:

Angelika W. (25) aus Hamburg schreibt uns: Nach meinem BWL-Studium habe ich einen Traineeship begonnen. Das Arbeitsklima unter den Kollegen ist super und die Arbeit macht mir Spaß. Anders sieht das Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeitern aus. Wir bekommen für unseren Einsatz nur wenig Anerkennung. Ich bin neu in der Firma und habe Angst meinen Job zu verlieren, wenn ich Kritik gegenüber meinem Chef äußere. Wie soll ich mit dem Konflikt umgehen?


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Diese Woche: Notes of Berlin

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In Berlin kommt alles zusammen: Verrückt- und Verruchtheit, Offenheit und Spießertum, Liebe und Hass - im deutschen Mekka für Kreative und Individualisten gibt es viel zu entdecken. Was für skurrile, poetische oder humorvolle Zettelchen und Botschaften überall in der Stadt versteckt sind, zeigt uns ...