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Leben und Überleben mit Johannes "Joe" Vogel

Cook it, peel it or forget it?

Der heutige Beitrag ist ein Vorabdruck aus meinem neuen Buch "Pflanzliche Notnahrung" (erscheint im Februar im Verlag Pietsch) und beschäftigt sich mit der Frage, ob man pflanzliche Nahrung vorbehandeln muss und welche Gefahr wirklich vom Fuchsbandwurm ausgeht.

Feldsalat. Bild: imagebase.davidniblack.com

Eine häufig zitierte Regel – insbesondere in Reiseführern über Tropenländer – ist, dass pflanzliche Nahrung nur gekocht oder geschält verzehrt werden darf. Das mag seine Berechtigung darin haben, dass es oftmals in Reiseländern nicht die europäischen Standards gibt, was Hygiene insbesondere während der Ernte oder der Verarbeitung angeht. Ich durfte schon einige Male unfreiwillig Zeuge werden, wie sich Bauern auf ihren Feldern während des Erntens von Reis oder Gemüse kurz in die Hocke begaben, um sich wenige Momente später, sichtlich erleichtert, wieder vollständig der Arbeit zu widmen.

Sicherheit vs. Reise-Lebensqualität?

Trotz dieser Erlebnisse habe ich mich in jedem bereisten Land von der gesamten Breite verfügbarer Speisen ernährt, die auch die mittellose Landbevölkerung zu sich nimmt. Inklusive »medium cooked chicken«, ungewaschenem Gemüse, Wasser mit dem Gemeinschaftsbecher aus der Regentonne und manchmal (eine Todsünde unter »Lonely Travellern«) sogar Cola mit Eiswürfeln.

Bis jetzt wurde ich noch nicht einmal richtig von Montezuma heimgesucht, geschweige denn von Würmern oder anderen Parasiten. Auch wenn das Risiko einer Infektion tatsächlich besteht, ist es mir das persönlich durch die somit erlebten kulinarischen Abenteuer allemal wert. Dies soll selbstverständlich keine Empfehlung zum Verhalten auf Reisen in Entwicklungsländern sein, zeigt aber dennoch, dass die wahrgenommene Gefahr nicht immer dem tatsächlichen Risiko entspricht.

Ähnlich können wir die Lage am Waldrand oder auf einer Lichtung einschätzen. Wir wissen, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Tiere irgendwo ihre Hinterlassenschaften inklusive Parasiteneier und Fäkalbakterien gelassen haben müssen.


Der Survival-Experte auf academicworld.net

Johannes "Joe" Vogel, Jahrgang 1984, macht in Krze seinen Doktor in Biologie an der Uni Karlsruhe. 
Seine Bcher "Tierische Notnahrung. berleben in der Natur" und "Outdoor Survival mit dem Messer" (erschienen im Verlag Pietsch) gelten bereits als Standardwerke der Outdoorliteratur. Im Februar erscheint sein neuestes Buch "Pflanzliche Notnahrung".

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Gefahr Fuchsbandwurm?

Wie groß ist jedoch tatsächlich die Gefahr der ungewollten Aufnahme dieser Kotreste? Ist es gar notwendig, alle grünen Pflanzenteile zu garen und auf frische Pflanzenteile zu verzichten?

Diese Frage lässt sich mit einem einzigen Satz beantworten: Sie können sich in Europa beim Sammeln prinzipiell alles Mögliche »holen«, aber nichts Gefährliches oder Bleibendes, insbesondere keinen Fuchsbandwurm. Der kleine Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis verunsichert schon seit Jahrzehnten Wildpflanzensammler in Mitteleuropa. Wir wissen nach aktueller Datenlage, dass die Infektion des Menschen mit dem Fuchsbandwurm nicht durch den Verzehr von kontaminierten Beeren oder Kräutern erfolgt, sondern durch aufgestäubte und eingeatmete Eier.

Jene entstammen eingetrockneten Kotresten im Fell von Füchsen oder Haustieren, die sich ihrerseits durch das Fressen einer infizierten Maus angesteckt haben.

Eine andere Wahrheit ist jedoch, dass Sie sich mit allen anderen Band- oder Spulwurmarten, die den Menschen befallen, infizieren können. Die Übertragung dieser Parasiten durch den Verzehr ausgeschiedener Eier ist ihr normaler und sehr effektiver Infektionsweg.

Die gute Nachricht ist, dass keine dieser möglichen Infektionen ein ernsthaftes Risiko für einen gesunden Menschen darstellt. Vielmehr ist der Mensch evolutionär auch sehr gut an Parasitenbefall angepasst und kommt damit klar. Sie könnten theoretisch dauerhaft mit ihnen leben.

Falls Sie einige Wochen nach dem Verzehr von rohen Pflanzen Teile eines Bandwurms oder einen Spulwurm im Stuhl feststellen, ist das deshalb kein Grund zur Panik. Eine nur wenige Tage dauernde, gut verträgliche Wurmkur mit dem Wirkstoff Mebendazol reicht aus, um sie von allen ungewollten Bewohnern des Darms zu befreien.

Regelmäßiges Training der Darmflora 

Für Sie bedeutet das im Nahrungsnotfall, dass Sie sich in der Regel keine Gedanken über die etwaige Kontamination durch Tiere oder »ungesunde« Stoffe machen müssen. Man sollte vermeiden, von Stellen Nahrung zu entnehmen, die von Tieren bevorzugt als Abort verwendet werden. Hier besteht das tatsächliche und nicht kalkulierbare Risiko einer Durchfallerkrankung, die Wasser- und Nahrungsverlust bedeutet.

Bei in großen Gruppen oder Feldern stehenden Pflanzen ist dieses Risiko jedoch sehr gering und würde nur durch das kurze Erhitzen aller Pflanzenteile vollständig ausgeschlossen werden.

Wenn Sie dagegen auch zu Hause regelmäßig rohe Wildpflanzen zu sich nehmen, eignen Sie sich durch die in kleinen Mengen aufgenommenen Erreger eine außerordentlich stabile Darmflora an. Diese kann dafür verantwortlich sein, dass Sie selbst beim Verzehr von kontaminierter Nahrung keinen Durchfall bekommen.

Gifte auf den Pflanzen sind im Verhältnis zu den ständig auf uns wirkenden Schadstoffen in der Stadt, in Zimmern mit ausdampfenden Kunststoffen oder eingeatmeten Verkehrsabgasen völlig unproblematisch.

Zehn Bücher zu gewinnen!

Mehr wissen und gewinnen! Wir verlosen zehn Exemplare von 

Johannes Vogel. Pflanzliche Notnahrung - Survivalwissen für Extremsituationen
19,95 Euro, Verlag Pietsch.

Zur Teilnahme an der Verlosung reicht eine E-Mail mit deiner Anschrift. 
Deine Daten werden selbstverständlich nicht weitergegeben. 
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

 




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