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Fernweh

China in my hands!

Mein Name ist Philipp Sälinger, ich bin 22 Jahre alt und studiere an der Wiesbaden Business School Business Administration im fünften Semester. Eigentlich. Denn mein Praktikum führt mich ans wunderschöne Ende der Welt.

Philipp in Qingdao, laut Studie die lebenswerteste Stadt Chinas

Da wir in unserem Studium ein mindestens dreimonatiges Pflichtpraktikum absolvieren müssen, begab ich mich auf die Suche nach einem Praktikumsplatz im Ausland. Mich reizte dabei ganz besonders ein Praktikum im Reich der Mitte, sowohl aus kulturellen als auch aus wirtschaftlichen Aspekten. Von einem Freund wurde ich dann auf das Unternehmen "Intern China" aufmerksam gemacht. Meine Initiativbewerbung für die Agentur, welche sich darauf spezialisiert hat Praktika in den Küstenstädten Zhuhai und Qingdao zu vermitteln, war gleich ein Volltreffer. Da "Intern China" für das Office in Qingdao zufällig jemanden für die Marketingabteilung suchte, die Aufgabenbeschreibungen sich super anhörten und das Bewerbungsgespräch positiv lief, unterschrieb ich den Praktikumsvertrag und buchte meine Flüge.

Besser hätte es nicht laufen können, erste Bewerbung, erste Zusage. Fragt man in Deutschland nach bekannten chinesischen Städten, so hört man aller Wahrscheinlichkeit nach Peking, Shanghai und Hong Kong  – wenn man letztere dazuzählt, Qingdao wird wohl unerwähnt bleiben. Es ist interessant wie wenig Städte uns bekannt sind, so gibt es in China unglaubliche 42 Millionenstädte, zum Vergleich, in den  USA sind es lediglich neun.

Meine Stadt: Qingdao; Mein Bier: Tsingatao

Nach knapp zwei Monaten Qingdao kann ich sagen, dass sie definitiv eine sehenswerte Stadt und ein absoluter "Geheimtipp" für Ausländer ist. Wie ich mir von einigen Chinesen habe sagen lassen, sogar die vielleicht schönste Stadt Chinas. 2009 kam ein chinesisches Institut aus Hong Kong zum gleichen Ergebnis und kürte Qingdao zur lebenswertesten Stadt Chinas. Mit seinen 8,5 Millionen Einwohnern in der Metropolregion hat sie allerhand zu bieten und ist absolut nicht mit Peking oder Shanghai zu vergleichen. Die Spuren aus der Kolonialzeit (1898 bis 1914) als Deutsche Qingdao besetzten sind unübersehbar. Was einem als bekennender Bierfreund auch zu Gute kommt, ist die 1903 von Deutschen gegründete Brauerei. Das "Tsingtao" Bier ist dem ein oder anderen vielleicht auch aus Deutschland bekannt und absolut empfehlenswert.

Eine gemütliche 8,5 Millionen-Metropole

Was mir hier besonders gut gefällt, ist die Mischung aus moderner Großstadt mit beeindruckender Skyline und dennoch gemütlichem Flair. Direkt am Meer gelegen laden die zahlreichen Strände zum Entspannen nach der Arbeit oder am Wochenende ein. Wer gerne wandert oder klettert, kommt in Lao Shan voll auf seine Kosten. Vom Stadtzentrum aus fährt man in einer knappen Stunde in die Berge. Idealerweise mietet man sich für ein Wochenende ein Haus oder eine Ferienwohnung, alles natürlich zu studentenfreundlichen Preisen. Wer gerne in Clubs feiert ist in Qingdao mit Sicherheit nicht so gut aufgehoben wie in den bekannten Metropolen. Wer dagegen eher auf gemütliche Abende in Bars oder am Strand steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Ein echter Geheimtipp ist das Beach-BBQ am Beach No. 3, dort lassen sich die gegrillten chinesischen Köstlichkeiten direkt am Strand, bei traumhaftem Blick über die Skyline genießen.

Was ich in Deutschland auf jeden Fall auch vermissen werde, sind die ausgiebigen Massagen nach der Arbeit. Der Clou sind, wie immer, die Preise. Eine dreißigminütige Rückenmassage bekommt man für 60 Yuan, etwa sechs Euro. Was mich mit am meisten fasziniert ist die Preisspanne, so kann man ohne weiteres zu deutschen Preisen oder auch deutlich darüber Essen gehen, man kann aber genauso gut ein „all you can eat and drink“-Dinner für 40 Yuan genießen. China ist eben das Land der Gegensätze. Das fällt vor allem in den Größstädten auf. Nirgends habe ich mehr Oberklasseautomobile gesehen wie hier, und das ist, bei einer Importversteuerung von bis zu 60 Prozent, schon beachtlich.

Ein Highlight hier war das Qingdao International Beer Festival 2011. Das größte Bierfest Asiens ist mit rund drei Millionen Besuchern etwa halb so groß wie das Münchner Oktoberfest, preislich aber absolut ebenbürtig. Daher finden hauptsächlich nur reichere Chinesen den Weg dorthin und umso erstaunlicher, und erfreulicher für uns, war es, dass sie nach der Einverleibung der ersten Tsingtaos sehr spendabel waren. Für die Chinesen ist man dort als Ausländer, besonders wenn man in der Gruppe unterwegs ist, ein absoluter Kameramagnet, worunter nach einigen Stunden hauptsächlich die Blonden unter uns "litten".

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