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Bildung

Bildung und Service

Die Urlaubzeit ist gerade um, doch ein Flughafen steht nie still. Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer der Flughafen Hamburg GmbH, spricht mit Franziska Wille über Bildung, Service am Kunden und gibt Tipps für heutige Berufsstarter.

Gesprächspartner von Bildungsexpertin Franziska Wille:
Claus-Dieter Wehr, Geschäftsführer der Flughafen Hamburg GmbH

Herr Wehr, Sie selbst haben mit Ihrem Ingenieurdiplom und dem MBA eine vorbildliche Karriere vorzuweisen. Wer hat Sie dazu gebracht? Wurden Sie vom Elternhaus geprägt?

Mein Elternhaus hat mich eigentlich nur bezüglich der Begeisterung für die Luftfahrt geprägt. Im Familienkreis wurden andere berufliche Wege eingeschlagen. Mein Interesse für das Ingenieurswesen war bereits während der Schulzeit ausgeprägt. Schon vor der Oberstufe war mir bewusst, dass ich Maschinenbau studieren möchte. Daher habe ich in der Oberstufe als Leistungskurse eher Fächer belegt, mit denen ich später nichts zu tun hatte, die aber für die Allgemeinbildung wichtig sind (Geschichte, Biologie, Mathematik und Deutsch). 


Nach dem Studium bin ich in den ersten Jahren nach dem Berufseinstieg mehr und mehr mit betriebswirtschaftlichen Themen konfrontiert worden. Nach sieben Jahren im Beruf wuchs damit der Drang die betriebswirtschaftliche Theorie zu vertiefen und mein damaliger Arbeitgeber unterstützte ein berufsbegleitendes MBA-Studium. Das war zu der Zeit sehr innovativ, ein Grund mehr für mich, die ISS in ihrem Programm zu unterstützen.

Welchen Bildungsweg können Sie empfehlen?

Die Frage muss sehr individuell betrachtet werden. Die Wirtschaft braucht ja nicht nur gut ausgebildete Akademiker sondern auch Praktiker. Eine solide Schulausbildung vor allem mit Sprachen ist aus meiner Sicht extrem wichtig. Die Frage nach einer Lehre oder dem Abitur mit anschließender Hochschulausbildung ist stark von persönlichen Neigungen abhängig. Auch nach einer Lehre kann ja noch das Abitur oder eine weitere Ausbildung folgen. Glücklicherweise erschließt der zweite Bildungsweg ja vielfältige Möglichkeiten. Man muss nicht immer studieren, um einen erfolgreichen Berufsweg einzuschlagen, der einem auch Spaß macht. Wichtig ist, zu wissen, was man will.

Welche Rolle sprechen Sie Sprachen zu? Verlieren die romanischen Sprachen an Bedeutung und wir sollten alle chinesisch lernen?

Sprachen spielen eine ganz wesentliche Bedeutung in unserer globalen Welt. Mindestens zwei Fremdsprachen, neben der Muttersprache sollte man heute können. Ich denke, Englisch wird in der Geschäftswelt noch viele Jahre eine dominante Bedeutung haben. Spanisch dürfte von Vorteil sein, aufgrund der zunehmenden Bedeutung von Ländern im süd- und mittelamerikanischen Raum und natürlich auch Chinesisch (Mandarin).

Wie bilden Sie am Flughafen aus? Gibt es duale Studiengänge?

Hier am Hamburg Airport gibt es insgesamt sieben Ausbildungsberufe: IT-System-Elektroniker/-in, Industriemechaniker/-in, Elektroniker/-in Betriebstechnik, Bürokaufmann/-frau, Servicekaufmann/-frau im Luftverkehr, Fachinformatiker/-in (werden allerdings 2013 nicht ausgebildet) und das Duale Studium Bachelor of Science BWL.

Welche Wünsche äußern Ihre Mitarbeiter bezüglich Weiterbildung?

Da wir eine Mitarbeiterschaft haben, die sehr unterschiedliche Aufgaben und berufliche Hintergründe hat (vom Personal, welches die Flugzeuge belädt, über Mitarbeiter in der Lounge bis zur Feuerwehr), sind natürlich auch die Wünsche bzgl. Weiterbildung sehr unterschiedlich. Wir haben eine breite Palette von internen Weiterbildungsmöglichkeiten und nutzen gezielt natürlich auch Angebote externer Institute.

Meinen Sie, dass ein Unternehmen seine Mitarbeiter durch Weiterbildung längerfristig halten kann?

Berufsbegleitende Weiterbildung ist sicherlich ein wichtiger Motivator, der auch Mitarbeiter/innen im Unternehmen hält. Wichtiger ist aus meiner Sicht aber eine gezielte Weiterbildung, die sich nach den Bedürfnisses des Unternehmens und den Neigungen/Interessen des Mitarbeiters richtet.

Letztendlich zahlt sich eine Weiterbildung für alle Beteiligten nur aus, wenn das Gelernte auch in der Praxis eingesetzt werden kann.

Was sagen Sie zum aktuellen Führungskräftemangel? Stellen Sie Mitarbeiter aus dem Ausland ein?

Wir stellen derzeit in sehr spezifischen Bereichen einen Fachkräftemangel fest. Bei Führungskräften haben wir als interessanter Arbeitgeber nach wie vor eine gute Auswahl, sodass wir noch nicht auf Bewerber aus dem Ausland angewiesen sind bzw. dort aktiv auf die Suche gehen müssen.

Dennoch sind wir bzgl. der Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sensibilisiert und befassen uns aktiv mit Konzepten um auch weiterhin als attraktiver Arbeitgeber zu gelten. Hier gibt es im Rahmen der demografischen Entwicklung ja viele Aspekte, die berücksichtigt sein wollen (etwa auch der Wissenstransfer und die Wissenssicherung im Unternehmen).

Sie sind seit sieben Jahren in Hamburg, wie entwickelt sich die Stadt, was erwarten Sie in den nächsten Jahren, auch in Bezug auf Bildung?

Hamburg ist eine Stadt in der sich unglaublich viel bewegt. Hier denke ich nicht nur an die großen Projekte, wie die Elbphilharmonie, die trotz der schwierigen Diskussionen um Baukosten und Termine ein großartiger Bau werden wird, der für Hamburg ein Magnet sein wird, sondern auch an kleinere Entwicklungen, die das Leben in der Stadt prägen. Was an kulturellen, sportlichen und auch Sonderanlässen, z.B. den Cruise Days, in Hamburg geboten wird ist einmalig. Dass dies junge Menschen anzieht ist natürlich für eine Stadtentwicklung ganz wichtig.

In Bezug auf die Bildung erwarte ich in den kommenden Jahren besondere Herausforderungen. Die öffentlichen Gelder für Bildungseinrichtungen werden knapp bleiben und so sind innovative Konzepte auch mit Einbezug der Wirtschaft gefragt. Da dies in Hamburg Tradition hat, bin ich sicher, dass derartige Konzepte auch erfolgreich umgesetzt werden können.

Haben Sie „ausgelernt“? Oder was haben Sie sich noch für Ziele gesetzt?

Natürlich habe ich auch nach über 20jähriger Berufstätigkeit in der Luftfahrt nicht ausgelernt. Man lernt doch jeden Tag, wenn man mit offenen Ohren und Augen durch den Betrieb geht oder sich auch für Entwicklungen in anderen Branchen interessiert, die man im eigenen Betrieb nutzen könnte. Somit ist jeder Tag ein „Tag des Lernens“.

Das Gespräch mit Claus-Dieter Wehr führte Bildungsexpertin Franziska Wille.


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